Erdbeben im Iran: Aktuelles und Hintergründe

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Das Erdbeben, dass gestern Mittag den Süden des Irans erschütterte, war das bislang verheerendste Erdbeben des Jahres. Nach aktuellen Zahlen wurden mindestens 40 Menschen getötet und über 1000 verletzt. 3 Dörfer wurden komplett zerstört, duzende weitere schwer getroffen. Zehntausende Menschen sind obdachlos, die Nachbeben bis über Stärke 5 halten an, verursachen weitere Schäden. Auch auf der anderen Seite des Persischen Golfes, in Abu Dhabi, Dubai, Manama, Doha und Riad war dieses Erdbeben spürbar und verursachte teilweise Panik. Es wird noch Tage dauern bis das gesamte Ausmaß der Katastrophe bekannt wird. So lange werde wir hier weiterberichten.
Es wurden diverse Hilfsgüter bereitgestellt, um die Opfer zu versorgen. 900 Zelte, 250.000 Decken, Lebensmittel und 50.000 Flaschen Wasser wurden geliefert. Die Armee ist mit Flugzeugen im Einsatz.
Mehrere Nationen haben ihre Unterstützung zur Bewältigung der Katastrophe angeboten. Papst Franziskus hat mitteilen lassen, dass er für die Opfer bete.

Dort wo es Unglück und Elend gibt, sind die Verschwörungstheoretiker nicht weit weg. In Foren und Sozialen Netzwerken wird das Erdbeben mit den USA in Verbindung gebracht, die kurz vorher im Persischen Golf eine Laserkanone testeten. Mit Hilfe der Forschungseinrichtung HAARP soll dieser Angriff gegen den Iran gestartet worden sein (als Testlauf für einen Schlag gegen Nordkorea).
Andere wiederum fantasieren, dass Erdbeben sei ein Atombombentest von wem auch immer gewesen. Auch das nahe Atomkraftwerk spielt in den Theorien eine Rolle.
Seriöse Seiten werden mit solchen Müllkommentaren und Links zu angeblichen beweisen zugespamt.

Die Wahrheit sieht aber wie folgt aus und wird einige Menschen schockieren:
Das Erdbeben war tektonischen Ursprungs! Der Süden des Iran ist ein Erdbebengebiet, in dem es alle paar Jahre zu Erdbeben dieser Stärke kommt, und die jedes Mal tödlich enden. Zuletzt im Jahr 2008 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6,1 die benachbarte Provinz Hormozgan. Kleinere Beben sind häufiger, ebenfalls nicht immer ungefährlich.
Nicht nur der Süden, der gesamte Iran ist gefährdet. Im Persischen Golf, bzw. im Süden des Iran trifft die Arabische Platte auf die Eurasische. Da sich beide in entgegengesetzte Richtungen bewegen, kommt es zur Kollision. Die schnellere Arabische Platte faltet dabei die Eurasische Platte auf. Das Erdbeben ist eine direkte Folge dieser Kollision. Die aufgebaute Spannung hat sich durch eine vertikale Bewegung der Eurasischen Platte nach oben entladen. Dies entspricht auch der Darstellung des BeachBalls. Die Nachbeben haben den gleichen Ursprung.
Alles natürlichen Ursprungs. Kein Mensch, kein Computer und kein Laser hatte da einen Einfluss drauf.

Noch ein paar Worte zum Atomkraftwerk:
Es ist immer riskant ein Atomkraftwerk in einem Erdbebengebiet zu bauen (siehe Fukushima). Aber die Russen und die Iraner, die am Bau beteiligt waren, werden dafür gesorgt hat, dass so ein „alltägliches“ Erdbeben keine Schäden verursacht. Dazu benötigt es schon eine Ausnahmeerscheinung, das Kraftwerk soll bis Magnitude 8 ausgelegt sein.
Zudem kann man sagen, wenn man nach einem erdbebensicheren Gebiet im Südiran fragt, dass es sich rund um der Stadt Bushehr befindet. Dort sind starke Erdbeben vergleichsweise seltener. Und „Fernbeben“wie gestern werden kein Einfluss auf das Atomkraftwerk haben. Diese Bauweise ist nicht mit der normalen im Iran zu vergleichen.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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