Indien: Einreiseverbot für Erdbebenforscher

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Erdbebenforscher geraten verstärkt ins Visier der Justiz. Kürzlich waren sieben von ihnen zu Gefängnisstrafen verurteilt worden, weil sich vor dem fatale Erdbeben von L’Aquila in Mittelitalien 2009 in fahrlässiger Weise geäußert haben sollen. Der Prozess geht in die Revision.
Jetzt wurde ein weiterer Fall bekannt: Dem angesehenen Seismologen Roger Bilham von der University of Colorado in Boulder, USA, wurde die Einreise nach Indien verweigert. Der Grund sollen seine Studien im westindischen Jaitapur sein, bestätigte Bilham SPIEGEL ONLINE: Der Forscher hatte wiederholt vor starken Erdbeben in Jaitapur gewarnt, wo ein Atomkraftwerk gebaut werden soll.
Bei seiner Einreise im Mai 2012 sei er am Flughafen Neu-Delhi zurück in die USA geschickt worden. Ihm sei nur mitgeteilt worden, er stünde auf einer Liste von Personen, denen die Einreise verboten sei. Zudem hätten ihm mehrere indische Wissenschaftler mitgeteilt, nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen; sie hätten jegliche Korrespondenz abbrechen müssen, schreibt Bilham auf seiner Internetseite.
Die verantwortliche indische Behörde MHA erklärte dem Wissenschaftsmagazin “Science”, Bilhams Visum habe nicht den Vorschriften entsprochen. Ein MHA-Mitarbeiter bezeichnete Bilhams Studien “Science” zufolge als “Panikmache”. “Sie haben sich mein Visum gar nicht angesehen”, berichtet hingegen Bilham.
Bilham hat Dutzende Studien über Erdbebengefahr in Indien veröffentlicht, in denen er vielfach vor starken Beben gewarnt hat. Indien wurde immer wieder von verheerenden Beben überrascht, zuletzt starben im Jahr 2011 118 Menschen bei einem Erdbeben der Stärke 6,9 in der Provinz Sikkim. Erst kürzlich hat ein internationales Forscherteam vor Megabeben in Nepal und anderen Teilen des Himalaya (Indien) gewarnt. Zudem gibt es wahrscheinlich noch viele unentdeckte gefährliche Bruchlinien in Indien.
Kollegen machen sich für Bilham stark: “Wir sollten den Mut haben, uns für offene Kritik einzusetzen”, sagt etwa der indische Forscher Khadg Singh Valdiya vom Nehru Centre for Advanced Scientific Research in Bangalore dem Magazin “Science”.

Quelle: Pravda-TV

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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