Japanischer Forscher warnt: "Nankai Erdbeben noch in diesem Frühjahr" – Seismologen und Behörden skeptisch

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Nankai Graben (rot) südlich von Japan

Spätestens am 11. März 2011 wurde allen Menschen im Süden von Honshu die Gefahr bewusst, mit der sie jeden Tag leben. Seit dem wird intensiv geforscht, um diese Gefahr bis ins Detail zu analysieren, Frühwarnsysteme zu verbessern und möglichst viele Menschen im Falle von Erdbeben und Tsunami am Nankai Graben zu retten. Doch auf die Frage nach dem „Wann“ konnte bislang keine Antwort gegeben werden.

Nun hat ein emeritierter Professor der Universität Tokyo, der sich in den vergangenen Jahren intensiv mit Erdbeben und deren möglichen Anzeichen beschäftigt hat, eine schockierende Warnung herausgegeben. Er sagte, dass das gefürchtete Nankai Erdbeben noch in diesem Frühjahr zuschlagen werde, wie japanische Medien berichten.
Als Grundlage seiner Vorhersage dienen GPS Systeme im ganzen Land. Seit dem Jahr 2000 beobachtet er mit seinem Team die Bodenbewegungen in Japan vor einem großen Erdbeben. Dabei stellte er fest, dass bei 162 Erdbeben über Stärke 6 Wochen und Monate vorher im Bereich des Epizentrums ungewöhnliche Bodenhebungen und -Senkungen stattfanden, die er als direktes Anzeichen eines Erdbebens interpretiert. Die größten Veränderungen (5.3 cm) hat er im September 2010, 6 Monate vor dem Tohoku Beben, in der Präfektur Fukushima (kleinere an anderen Orten auf Honshu) beobachtet. Weitere Abnormalitäten wurden in den Wochen vor dem Beben registriert. 
Ähnlich stark waren die Deformationen im Juni, September und Oktober 2013. Beobachtet wurden diese vor allem in der Präfekur Kochi (6,7 cm) im Süden von Shikoku, aber auch an anderen Orten der Inseln Kyushu, Shikoku und im Süden von Honshu.

Diese Veränderungen seien Anzeichen, dass es in den kommenden 3-4 Monaten zu einem Erdbeben mit mindestens JMA Intensität 6 am Nankai Graben komme.
Bei Wissenschaftlern und Behörden stößt diese „Warnung“ auf Skepsis. Es gebe keine Beweise dafür, dass diese Bodendeformationen auf ein großes Erdbeben hindeuten würden. Zudem ließen sich aufgebaute Spannungen und mögliche Verformungen der Erdkruste vor Subduktionsbeben, die in etwa 40 Kilometern Tiefe stattfinden, vorher nicht an der Oberfläche nachweisen.

Die letzten größeren Erdbeben am Nankai Graben fanden in den Jahren 1944 und 1946 statt. Beide, etwa Magnitude 8.0, fanden im östlichen Teil des Grabens statt und lösten mehrere Meter hohe Tsunamis aus. Es starben jeweils mehr als tausend Menschen. Zuvor kam es am 24. Dezember 1854 zu einem Erdbeben mit bis zu 28 Meter hohen Tsunamis, bei dem viele Tausend Menschen ums Leben kamen. Bei diesem Erdbeben brach ebenfalls nur das östliche Segment auf. 
Das bekannteste und vermutlich schwerste Erdbeben um Jahr 1707, je nach Schätzung Magnitude 8.4 bis 9.3, betraf den gesamten Graben.Es löste gewaltige Tsunamis aus, tötete viele tausend Menschen und führte zur bislang letzten Eruption des Mt. Fuji.

Pessimistische Schätzungen gehen davon aus, dass eine Wiederholung der Ereignisse von 1707 bis zu 320.000 Menschen das Leben kosten könnte.

Hinweis: Dieser Artikel gibt lediglich aus Aussagen beteiligter Personen wieder. Diese müssen nicht mit der Meinung des Autors übereinstimmen. 
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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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