Erdbebenschwarm in Idaho – Neue Welle der Yellowstone-Panikmache

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Vor einigen Tagen schrieben wir den Text

Wochen der (künstlichen) Erdbebenangst – Kommentar zur aktuellen Situation

Diese Wochen sind noch nicht vorbei. Denn seit einigen Tagen bebt es im US Bundestaat Idaho. Auf dem ersten Blick nichts besonderes, weshalb auch diese ganze Aufmerksamkeit wenig nachvollziehbar ist. Später dazu mehr.
Kurz zu den Erdbeben selbst: Innerhalb weniger Tage gab es dutzende Erdbeben, überwiegend kleine, aber auch welche mit Magnitude 4.9, 4.4 und 4.1. Diese richteten keine nennenswerten Schäden an, bis auf ein paar herabgefallene Gegenstände, denn die Region ist sehr dünn besiedelt.

Dennoch so interessant?
Ja, denn aus welchem Grund auch immer werden diese Beben in vielen Blogs und Pseudomedien mit vulkanischer Aktivität in Verbindung gebracht. Sei es eines der Lavafelder („Craters of the Moon“) im Süden von Idaho, ein ganz neuer Vulkan, oder noch abwägiger, der Yellowstone Vulkan.

Idaho
Idaho, mit Lage der Vulkanfelder

Gut, um letzteren wurde in den vergangenen Wochen viel Wind gemacht. Zu viel. So viel, dass fast alle Blogbetreiber und Pseudomedien einen Stück vom Aufmerksamkeitskuchen abhaben wollen. Da kommt so ein Schwarm in Idaho doch ganz gelegen. Immerhin liegt ein Teil des Nationalparks auf dem Staatsgebiet von Idaho. Warum sollte der Hotspot dann nicht auch Einfluss haben? Ist ja immerhin ein SUPERvulkan, also was ganz großes!? Dass da ganze 250 Kilometer zwischen Schwarm und Park liegen, zu viel für jeden Einfluss vulkanischer Aktivität, scheint nicht zu stören. Als nachdenkender Leser solcher Meldungen fühlt man sich schon ein wenig an der Nase herumgeführt. Was die Zielgruppe solcher Texte deutlich werden lässt: Menschen, die alles aufschnappen ohne zu überprüfen.

Zum Glück gehören wir nicht dazu.

Was ist mit den Lavafeldern?
Ebenfalls sehr weit weg. Craters of the Moon liegt 150 Kilometer südlich vom Schwarm, die anderen noch weiter weg. Also ebenfalls keine Verbindung, zumal die letzte Aktivität dort bereits mehr als 2000 Jahre zurückliegt. An den anderen Vulkanfeldern (Shoshone, Wapi, Hell’s Half Acre) sogar noch länger.

Neuer Vulkan?
Eine „Warnung“ von angeblichen Russischen Forschern, die Erdbeben und Vulkanausbrüche vorhersagen können, nach eigenen Angaben natürlich, macht die Runde. Demnach steht ein Vulkanausbruch bevor, an einer Stelle ohne bekannte Vulkanische Aktivität.
Eine Meldung, die zur gleichen Kategorie zählt wie der Yellowstone-Zusammenhang: Sensationsmeldung, um leichtgläubige Menschen in Panik zu versetzen. Genauso bodenlos, auch wenn sowas in Zukunft (Jahrmillionen) natürlich nicht undenkbar ist.

Idaho, mit seinen 1,5 Millionen Einwohnern, die auf einer Fläche etwa so groß wie Großbritannien leben, verbindet man auf dem ersten Blick nicht mit Erdbeben, vielleicht ein Grund für die extreme Häufung von Katastrophenprophezeihungen. Dabei ist doch alles ganz normaler als man denkt.

Idaho befindet sich in einem Bereich der Nordamerikanischen Erdplatte, an der sich die Kruste dehnt. Die dabei entstehenden Grabensysteme formen die signifikante Topographie von Idaho, aber auch angrenzender Bundesstaaten wie Montana, Nevada und Utah. Folge dieser Dehnungen sind Erdbeben, diese in Schwärmen verpackt, wie es an Riftzonen üblich ist. (Beispiele: Golf von Korinh, Rotes Meer, Island, etc.) Grund dafür können auch Magmaintrusionen sein, welche aber fast nie (im flüssigen Zustand) an die Oberfläche gelangen.

Zuletzt hat 1983 eine Phase mit sehr hoher Erdbebenaktivität eingesetzt, die einen jahrelangen Schwarm zufolge hatte. Das Hauptbeben hatte Magnitude 7.3 (!) und tötete zwei Menschen. Direkt nördlich an die damalige Bruchzone angrenzend befinden sich die aktuellen Epizentren.
Ein weiterer Schwarm fand 1994 im Südosten von Idaho im Grenzgebiet zu Wyoming statt (180 km südlich von Yellowstone), damals mit mehreren Erdbeben über Magnitude 5.

So weit ist der aktuelle Schwarm nicht. Noch nicht. Schwarmbeben können sich über Wochen und Monate ziehen. Somit sind weitere Erdbeben in den kommenden Tagen wahrscheinlich, eventuell sogar stärker als die bisherigen. In dem Fall wären auch Gebäudeschäden möglich, sowie eine neue Welle der Panikmache.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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