Kamtschatka – Usbekistan – Algerien – Chile : Warnungen und Panikmache

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Der Unterschied zwischen Erdbebenwarnungen und Erdbebenpanikmache liegt dadrin, dass Warnungen meist von „Offiziellen“ ausgesprochen werden. Sie basieren auf ungewöhnliche Aktivitäten in einer Region, sowie statistische Wahrscheinlichkeiten. Von Panikmache kann man sprechen, wenn unbegründet Behauptungen aufgestellt werden, und diese verbreitet werden. 
In Kalifornien hatten wir zuletzt einen Fall von Panikmache. In anderen Regionen der Welt gibt es zur Zeit ähnliche Situationen. Im Folgenden ein Überblick über ähnliche Situationen weltweit.

Kamtschatka:

Bereits vor dem gewaltigen Erdbeben (M 8,3) wurde wegen eines Schwarmes vor der Ostküste von Kamtschatka eine Warnung vor einem bevorstehenden 8er Beben vom 20. bis 27. Mai herausgegeben. Statistisch gesehen wäre ein Erdbeben dieser Stärke genau an diesem Ort in den kommenden Jahren wahrscheinlich. Es kam im genannten Zeitraum zu einem Erdbeben, aber „leider“ 600 Kilometer tief im Erdmantel und damit nicht an dem Ort, wo es zu erwarten wäre. Dass der Schwarm und das große Beben dennoch „zusammengehören“, ist daran zu erkennen, dass die Epizentren auf einer Linie senkrecht zur Plattengrenze liegen.

Das oberflächennahe Megathrust-Beben steht nach wie vor aus. Daran hat auch das tiefe, harmlose Erdbeben nichts geändert. Die Forscher haben dies nochmals betont. 
Nach dem tiefen Beben hat der Schwarm nachgelassen. Die Gefahr besteht weiterhin. Die Bewohner sollten sich darauf einstellen, dass es sie in den nächsten Jahren treffen wird. Wann genau, kann niemand sagen.

Usbekistan:
Vielleicht als Folge des Kamtchatka-Bebens kam es am Wochenende in Usbekistan zu zwei starken Erdbeben. Durch die Medienzensur in Usbekistan ist recht wenig über die Auswirkungen der Erdbeben bekannt. Von Zeugen ist zu erfahren, dass es zerstörte Häuser und Verletzte gab, was die Usbekische Regierung jedoch dementiert. 
Zwei starke Erdbeben innerhalb kurzer Zeit in Usbekistan sind ungewöhnlich, entsprechend sind viele Menschen verängstigt. Dadurch entstanden Gerüchte, wonach die Hauptstadt Taschkent, wo beide Beben spürbar waren, in nächster Zeit von einem M 7-8 Erdbeben getroffen wird.
Die Nachricht wurde über Foren und WhatsApp-Kettennachricht an viele Menschen in Usbekistan verschickt, einzelne Medien griffen dieses Thema auf. Zwei Termine für ein Erdbeben wurden genannt, zum einen ein Zeitpunkt gestern Mittag, der bereits verstrichen ist, und zum Anderen der 1. Juni.
Die Forscher dementieren diese Aussage, es sei kein Erdbeben zu erwarten. Auch die Menschen selbst gehen überwiegend davon aus, dass die Erdbebenwarnung eine Lüge ist, und dass kein Erdbeben drohe. Dennoch sind viele Menschen, vor allem die, die am Wochenende betroffen waren, besorgt über diese Prognose. Zum ersten genanngen Termin sollen sich viele der Einwohner von Taschkent und umgebenden Orten in Parks und auf Straßen aufgehalten haben, in Erwartung des Erdbebens.

Da diese Warnung nicht von offizieller Seite kam und es keine Hinweise auf ein baldiges Starkbeben gibt, die letzten beiden schweren in Taschkent waren 1868 und 1966, ist es sehr unwahrscheinlich, dass es tatsächlich zu einem Erdbeben kommt. 
Algerien:
Die Menschen in Bejaia wurden in 7 Tagen zweimal von moderat starken Erdbeben getroffen. Beides Mal gab es Schäden und Verletzte. Vor allem nach dem zweiten Erdbeben gab es verbreitet Panik. Aus dieser wiederholten Panik entwickelten sich in Internet Gerüchte, dass es bald ein weiteres, noch stärkeres Erdbeben gibt. 
Bereits in November gab es in Bejaia ein ähnlich starkes Erdbeben wie gestern. Zudem wurden zwei weitere Erdbeben in diesem Monat an anderen Orten des Landes registriert, eines davon nahe Algier.
Eine solche Erdbebenhäufung ist natürlich ungewöhnlich, dennoch ist dies kein Anzeichen eines größeren Erdbebens. Der Ursprung dieses Gerüchtes ist die verständliche Angst des Menschen und kein wissenschaftlicher Beleg. 
Chile:
Das Land war in den letzten Monaten eher weniger im Fokus. Dennoch spielt sich seit Monaten im Norden des Landes entwas ungewöhnliches ab, worüber wir schon mehrfach berichtet haben.
Eine ungewöhnliche Häufung von kleinen Erdbeben wurde registriert. 2013 bislang ziemlich genau 700 über Magnitude 3 und viele weitere kleinere. Im gleichen Zeitraum war die seismische Aktivität im Süden des Landes deutlich geringer. Größere Erdbeben waren im Norden nur selten dabei. Zuletzt heute um 11.01 Uhr mit Stärke 5,4.
Die Erdbeben im Norden verteilen sich auf alle Tiefen, wobei die meisten Beben direkt auf die Subduktionszone zurückzuführen sind. Vor allem in letzter Zeit gab es aber auch einige Beben aufgrund Bewegungen kleiner regionaler Verwerfungen.
Es gibt einige, die in dieser Erdbebenaktivität ein Anzeichen eines bevorstehenden Megathrust-Bebens sehen. Tatsächlich ist der nördliche Küstenabschnitt von Chile der einzige, an dem es in den letzten hundert Jahren kein Megathrust-Beben gab. Küstenabschnitte im Süden waren im gleichen Zeitraum teils von mehreren betroffen. Daher ist es ziemlich wahrscheinlich, dass es das nächste starke Beben in Chile im Norden geben wird. Eine erhöhte Gefahr durch die Häufung der Beben besteht aber nicht. 
(Auf allen Karte sind die Erdbeben der letzten 2 Wochen als Kreise dargestellt. Die Daten stammen vom EMSC. Je größer der Kreis, umso größer war das Erdbeben. Unterschiedliche Farben stellen unterschiedliche Tiefen dar. Rot sind die flachen Beben bis 40 km Tiefe, gelb bis 80 km, grün bis 150 km, blau bis 300 km und violett alle Beben mit einer Tiefe von mehr als 300 km) 

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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