Italien: Erdbebenforscher sollen schuld an der Katastrophe in Norditalien sein

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Im Vergangenen Mai verwüsteten mehrere starke Erdbeben Teile der Norditalienischen Provinz Emilia-Romagna und töteten 24 Menschen. Es war die größte Erdebenkatastrophe seit 3 Jahren. Und genau wie drei Jahre zuvor, beim verheerenden Erdbeben in L’Aquila, werden auch nun die Erdbebenforscher für die Katastrophe verantwortlich gemacht.
Eine Studie soll, nach Aussage der Italienischen Staatsanwaltschaft, zeigen, dass die Seismologen im Vorfeld des Erdbebens nicht ausreichend auf die möglichen Gefahren hingewiesen haben, und dass die Menschen dadurch unvorbereitet ins offene Messer liefen.
Die Behauptung wird auf einer Aussage des Seismologen Enzo Boschi gestützt. Dies ist einer der Männer, die vergangenen Oktober wegen unzureichender Warnung vor dem L’Aquila-Erdbeben zu Haftstrafen verurteilt wurden. Dieser sagte im Jahr 2008 als Leiter des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie, dass in der Region um Mirandola (genau dort, wo 4 Jahre später das Epizentrum war) kein hohes Erdbebenrisiko bestehe.

Kann ein Mensch für zwei verheerende Naturkatastrophen verantwortlich gemacht werden, weil er das gesagt hat, was jeder gesagt hätte? Durchschnittlich alle 500 Jahre ein schweres Erdbeben in Norditalien, darf man das nicht als „kein hohes Erdbebenrisiko“ bezeichnen?

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Siehe auch:
Erdbeben von L’Aquila: Wissenschaftler zu Haftstrafen verurteilt (22. Oktober 2012)
Schweres Erdbeben in Norditalien (28. Mai 2012)

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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