Sichuan: Diskussion um Erdbebenursache – Wasserkraftwerke im Fokus

Share Button

Seit Jahren zieht sich die Diskussion über durch Wasserkraftwerke induzierte seismische Aktivität. Überall auf der Welt. Belegt sind leichte Erdbeben, die immer wieder an Stauseen auftreten. Letztes Jahr hat ein Stausee in Vietnam für Aufsehen gesorgt und zur Zeit beschäftigen Stausee-induzierte Erdbeben die Menschen an der Grenze von Bosnien-Herzegowina und Montenegro. Meist sind diese Erdbeben harmlos. Doch zunehmend geraten auch große Erdbeben in den Verdacht „menschengemacht“ zu sein.

Bislang gilt Magnitude 6 als die oberste Grenze für ein nachgewiesen induziertes Erdbeben. Aber in China regt sich Protest gegen diese Marke.
Stauseen nahe des Epizentrums westlich von
Chengdu (Sichuan)
Bereits vor 5 Jahren, als ein schweres Erdbeben in Sichuan (M 7,9) zehntausende Menschenleben forderte, wurden die vielen Stauanlagen in der Region mitverantwortlich gemacht.
Der zusätzliche Druck auf nahe Bruchlinien, der durch den künstlich erzeugten See entsteht, begünstige die Entstehung von Erdbeben. Das Wasser dringe außerdem in die Gesteinsbrüche ein und wirke als Schmiermittel, wodurch sich die aufgebauten Spannungen leichter lösen können. So die Begründung dieser These. 
Auch nach dem Erdbeben vor wenigen Tagen,  
(M 7,0) dem etwa 200 Menschen zum Opfer fielen, werden nun die vielen Stauseen in der Region verantwortlich gemacht. Immer mehr Geologen sind dieser Meinung.
Die Verantwortlichen und Betreiber der Wasserkraftwerke bestreiten dies.
In der Nähe des Epizentrums gibt es viele kleine, aber auch größere Stauseen, die für die Region vor alle für die Stromerzeugung von Bedeutung sind. Die meisten dieser Seen liegen direkt auf einer der vielen Verwerfungen der Region. (Einige der Verwerfungen sind so groß, dass sie selbst auf dem Luftbild als von Südwesten nach Nordosten verlaufende Linien erkennbar sind.) Somit ist die Grundlage geschaffen, dass die Stauseen zumindest kleine Erdbeben erzeugen. Ob die Bedingungen aber auch für größere Erdbeben reichen, ist nicht nachgewiesen. Und wird es vermutlich auch nie sein. Zu viel steht für die Wirtschaft der Region auf dem Spiel, als dass die Verantwortlichen an einer Aufklärung dieser Frage interessiert sind. 

Beiträge der gleichen Kategorie

Starkes Erdbeben im Norden von Sichuan China - Im Grenzbereich der Regionen Sichuan und Gansu hat sich am Samstag ein starkes Erdbeben ereignet. Nach Angaben des United States Geological Su...
Starkes Erdbeben erschüttert Xinjiang China - Ein starkes Erdbeben hat am Mittag (MESZ) den westen Chinas erschüttert. Der chinesische Erdbebendienst gibt die Stärke mit 5,7 an. Das Epizen...
Moderates Erdbeben in Ningxia China - Zum 24. Mal in diesem Jahr hat ein Erdbeben in China zu Gebäudeschäden geführt. Betroffen ist diesmal die Provinz Ningxia. Wie die chinesische...
Von Kos bis Ischia: Erdbeben auf Ferieninseln Die Urlaubssaison 2017 ist noch nicht ganz beendet. Doch schon jetzt haben viele Deutsche von Urlaub erstmal die Nase voll. In zahlreichen beliebten U...
The following two tabs change content below.

Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

Neueste Artikel von Jens Skapski (alle ansehen)