Erdbebengebiete Mitteleuropas Teil 1; Niederrhein

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Ich habe mich dazu entscheiden eine neue Wochenserie hier auf JEV zu schreiben. Jeden Samstag stelle ich euch eine Erdbebenregion Mitteleuropas vor. Themen sind: Wo genau liegt diese Region und welche Vorgänge laufen dort ab?, Welche großen Beben gab es dort schon? und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines neuen Erdbebens?
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen, falls es noch Fragen oder Verbesserungsvorschläge gibt, könnt ihr dies in ein Kommentar schreiben.

Die Erste Region die ich euch vorstelle ist der Niederrhein, vorallem  der Region des Dreiländerecks Deutschland/Niederlande/Belgien. Die meisten Bewohner der Region wissen nach 1992 das es dort Erdbeben gibt, doch das war für die meisten das einzige bekannte. Erdbeben entstehen hier, weil die Afrikanische Platte Südlich von Italien gegen die Eurasische Platte, auf der Deutschland liegt, drückt. Die Spannungen werden weitergeleitet. In den Schwächezonen kommt es dann zu den Beben. Infolge dieser senkt sich die gesamte Kölner Bucht ab. Dies führt zu weiteren Beben.

Eines der stärksten Beben am Niederrhein gab es 1992. Am 13. April um 3.23 Uhr Morgens fing plötzlich die Erde stark an zu Beben. Menschen rannten in Panik aus ihren Häusern. Die Tiefe des Bebens wurde mit 15km angegeben. Das Epizentrum lag etwas südlich der Niederländischen Stadt Roermond. Dort hatte es eine Intensität von VII. Auch in Bonn war das Beben außergewöhnlich stark zu spüren für diese Entfernung, dort hatte es eine Intensität von V-VI. Zu spüren war es noch in Mailand (Italien) und London (England).

Obwohl Erdbeben im Gebiet des Niederheins nicht selten sind, konnten viele Menschen nichts mit dem plötzlichen „wackeln“ anfangen. So kommt es auch dazu das einige nicht an ein Beben dachten. Hier ein amüsanter Kommentar zu dem Beben vom WDR.

„Meine damalige Schwedisch-Lehrerin hatte damals ihre Eltern zu Besuch, und es wurde ausgiebig gefeiert. Die kleine Tochter war gegen acht Uhr ins Bett geschickt worden, der Rest der Gesellschaft legte sich kurz nach Mitternacht schlafen. Als es dann rumpelte, und die Eltern nach ihrer Tochter sahen, sass diese aufrecht im Bett, hielt sich die Ohren zu und rief „Sluta dansa nu!!“ („Hört endlich auf zu tanzen!“) 🙂 „

Auch Patrix erinnert sich noch an das Beben vom 13.4.92:

An diese Nacht könnte ich mich ohne das Beben wohl nicht mehr erinnern, durch dass Schütteln allerdings ist es mir wie Gestern im Gedächtnis geblieben.
In dem Jahr habe ich Examen gemacht und hatte mich auf das mündliche Examen Niederländisch nicht vorbereitet, Nachts bekam ich dann ein schlechtes Gewissen und somit war ich am lernen als es bebte.

Zu dieser Zeit lebte ich in Maastricht in den Niederlanden, Luftlinie 43km von Roermond entfernt.
Ich saß also auf meinem Bett und versuchte Literatur die ich noch nie gelesen habe zu erfassen als ich auf einmal ein lautes Grollen auf mich zu kommen hörte, es hörte sich in etwa an wie ein altes Russisches Frachtflugzeug das sehr niedrig fliegt aber auf eine komische rollende Art.
Nie vorher habe ich ein Beben gehört aber Instinktiv wusste ich was es war, dann schüttelte es auch schon, es war wirklich kräftig und da ich ein altes Bett hatte befürchtete ich das mein Bett unter mir zusammen bricht. Das Schütteln war recht schnell vorbei und das Grollen „rollte“ von mir weg.

Die Schäden in Maastricht waren gering, Glasbruch, Bilder die gefallen sind und Risse in Fassaden.

Und mein mündliches Examen?

Meine Niederländisch Lehrerin war ausser sich, völlig aufgelöst, Sie war mehr oder weniger unter Schock.
Wir haben dann quasi das ganze Examen lang über das Beben gesprochen und ich kam mit einer passabelen Note davon 😉

Die Schäden in der Nähe des Epizentrums waren Groß, in Roermond (Bild 1) wurden viele Gebäude beschädigt. Schornsteine und Dachziegeln stürzten von den Dächern, Fenster zerbrachen, und ganze Mauern standen schief, einzelne wurden komplett zerstört. Auch noch in Bonn gab es große Schäden, vorallem im Regierungsviertel, (für die, die es nicht wissen,Bonn war damals die Hauptstadt von Deutschland). Dort wurden viele Bauten beschädigt (Bild 2). In Köln schlug ein Relief von einem Turm durch das Dach des Domes, Schaden 100.000 DM.
Insgesamt wurde der Schaden auf Deutscher Seite auf 120Mio DM geschätzt. In Heinsberg wurden 17 Menschen Obdachlos, über 200 Gebäude wurden dort beschädigt.
In Bonn starb eine 79 Jahre alte Person starb an einem Herzinfarkt, 59 Menschen wurden verletzt.
Es war das stärkste Erdbeben am Niederrhein seit 1756, damals wurde Düren bei Aachen von einem Erdstoß der Stärke 6,4 getroffen, 4 Menschen starben

Auch in neuerer Zeit gab es dort heftige Erdbeben. 1983 sterben bei einem Beben der Stärke 5,1 bei Lüttich (Belgien) 2 Menschen. Am 22 Juli 2004 werden einige Gebäude bei einem Beben der stärke 5,2 bei Alsdorf beschädigt. Das Bisher letzte Erdbeben gab es am 8. September 2011 bei Goch mit eine stärke von 4,6.

Auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ist dort mit weiteren, zum teil auch starken, Erdbeben zu rechnen. Alle 2-4 Jahre ist dort mit einem Beben über M4 zu rechnen. Alle 10-20 Jahre auch mit einem über M5, dann könnten Mauern Risse bekommen, Schornsteine einstürzen. Etwa alle 200 Jahre ist dann mit einem beben um 6 zu rechnen. Also erst ende des 22. Jahrhunderts.

Quellen: Bilder
(Planet Wissen)
(Kult-News)

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Lukas Rentz

Lukas ist 19 und macht voraussichtlich 2018 sein Abitur an einem Gymnasium in Alzey. Anschließend soll ein Geologie-Studium folgen.