Die schwersten Vulkanausbrüche des 20. Jahrhunderts

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Mit zwei Tagen Verspätung und einiges an Zeitdruck komme ich doch noch dazu.

El Chichon 1982:

El Chichón ist ein bis zu 1050 Meter hoher Vulkan in der mexikanischen Provinz Chipas und der Südöstlichste Vulkan Mexikos.

Bis zum Jahr 1982 war dieser ein ziemlich unbekannter Vulkan. Es handelte sich um einen 1260 Meter hohen, von dichtem Wald bewachsenen Lavadom, der innerhalb einer 2 Kilometer großen Caldera herangewachsen ist, also ein typischer Somna-Vulkan.
Im Jahr 1930 wurde der Berg als Vulkan identifiziert, da aber keine Eruption in den letzten Jahrhunderten bekannt war und auch sonst keine nennenswerte Aktivität verzeichnet wurde, hat man ihn als erloschen bezeichnet.
Wie man heute weiß, bricht El Chichón sehr selten aus, nur alle paar Jahrhunderte einmal, aber wenn, dann richtig. In den letzten 10.000 Jahren sind 12 Ausbrüche des Vulkans bekannt. Ein weiterer wird vermutet, ist aber noch unsicher.
Jedenfalls schenkte durch die lange Ruhephase seit 1350 niemand dem Vulkan Beachtung, als im Jahr 1980 erhöhte Aktivität in Form von Fumarolenaktivität und Mikrobeben registriert wurde. Diese Aktivität, vor allem die Erdbeben, steigerten sich bis zum Frühjahr 1982. Dann reisten erste Forscher in das Gebiet um den Vulkan zu untersuchen. Zumindest hatten sie es vor. Denn noch bevor die Vulkanologen dort eintrafen, brach der Vulkan am 28. März kurz vor Mitternacht, begleitet von einem Beben der Stärke 3,5, aus. Eine gewaltige Explosion sprengte den Gipfel des Berges weg und förderte riesige Mengen an Asche, die innerhalb der ersten Stunde der Eruption mehr als 17 Kilometer hoch in die Atmosphäre geschleudert wurde. Im Umkreis von 100 Kilometern um den ehemaligen Berg ging die Asche nieder und begrub Häuser und Plantagen unter sich. Die Menschen, die von dem Ausbruch völlig überrascht wurden, flüchteten.
Die Wucht der Eruption hielt nicht lange an. Nach wenigen Stunden schwächte sich der Vulkan ab. Diese ruhige Phase hielt bis zum 3. April an.
Am Abend diesen Tages setzte eine zweite, noch gewaltigere Eruption ein. Riesige Aschewolken, aus denen es Bimssteine regnete, stiegen 29 Kilometer hoch in die Atmosphäre und verdunkelten am 4. April(Palmsonntag, von einem Lokalen Priester in „Aschesonntag“ umgetauft) den Himmel um den Berg. Pyroklastische Ströme entstanden und verwüsteten die Umgebung. Wälder und Dörfer wurden dem Erdboden gleich gemacht. Die Menschen, die trotz eilig ausgerufener Evakuierungsmaßnahmen in ihren Dörfern blieben oder zurückkehrten, erstickten oder verbrannten in den Glutwolken.

Offiziell starben bei dem Ausbruch 187 Menschen, aber es wurde nur ein Bruchteil aller Opfer geborgen. Die wahrscheinliche Opferzahl dürfte bei mehr als 2000 liegen.
Neben der Asche wurden bei der Eruption auch große Mengen des Gases Schwefeldioxid in die Atmosphäre gepustet. Dieses reagierte mit dem Wasser in der Atmosphäre zu Schwefelsäuretröpfchen(Aerosole), die um die Erde zogen und den einen dünnen Schleier um den gesamten Planeten legten. Die Folgen: Farbenprächtige Sonnenuntergänge und eine Reduzierung der Durchschnittstemperaturen auf der Nordhalbkugel in den folgenden Jahren um 0,2°C.
Vom einstigen Berg ist nur ein 1 Kilometer weiter, von einem Säuresee gefüllter Krater übrig geblieben.

Die Eruption dauerte noch bis September 1982 an. Insgesamt wurden bei der Eruption etwa 1,5 Kubikkilometer an Lockermaterialien ausgestoßen, was einem Wert von 5 auf den VE-Index entspricht.

In den Jahren nach der Eruption kam es noch zu gelegentlichen Erdrutschen innerhalb des Kraters, sowie bei starken Regenfällen zu Laharen, die aber ohne Folgen blieben.
In den Jahren 2000 und 2007 wurde am Vulkan erneut erhöhte Aktivität registriert. Diese hielt aber immer nur kurz an, so dass es nicht zu einem weiteren Ausbruch kam. Diesen wird es wohl erst in einigen hundert Jahren geben. Dann wird sich die Geschichte von 1982 wiederholen, nur hoffentlich wird die Regierung bis dahin nicht vergessen, wie gefährlich der Vulkan sein kann, so dass die Anwohner rechtzeitig evakuiert werden.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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