Erdbebengefahr in Dubai: 5 Erdbeben in 34 Tagen

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Eigentlich gehört Dubai zu den Großstädten der Welt, wo sich Architekten wenig Sorgen um das Erdbebenrisiko machen müssen. Vielleicht auch ein Grund, warum die Ölscheichs bedenkenlos in solche Mega-Bauwerke investieren.
In den vergangenen Wochen sah die Situation am Burj Khalifa aber anders aus. Insgesamt 5 Erdbeben erschütterten die Luxushotels und künstlichen Inseln, verängstigten Menschen und sorgten dafür, dass manche Hochhäuser aus Sicherheitsgründen evakuiert werden mussten. (unter anderem das Burj Khalifa)
Dabei waren die Vereinigten Arabischen Emirate von keinem der Erdbeben direkt betroffen. Die Epizentren der Erdbeben lagen alle jenseits des Persischen Golfes und sorgten dort für Verwüstungen.
Angefangen hat es am 9. April mit einem Erdbeben der Stärke 6,3 in Bushehr. Eine Woche später war die Region Sistan und Belutschistan von einem Erdbeben der Stärke 7,8 betroffen. Gestern folgte ein Erdbeben der Stärke 6,2 in Hormozgan, gefolgt von Nachbeben der Stärken 5,6 und 5,5. Alle diese Beben waren in Dubai spürbar, richteten aber keine Schäden an.

Bei so vielen spürbaren Erdbeben, mehr als Mexiko-City im gleichen Zeitraum erlebt hat, kommt die Frage nach der Erdbebensicherheit auf.

Wie es war so ist es: Die größte „Gefahr“ für die VAE geht von Erdbeben im Iran oder Pakistan aus. Starke Erdbeben dort waren in der Vergangenheit immer wieder auch in Dubai spürbar. Erdbeben mit Epizentren in der Vereinigten Arabischen Emirate sind eine Seltenheit. Im Land gibt es nur zwei bekannte aktive Verwerfungen. Zum Einen die Western-Coastline-Verwerfung, die sich unter anderem auch durch Dubai und Abu Dhabi zieht, und zum Anderen die Dibba-Verwerfung im Osten des Landes an der Grenze zum Oman. Letztere war die aktivere in den vergangenen Jahren. 6 Erdbeben über Magnitude 4 sind seit 2002 registriert worden, das stärkste am 11. März 2002 mit Magnitude 5,0. Das jüngste Erdbeben ereignete sich am 21. Oktober 2012 mit Stärke 4,5, beschädigte mehrere Gebäude und verletzte eine Person. Ältere Aufzeichnungen gibt es nicht, da erst vor wenigen Jahren ein Netz von Seismologischen Stationen in der VAE installiert wurde.

An der Westküste sind keine größeren Erdbeben bekannt. Daher gehört Dubai auch nicht zum Erdbebenhochrisikogebiet. Dennoch sind die Hochhäuser der Stadt bis zu einem Erdbeben der Stärke 5,5 an der Westküste ausgelegt, was für lokale Erdbeben eine ausreichende Schutzmaßnahme darstellt. Aber man sollte die Gefahr aus dem Iran auf keinen Fall unterschätzen, das haben die letzten Wochen gezeigt. Diese Beben der vergangenen Tage waren entweder nicht sehr stark (um Magnitude 6) oder weit genug weg und tief, wie das Erdbeben in Belutschistan, um schwere Schäden anzurichten.
Es kann auch schlimmer sein. Die größte Gefahr bietet der Sandboden, auf dem Dubai gebaut ist. Dieser verlangsamt seismische Wellen, was zu größeren Amplituden und damit zu einer größeren Zerstörungskraft führt. Ähnlich wie in Mexiko-City, wo ein sehr starkes Fernbeben im Jahr 1985 eine Katastrophe verursachte. Der Boden unter Dubai gehört zum Typ D, das heißt, eine signifikante Verstärkung von Erdbebenwellen im Vergleich zu niedrigeren Kategorien (A-C) ist zu erwarten.
So könnte es in naher oder ferner Zukunft vielleicht die Insel Qushm vor der Iranischen Küste sein, von der eine Gefahr für Dubai ausgeht. Dort kam es im Jahr 2008 zu einem Erdbeben der Stärke 6,1, dass Panik im nur 170 Kilometer entfernten Dubai verursachte. Zu Schäden kam es damals nicht. Aber in der Vergangenheit der Insel hat es auch stärkere Erdbeben gegeben. Wer weiß wie sich ein 7er Erdbeben auf dieser Insel, dass es irgendwann wieder geben wird, auf Dubai auswirken würde. Auch die Gefahr eines zerstörerischen Tsunamis im Persischen Golf, wie zuletzt im Jahr 1008, ist gegeben.

Fazit: Spätestens seit gestern sollten die Menschen in Dubai die Gefahr realisiert haben. Auch wenn die Gefahr nur vergleichsweise gering ist, sie besteht, und irgendwann wird es dazu kommen. Das Ausmaß der Katastrophe wird vom Verhalten jedes Einzelnen abhängen. Vorbereitung und das Wissen, was im Ernstfall zu tun ist, sind die beste Schutzmaßnahme.

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Siehe auch:
Schweres Erdbeben im Süden des Iran (Hormozgan) (11. Mai 2013)
Gewaltiges Erdbeben im Südosten des Iran (16. April 2013)
Schweres Erdbeben im Süden des Iran (Bushehr) (09. April 2013)
1 Verletzter nach Erdbeben in der VAE (21. Oktober 2012)

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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