Erdbebenangst: Shell beginnt "Fracking"-Projekt in Sichuan

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Wird nun die Zahl der verheerenden Erdbeben in China ansteigen?
Kritiker meinen: Ja!

Region Chengdu

Der europäische Energiekonzern „Shell“ hat nun zusammen mit „China National Petroleum“ damit begonnen, in der chinesischen Provinz Sichuan mit der kritisierten „Fracking“-Methode Erdgas zu fördern. Dies weckt bei vielen Menschen die Sorge, dass in der sowieso hochaktiven Region weitere schwere Beben ausgelöst werden.
Bei der Fracking-Methode werden Wasser und Chemikalien in das Gestein gepresst, um das dort eingeschlossene Gas nach oben zu drücken und es fördern zu können. Dies führt zu Rissen im Gestein und kann auch indirekt zu Erdbeben führen. 
An diversen Orten in Europa und Amerika wurden somit schon teils zerstörerische Erdbeben ausgelöst, und das teils an sonst absolut ruhigen Regionen. Zuletzt in der Region Groningen in den Niederlanden, wo Erdbeben zwischen Magnitude 3 und 4 immer wieder Häuser beschädigen. Oder in Texas, wo letztes Jahr bei einem 4er Beben sogar ein Mensch verletzt wurde. Auch Deutschland war schon betroffen. Vor einigen Jahren kam es zu einem Erdbeben der Stärke 4,7 in der Lüneburger Heide.
Auch ohne Fracking ist Sichuan ein gefährliches Pflaster, wo es immer wieder zu Beben über Stärke 6 kommt, teils mit katastrophalen Auswirkungen, so wie im April diesen Jahres. Aber auch kleine Erdbeben unter Magnitude 5 richten häufig teils schwere Schäden an, wie dieses Beispiel zeigt. 
Diese Schäden können im Falle eines Fracking-Bebens schlimmer ausfallen, da diese Beben deutlich flacher und somit intensiver sind. 
Die Bohrungen finden im Longmen-Gebirge westlich der Millionenstadt Chengdu statt. Die gleichnamige Longmenshan-Verwerfung, die durch das Gebirge verläuft, war die Ursache der Erdbeben im April 2013 und im Mai 2008 (M 7,9). 
Es wird geschätzt, dass in China etwa 31 Billionen Kubikmeter Gas lagern, knapp doppelt so viel wie in den USA. China will mit der Fracking-Methode die jährliche Produktionsmenge auf 1 Milliarde Kubikmeter erhöhen. Dafür investiert Shell 1 Mrd US-$ im Jahr. 
Neben der Erdbebengefahr gilt auch die Verschmutzung des Grundwassers und damit des Trinkwassers durch die Chemikalien als Kritikpunkt. Im Longmen-Gebirge gibt es dutzende Stauseen, die die Region Chengdu mit Trinkwasser und Strom versorgen. Auch diese Stauseen gelten als möglicher „Verstärker“ für schwere Erdbeben.
Welche Folgen das Fracking in China haben wird, kann erst im Nachhinein genau gesagt werden.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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