Wie ein Erdbebenschwarm in Nevada für Unruhe im Internet sorgt

Es ist immer wieder ein spannendes Phänomen, wie bestimmte Erdbeben oder Erdbebensequenzen das Interesse von Außenstehenden wecken, obwohl direkt Betroffene, sofern vorhanden, dem ganzen eher gelassen entgegengehen. Meist tritt dieses Phänomen nach schweren Erdbeben auf, die weit weg von Gut und Böse im Pazifik stattfinden. Denn die großen internationalen Medien greifen solche Ereignisse fast immer auf.
Anders sieht es im aktuellen Fall aus. Dort werden wir vor allem in den letzten Tagen mit Anfragen fast schon bombadiert. Meist lautet die Frage: „Was hat es mit dem Erdbebenschwarm in Nevada auf sich?“ In seltenen Fällen: „Droht da ein Megabeben?“ oder „Bricht dort ein Vulkan aus?“ Nicht nötig zu erwähnen, dass auch schon die ersten Verschwörungstheorien kochen… Stichwort: Area 51.

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Stichwort „Erdbebenschwarm in Nevada“: Die besagte Sequenz tritt im äußersten Nordwesten des Staates an der Grenze zu Kalifornien und Oregon auf. Erste kleine Beben gab es bereits im Sommer. Seit knapp einer Woche haben sich die Beben deutlich verstärkt. Zur Zeit kommt es mehrmals am Tag zu Erdbeben zwischen Magnitude 4 und 5. Größere Erdbeben gab es bisher noch nicht.
Ein Schwarm, der aus neutraler Sicht keine besondere Relevanz darstellt.
1. Die Region ist extrem dünn besiedelt, eher von Wüste geprägt.
2. Erdbebenschwärme in Nevada sind sehr häufig, stellen keine tektonische Besonderheit dar.
3. Die Region ist kein aktives Vulkangebiet.

Zwar werden die großen Erdbeben von Menschen in benachbarten Landkreisen wahrgenommen, aber wirklich stark sind sie nicht. Schäden hat es bisher nicht gegeben und wird es bei andauerndem Verlauf auch nicht geben.

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Wenn man einen Blick in die Geschichte von Nevada wirft, verliert der Schwarm weiter an Relevanz. Nevada gilt nach Alaska und Kalifornien als der US Bundesstaat mit den drittmeisten Erdbeben. Häufig (= mehrmals pro Jahrhundert) treten Erdbeben über Magnitude 7 auf, die aber im Vergleich zum benachbarten Kalifornien selten in großen Katastrophen enden. Mit nicht mal drei Millionen Einwohnern auf einer Fläche so groß wie Großbritannien ist Nevada ein sehr dünn besiedelter Staat, wo die meisten Menschen in den Ballungszentren wie Las Vegas und Reno leben.
Grund für die hohe Erdbebenaktivität in einem Staat, der nicht direkt an einer Plattengrenze liegt, sind Dehnungsvorgänge. Durch tektonische Bewegungen wird die Erdkruste unterhalb von Nevada in Ost-West Richtung gedehnt. Es bilden sich große Grabenssysteme, die von Nord nach Süd verlaufen, ähnlich dem deutsch-französischen Oberrheingraben, die den Großteil des Staates umfassen.
Eines der größten Erdbebenereignisse in Nevada, das ebenfalls mit einem Schwarm verknüpft war, stellt eine Sequenz im Jahr 1954 im Dixie Valley, wo es innerhalb von sechs Monaten zu vier Erdbeben zwischen M 6.2 und 7.2, sowie vielen kleineren kam. Die Schäden waren dabei gering.
Ein kleinerer Schwarm wurde im Jahr 2008 registriert, der besondere Aufmerksamkeit fand, da er die Region Reno betraf. Auch hier kam es über Monate zu Erdbeben, allerdings mit geringer Magnitude. Kleinere Schäden wurden in Teilen der Stadt verursacht.
Auch die aktuell betroffene Region war schon Schauplatz,und zwar im Jahr 1968. Dieser Schwarm ist von Größe und Umfang bisher sehr ähnlich zum aktuellen.

Zusammengefasst gehört diese Art von Erdbebenaktivität zum allgemeinen Profil von Nevada. Die Bevölkerungsdichte lässt katastrophale Auswirkungen in der Regel nicht zu, so dass von möglichen größeren Erdbeben (vor denen das USGS vor einigen Tagen bereits gewarnt hat) auch nur eine geringe Gefahr ausgeht.

Der Schwarm ist ein natürliches Phänomen, wie es regelmäßig auftritt und wegen dem man sich als Außenstehender keine „Sorgen“ machen muss.

Nevada
Grenzregion Nevada / Kalifornien / Oregon: Erdbeben der letzten 14 Tage (EMSC Daten) und bekannte Buchzonen (USGS Database)
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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.

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