Kommentar: Das zweite Nachbeben

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Kommentar des Admins zum Verhalten einiger Internetnutzer nach den jüngsten Erdbeben.

Ein starker Erdbebenschwarm im Süden von Hessen.
Vogtland-Erdbeben, die von der Norm abweichen.
Der besorgte Blick nach Oklahoma.
Und Erdbeben in Düsseldorf, die es so noch „nie“ gegeben hat.

Würde jemand einen Katastrophenthriller schreiben wollen, wären Ereignisse wie diese, die man in den vergangenen Monaten in Deutschland und in Teilen der USA beobachten konnte, eine geeignete Grundlage. Unerwartetes, noch „nie“ erlebtes, was sich der Imagination der Betroffenen bisher entzogen hat, und schließlich in einer beispiellosen Katastrophe endet.
Zugegeben: Bis zu einer „beispiellosen Katastrophe“ ist die Realität noch nicht vorgestoßen. Doch die Spätfolgen dieser Ereignisse sind manchmal schlimmer als jedes Nachbeben.

An dieser Stelle möchten wir genau auf diese „bevorstehende Katastrophe“ eingehen, die uns immer wieder begegnet. Sei es direkt über Leseranfragen, oder indirekt in Sozialen Netzwerken und den Kommentarspalten der großen Nachrichtenseiten. Oder indem wir uns die Suchbegriffe anschauen, durch die Leute auf unser Seiten gelangen.

Sei es eines der oben aufgelisteten Ereignisse, oder anderes, dass von der „Norm“ abweicht: In den letzten Monaten kam es speziell in Deutschland zu solchen Erdbeben. In vielen Fällen stellten dann Leute die Frage, was die Ursache für diese Ereignisse ist, die ja „ach so beunruhigend ungewöhnlich“ seien. In allen Fällen blieb eine Erklärung aus. Nicht nur, weil es nicht möglich war diese in allen Details zu beantworten. Sondern weil die einfachste Antwort „Weil es einfach so ist“ nicht akzeptiert wurde. Erdbeben sind ein kompliziertes Thema, warum es genau an dem Tag an diesem Ort bebt, können nicht mal Experten sagen. Das Eintreffen eines solchen Ereignisses ist mehr oder weniger zufällig.
In Zeiten des Internets, wo einem „das Wissen der Welt“ auf den heimischen Schreibtisch serviert wird, kommt eine solche Erklärung nicht gut an. Stattdessen sucht man nach Alternativen und gelangt zunehmend ins „Unwissen der Welt“, in Spekulationen, in Verschwörungstheorien, von denen das Internet haufenweise bereithält.

Wo wir bei den letzten Tagen sind: „Dass das Düsseldorf-Erdbeben von Fracking verursacht wurde, weil es möglicherweise vor zig Jahren Probebohrungen gab, steht für viele Menschen fest. Was sollte es auch sonst sein? Ein Beben, sehr flach, an einem Ort, wo es zuvor (in dem von Menschen überblickten Zeiträumen) noch nicht gebebt hat. Kann doch nicht normal sein. Da muss doch jemand Schuld haben.
Genau wie in Darmstadt. Schließlich passiert in Oklahoma, Kansas, Dallas das gleiche, und in Ohio wurde es nun auch von der „Lügenpresse“ bestätigt. Alles extrem verdächtig und es passt hervorragend in unser antiamerikanische Weltbild, dass wir uns in den letzten Jahren angeeignet haben.

Lasst uns das Internet nutzen, dieses Wissen zu verbreiten. Unwissende aufzuklären und alle, die das Gegenteil behaupten, als bezahlte Systemtrolle zu bezeichnen!!!111einself!“

So oder so ähnlich läuft es immer wieder ab. Jedes mal, wenn wir dies Lesen müssen oder wenn wir uns als „Systemtrolle“ outen müssen, fragen wir uns kopfschüttelnd: Warum?
Kurz zur Sachlage: Weder die Existenz von „geheimen Probebohrungen“ in Deutschland ist bewiesen, noch, dass es jemals zu frackingindizierten Erdbeben in Deutschland kam. (So viele Fracks gab es ja hier noch nicht…) Auch Oklahoma, Kansas, Dallas und co. sind eher auf die Einlagerung von Brauchwasser in die Gesteinsschichten als durch das gezielte Aufbrechen zur Förderung von Erdgas. Wobei selbst an dieser (auch bei Wissenschaftlern verbreiteten) Theorie noch Restzweifel bestehen.

Doch nicht nur bei „ungewöhnlichen“ Erdbeben werden diese Stimmen laut. Auch bei eigentlich eindeutig geklärten Ursachen gibt es irgendeinen §“?$$%/, der Fracking als Ursache sieht. Seien es die bergbauinduzierten Erdbeben im Ruhrgebiet, die seit Jahrhunderten auftretenden Erdbeben auf der Schwäbischen Alb, oder einfach eine Laune der Computer, die zu Falschregistrierungen führt.

Warum?

Welchen Sinn hat es, derartige absurde Gerüchte zu verbreiten, überall damit zu hausieren und neutrale Nutzer (von denen wir auch einige Anfragen bekamen) zu verunsichern, ja gar zu verängstigen? Warum wollt ihr unbedingt glauben, dass hinter allen „nicht alltäglichen“ Ereignissen ein Grund steht, der von der „Elite“ und der „gleichgeschalteten Systempresse“ verschwiegen wird?

Darmstadt und Düsseldorf – Städte in Erdbebengebieten. Ein Menschenleben umfasst etwa 80 Jahre. Die Erdgeschichte ist viel Länger. Zwischen einzelnen Erdbeben liegen oft Jahrhunderte, teils Jahrtausende. Ist die Begründung „Weil es das hier in den 40 Jahren, die ich hier wohne, nicht gab!“ also ein Beleg, dass dort irgendwas unnatürliches stattfindet?
Selbst wenn man auf Aufzeichnungen, historische Beobachtungen zurückgreift, kommt man bei kleineren Erdbeben auf maximal 150 bis 200 Jahren, von denen man gesichert sagen kann, dass man deren Erdbebentätigkeit kennt. Bei großen Erdbeben sind es maximal 1000. Woher also wollt ihr, liebe Fracking-Panik – Anhänger, so genau wissen, dass es im Jahr 1699 nicht genau an gleicher Stelle in Düsseldorf schon mal ein Erdbeben der Stärke 1.9 gegeben hat? Woher wollt ihr wissen, dass es vor der darmstädter Stadtgründung im 11. Jahrhundert nicht auch schon einen solchen Erdbebenschwarm gegeben haben?
Ihr wisst es NICHT! Keiner, der noch lebt, weiß es.

Neutrale Menschen, die nach einer Erklärung suchen, stoßen aus Mangel an Alternativen zuerst auf die Fracking-Theorie o.ä., so dass sich diese weiterverbreitet. In der nächsten Generation wird diese ausgeführt, Zukunftsspekulationen entstehen. Mit der Entscheidung der Regierung in einigen Jahren Fracking unter bestimmten Bedingungen zu erlauben, folgt daraus eine Zeit, in der Deutschland ein neues Japan wird? Mit alltäglichen schweren Erdbeben? Damit würde der Katastrophenthriller sein verdientes Finale bekommen.

Die Realität wird sich zum Glück anders entwickeln. Katastrophenszenarien, frackinginduziert, werden im World Wide Web bleiben. Katastrophal in einer anderen Art und Weise wird diese konspirative Theorie weiterhin sein. Die Angst der Menschen schüren. Unsere Nerven extrem belasten. Und die Kommentarspalten der „Lügenpresse“ zuspammen, damit da endlich mal ein Fünkchen Wahrheit steht 😛

Wir werden dort nicht mitmachen. Kommentare, die die Richtigkeit solcher und ähnlicher Theorien postulieren, werden nicht veröffentlicht, egal wie oft uns Zensur unterstellt wird. Jedem seine Meinung, aber wenn es zu abstrus wird, ziehen wir eine Grenze.
Es bleibt zu hoffen, dass ernste Menschen diese absurden Thesen hinterfragen und nicht alles glauben, was irgendwo im Internet steht. Denn wenn es so weitergeht droht wirklich eine Katastrophe, deren Ausmaß noch nicht abzusehen ist.

Da dies kein neutraler Bericht war, sei hiermit die Diskussion eröffnet. Auf „Zensur“ verzichten wir an dieser Stelle.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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