Leichter Erdbebenschwarm bei St. Gallen (Schweiz) – Geothermie-Bohrungen als Ursache – Leichte Schäden

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Seit gestern Abend kommt es im Nordosten der Schweiz, nur wenige Kilometer von der Stadt St. Gallen (und nur wenige Meter vom Stadion des Fußballvereins FC St. Gallen) entfernt, zu einem Erdbebenschwarm. Mindestens 18 Erdbeben wurden bislang registriert. Das stärkste ereignete sich um 5.30 Uhr heute morgen. Es hatte Magnitude 3,6. Der Schweizer Erdbebendienst erwartet ein weiträumiges Schüttergebiet, das auch Städte auf deutscher Seite des Bodensees mit einschließt. Jedoch sind dies nur theoretische Berechnungen.
Ernsthafte Schäden sind nicht zu erwarten. Der Schwarm könnte sich aber mit weiteren spürbaren Erdbeben fortsetzen.

Es ist möglich, dass dieser Erdbebenschwarm in Zusammenhang mit Geothermie-Bohrungen steht, die in St. Gallen durchgeführt werden. Das entsprechende Unternehmen will sich im Tagesverlauf dazu äußern.

Wenn einer unserer Leser heute morgen unsanft von dem Beben geweckt wurde, würden wir uns über einen Kommentar freuen.

Update 09.47 Uhr:
Es gilt mittlerweile als sehr wahrscheinlich, dass die Geothermie-Bohrungen für das Beben verantwortlich, da das Hypozentrum(~4-5 km) mit der Bohrtiefe übereinstimmt. Die Arbeiten wurden daher auf unbestimmte Zeit eingestellt. Es ist zu erwarten, dass dieses Erdbeben, dass bestätigt bis zum Bodensee spurbar war (vermutlich nicht in Deutschland), großen Einfluss auf die Zukunft des Geothermie-Projektes haben wird.
Ein ähnliches Projekt wurde vor einigen Jahren in Basel wegen leichter Erdbeben eingestellt. Die Region St. Gallen blieb bisher von (induzierten) Erdbeben verschont.

Eine ähnliche Geothermie-Anlage wie in St. Gallen befindet sich in Unterhaching bei München. Dort kam es dieses Jahr im April bereits zu einem Erdbeben der Stärke 2,0. Ob dieses mit den Bohrungen zusammenhängt ist unklar. Jedoch dürften auch nun Zweifel an der Sicherheit dieser Anlage aufkommen.

Update 11.54 Uhr:
Auch wenn es in dem Fall keine tektonischen Hintergründe zu erläutern gibt, ein kleiner Blick in die Erdbebenvergangenheit von St. Gallen.
Es handelt sich dabei um einer der „sicheren“ Städte in der Schweiz. Im Gegensatz zu Kantonen wie Basel, Graubünden, Luzern und Wallis kam es im Norden von St. Gallen in der Vergangenheit nicht zu schweren Erdbeben. Größere Erdbeben über M 5 gab es jedoch im Süden des Kanton St. Gallen, an der Grenze zu Österreich und Liechtenstein. Diese sind in der Vergangenheit auch schon mal heftig ausgefallen, wovon aufgrund der geringen Distanz auch der Norden betroffen war.
Aber auch dort kommt es vereinzelt zu leichten bis moderaten Beben. Diese erreichen aber meist nicht Magnitude 4, entsprechend sind größere Schäden auch nicht häufig.

Erst vorgestern wurde von der Schweizer Regierung der Vorschlag einer obligatirischen Erdbebenversicherung gemacht, die die Schäden eines Ereignisses, das alle 500 Jahre zu erwarten wäre, abdecken würde. Bislang ist eine Erdbebenversicherung in der Schweiz nicht die Regel, in der Hausratversicherung sind Erdbebenschäden meist nicht drin. Nur der Kanton Zürich hat eine gesetzliche Versicherung.

Der Erdbebenschwarm in St. Gallen (SED)

Update 23. Juli:
Entgegen erster Meldungen kam es durch das Erdbeben doch zu leichten Schäden. Bei einer extra eingerichteten Hotline gingen 25 Schadensmeldungen ein, ein paar davon beziehen sich auf Risse in der Fassade von Gebäuden.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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