Erdbeben 2013 – Der Jahresrückblick

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Das Erdbebenjahr 2013 war global gesehen, trotz einiger Ausreißer nach oben, eher unauffällig und durchschnittlich. Im Folgenden sind alle wichtigen Informationen zusammengestellt.

Zahlen

Das European-Mediterranean-Seislmological-Centre (EMSC), das Erdbebendaten von verschiedenen Behörden weltweit bezieht und zusammenfasst, hat in diesem Jahr 7819  Erdbeben über Magnitude 4 registriert. Dies ist nur geringfügig mehr als im Jahr zuvor.
Diese Angabe ist aber nur ein ungefährer Wert und entspricht nicht der realen Zahl
1. weil einige Erdbeben, vor allem in Südostasien, Afrika, Neuseeland, Mittelamerika und abseits besiedelter Gebiete (in den Ozeanen, Antarktis, etc) Erdbeben, aber auch Nachbeben passierten, die nicht vom EMSC erfasst wurden.
2. weil bei Erdbeben in Zentralasien vom EMSC nahezu immer eine Magnitude angegeben wird, die weit über dem realen Wert liegt.
(Zum Beispiel:
EMSC: 2013-12-31 06:01:32.0 UTC Southern Xinjiang, China Magnitude 4.3

CEIC (chinesische Behörden): 2013-12-31 06:01:25 UTC Magnitude 3.3 )
3. weil es ein paar falsche Erdbebenmeldungen gab.

Unterm Strich gleicht sich das alles in etwa aus, so dass die Zahl einigermaßen realitätsnah ist.

Erdbeben über M 6.0 (EMSC / Google Maps)

Bei größeren Erdbeben ist die Sache eindeutiger, wobei es auch hier, je nach Magnitudenart und Quelle, zu geringfügigen Abweichungen kommt.
EMSC hat 147 Erdbeben über Magnitude 6 registriert. Davon erreichten 54 Magnitude 6.5. Nur 19 Beben hatten Magnitude 7.0 oder mehr.  (ein weiteres Beben in Sichuan wird von den chinesischen Behörden mit Magnitude 7.0 angegeben, vom EMSC aber nur mit M 6.6)
Im Folgenden sind diese Erdbeben aufgelistet (Verlinkt sind unsere jeweiligen Berichte dazu. Datumsangaben in UTC. Die Angaben in den Berichten können ggf. von den hier genannten Daten abweichen. Grund dafür ist, dass manche der hier stehenden Infos erst im Nachhinein bekannt wurden und im Bericht deshalb nicht erwähnt, bzw. anders sind.)

24. Mai: M 8.3 Ochotskisches Meer (Russland)
6. Februar: M 7.9 Santa Cruz Inseln (Salomonen)
16. April: M 7.8 Sistan und Belutschistan (Iran)
24. September: M 7.7 Belutschistan (Pakistan)
17. November: M 7.7 Schottische See (Antarktis / Großbritannien)
5. Januar: M 7.5 Alaska (USA)
23. Mai: M 7.4 Tonga
7. Juli: M 7.3 Neu-Irland (Papua-Neuguinea)
15. Juli: M 7.3 Südsandwich Inseln (Antarktis / Großbritannien)
19. April: M 7.2 Kurilen (Russland)
6. Februar: M 7.1 Santa Cruz Inseln (Salomonen)
15. Oktober: M 7.1 Bohol (Philippinen)
25. Oktober: M 7.1 Honshu (Japan)
6. Februar: M 7.0 Santa Cruz Inseln (Salomonen)
8. Februar: M 7.0 Santa Cruz Inseln (Salomonen)
9. Februar: M 7.0 Narino (Kolumbien)
6. April: M 7.0 Papua (Indonesien)
(20. April: M 7.0 Sichuan (China))
30. August: M 7.0 Alaska (USA)
25. September: M 7.0 Arequipa (Peru)

Schäden – Verletzte – Todesopfer

Wir haben es bereits im letzten Jahr getan: Eine Datenbank aller Schadenbeben erstellt. Oder es zumindest versucht. Damals gelang es uns nur wenige Schadenbeben zu erfassen.
Dieses Jahr haben wir uns besonders Mühe gegeben, diese Datenbank zu füllen, und so entstand, in Kooperation mit earthquake-report, diese von mir erstellte Tabelle.
(Eine deutsche Version, die wir bis September hier auf unserer Seite hatten, konnte leider nicht fortgesetzt werden, da sie einfach zu lang war und am Ende nur noch mit großen Komplikationen bearbeitet werden konnte)

Zusammenfassen lässt sich die Tabelle wie folgt.
Im Jahr 2013 starben (nach uns vorliegenden, offiziellen Informationen) 1192 Menschen an den direkten Folgen von Erdbeben (einschließlich Tsunamis, Erdrutsche, herabfallende Trümmer, Herzinfarkte infolge von erdbebenbedingter Panik, etc.). Zum Vergleich: 2012 waren es etwa 720 Tote, 2011 etwa 20.000 und 2010 etwa 150.000. Die Opfer verteilen sich auf folgende Länder (Todesort, nicht Epizentrum!):

Pakistan 471 Tote
China 319
Philippinen 231
Indonesien 53
Iran 52
Afghanistan 27
Salomonen 16
Taiwan 7
Indien 5
Italien 2
Chile 1
Guatemala 1
Nicaragua 1
Tadschikistan 1

Berichte zu allen tödlichen Erdbeben sind hier zu finden. Die drei Erdbeben, mit den meisten Todesopfern sind:
24. September: M 7.7 Belutschistan (Pakistan), 386 Tote
15. Oktober: M 7.1 Bohol (Philippinen), 231 Tote
20. April: M 7.0 Sichuan (China), 218 Tote

Mindestens 27.651 Menschen wurden bei Erdbeben im Jahr 2013 verletzt.
(Weiterhin ist uns bekannt, dass bei Erdbeben in der Türkei, Usbekistan und an anderen Orten diverse Menschen verletzt wurden, die nicht in dieser Liste aufgeführt sind, da die genaue Anzahl nicht bekannt ist. Allgemein gibt es bei manchen Erdbeben nur ungefähre Werte, so dass die genannten Daten nicht exakt der Realität entsprechen.)
Diese Verletzungen (durch herabfallende Trümmer, Erdrutsche, Panik, Grubenunglück, Tsunami, etc., OHNE Herz-/Kreislaufprobleme) geschahen in China (20240 Verletzte), Indonesien (2713), Iran (1607), Philippinen (1008), Pakistan (998), Afghanistan (150), Indien (138), Taiwan (134), Algerien (68), Japan (62), Guatemala (51), Peru (49), Nepal (47), Neuseeland (30), Salomonen (17), Türkei (17) Kolumbien (15), Italien (14), Tadschikistan (12), Chile (11), Honduras (6), Nicaragua (6), Polen (5), Dominikanische Republik (4), Griechenland (3), USA (2), Irak (1) und Panama (1).

Eine Übersicht aller Erdbeben, bei denen Menschen verletzt wurden, ist hier zu finden.

Mindestens 382 Erdbeben haben in diesem Jahr zu Schäden geführt. „Schäden“ umfassen hier (ganz oder teilweise) eingestürzte Gebäude, Risse in Dächern / Böden / Mauern / Putz / etc, beschädigte / zerstörte Straßen / Brücken / Gleisanlagen / etc., Erdrutsche / Steinschläge / Lawinen mit genannte Auswirkungen, zerstörte Fenster, eingestürzte Schornsteine, herabfallende Gebäudeteile, beschädigte / zerstörte Mauern ; sowie körperliche Verletzungen und Todesopfer (siehe oben).

Von Schäden betroffen waren insgesamt 72 Nationen. Die meisten Schadenbeben hat es in diesem Jahr in folgenden Ländern gegeben (Anzahl der Beben):
China (61), Iran (38), Indien (21), Indonesien (18), Mexiko (18), Italien (16) und Türkei (15).
Desweiteren waren betroffen unter Anderem:
USA (14), Japan (9), Peru (8), Spanien (8), Griechenland (7), Neuseeland (7), Rumänien (6), Österreich (5), Polen (5)*, Australien (4), Philippinen (4), Ungarn (4), Brasilien (3), Chile (3), Frankreich (3), Niederlande (3), Großbritannien (2), Kroatien (2), Thailand (2), Tunesien (2), Ägypten (1), Albanien (1), Bosnien-Herzegowina (1), Israel (1), Kosovo (1), Liechtenstein (1), Schweiz (1), Südafrika (1) und Ukraine (1).

*Erdbeben in Polen sind verursacht durch den dortigen Bergbau. Immer wieder kommt es dort auch bei kleinen Beben zu Gebäudeschäden. Diese werden aber kaum noch erfasst. Bei 5 Beben sind größere Schäden belegt. Mit den vielen kleineren Schäden müsste die Zahl der Schadenbeben geschätzt bei 35 bis 40 liegen.

Es gibt weitere Orte, wo es keine einzelne Schadenbeben gab, sondern schwarmartig auftretende, kleine Beben übers ganze Jahr verteilt Schäden angerichtet haben. Dies sind: Sierra Leone, Oklahoma, Texas, die genannten Bergbaugebiete in Polen (Schlesien und Niederschlesien), sowie die Türkische Provinz Van. (Nachbeben)

Die meistbetroffene Region der Erde ist Yunnan, China. Allein dort gab es 15 Schadenbeben mit durchschnittlich Magnitude 4.7. 3 Menschen kamen dort ums Leben, 119 wurden verletzt.

Die Erdbeben, die die größten Zerstörungen verursacht haben, gemessen an der Anzahl der zerstörten Gebäude, sind (einzelne Kategorien, chronologisch):

Kategorie 5+ (mehr als 20.000 Gebäude komplett zerstört)

20. April: M 7.0 Sichuan (China), 218 Tote und 15.554 Verletzte
24. September: M 7.7 Belutschistan (Pakistan), 386 Tote und 816 Verletzte
15. Oktober: M 7.1 Bohol (Philippinen), 231 Tote und 975 Verletzte

Kategorie 5 (mehr als 1000 Gebäude komplett zerstört)

6. Februar: M 7.9 Santa Cruz Inseln (Salomonen), 16 Tote und 16 Verletzte*
16. April: M 7.8 Sistan und Belutschistan (Iran), 42 Tote und 327 Verletzte
1. Mai: M 5.8 Jammu und Kaschmir (Indien), 3 Tote, 90 Verletzte
21. Juli: M 6.6 Gansu (China), 95 Tote und 4319 Verletzte

*Die genaue Zahl der zerstörten Häuser ist nicht bekannt. Da aber mehrere Dörfer vom Tsunami vollständig zerstört wurden, ist dieses Erdbeben dennoch in Kategorie 5 einzuordnen

Kategorie 4 – 5 (mehr als 250 Gebäude komplett zerstört)

28. Januar: M 6.1 Almaty (Kasachstan), keine Opfer
3. März: M 5.5 Yunnan (China), 30 Verletzte
9. April: M 6.4 Bushehr (Iran), 41 Tote und 1100 Verletzte
2. Juli: M 6.1 Sumatra (Indonesien), 48 Tote und 2637 Verletzte
31. August: M 5.9 Yunnan (China), 3 Tote und 54 Verletzte

Unsere Berichte zu den Schadenbeben sind hier zu finden.

Alle Angaben ohne Gewähr. Unsere Liste der Schadenbeben ist mit Sicherheit nicht vollständig. In vielen Regionen der Erde geschehen Erdbeben mit Schäden, ohne dass diese in den Medien Beachtung finden und somit ohne dass wir davon erfahren können. Gründe dafür sind meist politisch oder wirtschaftlich. Zudem können wir nicht täglich alle Nachrichten weltweit durchsuchen, teils auch wegen Sprachbarrieren (wir sind auf die Sprachen angewiesen, die Google Translator beherrscht). Somit haben wir mit Sicherheit einige Schäden übersehen.
Anhand unserer Daten lässt sich abschätzen, dass es in diesem Jahr insgesamt etwa 750 bis 800 Schadenbeben weltweit gegeben hat, wobei der Großteil der Erdbeben (~ 55%) nur geringe Schäden verursacht hat. (Zerbrochene Fenster, Risse im Putz, etc)

Tsunamis

Die meisten der Tsunamis, die in diesem Jahr von Erdbeben ausgelöst wurden, waren von harmloser Natur. Fast alle nur wenige Zentimeter hoch, und somit Auswirkungen. 
Der Tsunami auf den Salomonen am 6. Februar zerstörte, wie oben bereits geschrieben, mehrere Dörfer komplett und tötete mindestens 16 Menschen. Der Tsunami in Alaska am 5. Januar verursachte geringe Sachschäden.
Die chronologische Auflistung.
5. Januar: max. 150 cm Wellenhöhe, M 7.5 Alaska (USA)
6. Februar: max. 300 cm Wellenhöhe, M 7.9 Santa Cruz Inseln (Salomonen)
8. Februar: max. 8 cm Wellenhöhe, M 7.1 Santa Cruz Inseln (Salomonen)
19. April: max. 20 cm Wellenhöhe, M 7.2 Kurilen (Russland)
30. April: wenige Zentimeter Wellenhöhe, M 5.8 Azoren (Portugal)
16. Juni: max. 3 cm Wellenhöhe, M 6.0 Kreta (Griechenland)

21. Juli: max. 7 cm Wellenhöhe, M 6.6 Wellington (Neuseeland)
30. August: wenige Zentimeter Wellenhöhe, M 7.0 Alaska (USA)
24. September: max. 26 Zentimeter Wellenhöhe, M 7.8 Belutschistan (Pakistan)
12. Oktober: max. 2,5 Zentimeter Wellenhöhe, M 6.4 Kreta (Griechenland)
25. Oktober: max. 55 cm Wellenhöhe, M 7.1 Honshu (Japan)
17. November: max. 15 Zentimeter Wellenhöhe, M 7.7 Schottische See (Antarktis / Großbritannien)

Wir wünschen allen Lesern ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2014!

Siehe auch: Deutschland 2013: Viel Kleinvieh, kein Mist

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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