Erdbeben von L’Aquila: Haftstrafen für Wissenschaftler gefordert

In Italien stehen aktuell sieben Wissenschaftler vor Gericht. Sie werden wegen fahrlässiger Tötung in 309 Fällen angeklagt. Weil sie das Erdbeben in L’Aquila im Frühjahr 2009 nicht vorhergesagt haben.
Die Staatsanwaltschaft fordert mindestens 4 Jahre Haft für die Wissenschaftler.

Die beschuldigten Forscher hatten in den Tagen vor dem Erdbeben versichert, dass die Zunahme von leichten Beben in der Region von L’Aquila normal sei und keine Gefahr durch ein großes Beben drohe.

Diese Äußerung wird von der Staatsanwaltschaft als „fahrlässig“ und „untauglich“ bezeichnet. Die Forscher haben demnach die Gefahr eines Erdbebens beiseite geschoben, weswegen sich Menschen in der Erdbebennacht in den Gebäuden aufhielten, die später zerstört wurden.

Die Verteidigung der Angeklagten wird am 9.und 10. Oktober ihr Plädoyer halten, eine Urteilsverkündung wird für den 23. Oktober erwartet.

Das Erdbeben von L’Aquila ereignete sich früh morgens am 6. April 2009. Es hatte Stärke 6,3 und eine Tiefe von 5 Kilometern. Durch die Erdstöße wurden in der italienischen Stadt L’Aquila 309 Menschen getötet und 15.000 Gebäude zerstört.

Wir werden diesen Prozess weiter verfolgen und Berichten, wenn es etwas Neues gibt.

Dass in Italien vielleicht Menschen verurteilt werden, weil sie ein Erdbeben nicht vorhergesagt haben.(Was ja in Kreisen der Wissenschaftler immernoch als „unmöglich“ abgestempelt wird) Wie viele Jahre müsste ich dann bekommen?

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Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.