Der Osten zittert

Nicht nur die kalte Russland-Luft macht Osteuropa zur Zeit zu schaffen. Auch eine ungewöhnliche Anzahl an Erdbeben sorgt regional für Aufmerksamkeit.

Erdbeben der letzten zwei Wochen (farbige Kreise) vom EMSC registriert. Schwarze Kreise: nicht vom EMSC registrierte Erdbeben.

Alphabetisch:

Albanien: 
Bekanntermaßen ist Albanien ein seismisch sehr aktives Land, aber die letzten Wochen waren dort überdurchschnittlich. Zwei Erdbeben über M 4, 4,1 im Süden und 4,4 an der Grenze zum Kosovo, innerhalb weniger Tage sind dort nicht normal. Glücklicherweise waren beide ohne Folgen.

Bulgarien:
Das gestrige Erdbeben der Stärke 4,8 hat das halbe Land erschreckt. Selbst in Teilen von Sofia war es noch spürbar, ebenso im Süden von Rumänien. Zeugenberichte gibt es auch aus Odessa(Ukraine) und Istanbul(Türkei). Schäden gab es glücklicherweise keine.

Estland:
Seit dem 28. November kam es im Norden von Estland zu vier Erdbeben zwischen M 1,8 und M 2,8.

Polen:
Die übliche Region in Niederschlesien hat neben einem M 4,1 eine ganze Reihe kleinerer Beben hervorgebracht. Nicht ungewöhnlich für die letzten Monate.
An der Grenze zur Tschechien und zur Slowakei tobt aber zur Zeit ein weiterer Erdbebenschwarm. Bislang hat dieser noch keine großen Erdbeben hervorgebracht, aber 17 2er Beben in 14 Tagen lassen schon aufhorchen.

Rumänien:
Ein Land, das immer für ein größeres Beben gut ist. Da passt es ins Bild, dass es zur Zeit der hohen Aktivität in Vrancea zu einem Beben der Stärke 4,6 kommt. Das ist in der Region aber nicht ungewöhnlich, auch wenn es durch die moderate Tiefe meist das ganze Land betrifft.

Slowenien:
Nahe der Österreichischen Grenze kam es Gestern zu einem ungewöhnlich starken Beben mit M 3,9. Andere Quellen geben 4,3 an. Klar, Slowenien kann auch M 7, aber im allgemeinen sind Erdbeben in Slowenien eine Seltenheit.

Ukraine:
Zwei Erdbeben, die nicht vom EMSC registriert wurden, ereigneten sich am 1. und 3. Dezember in der Ukraine, eines davon an der Grenze zu Weißrussland. Beide hatten Magnitude 3,3. Außerdem gab es einige Beben im Schwarzen Meer.

Wir erinnern uns an die Warnung der ukrainischen Behörden, eines bevorstehenden Starkbebens in der Region Odessa. Bei der aktuellen Erdbebenlage sollte man dies nicht ausschließen.
Auch Mitteleuropa könnte bald betroffen sein. Nach seismisch aktiven Tagen in Osteuropa folgte in der Vergangenheit häufiger ein stärkeres Erdbeben in Deutschland und/oder Umgebung. Für Koblenz wurde ja bereits eine offizielle „Warnung“ herausgegeben.

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Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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