Erdbebenpropheten, die nächste – Eine echte Tragödie

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So zwischen Bett und Zahnbürste möchte ich noch ein kurzes Statement zur aktuellen Situation in den „Medien“ abgeben. Es sind zuletzt wieder zwei Meldungen aufgetaucht, die nicht nur Kopfschmerzen bereiten, sondern auch die journalistische Ausbildung des verfassenden Redakteurs ernsthaft infrage stellen. Ganz zu schweigen von den wissenschaftlichen Kenntnissen des „Forschers“.

Meldung 1:
Megabeben, Magnitude 20 bis 24, wird in naher Zukunft Millionen Menschen töten und Nord- und Südamerika trennen. Tauchte zunächst in englischen Medien auf, mittlerweile auch in einigen deutschsprachigen.
Tja… jeder, der sich mit Erdbeben auskennt weiß, dass die „nach oben offene“ Richterskala nur in der Theorie existiert. Solange wir von ERDbeben reden, müssen wir uns den Bedingungen anpassen, die auf diesem Planeten herrschen. Die Magnitude ist vor allem abhängig von der Länge des Bruches und dem Versatz. Die auf der ERDE vorhandenen Störungen sind einfach nicht groß genug, um ein größeres Erdbeben als Magnitude 10 zu erzeugen. Geht es weit darüber, haben wir irgendwann einen Riss um die gesamte Erde. Somit: Zumindest auf diesem Planeten ist ein Beben dieser Stärke nicht möglich. Und falls doch, läge die Opferzahl etwa bei 7 Milliarden, was gleichbedeutend mit „Ende der Welt“ wäre.
Also, liebe hoffentlich betrunkenen Journalisten, die dies geschrieben haben: Entfernt nach eurem Kater diese Meldung, um einen Rest Seriosität zu wahren, und gebt diesem „Forscher“ keine Plattform mehr!


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Meldung 2:
Forscher ermittelten auf Basis des La Habra Bebens 2014, dass es in den kommenden drei Jahren mit 99,9%iger Wahrscheinlichkeit ein Erdbeben der Stärke 5 in Los Angeles gibt.
Zumindest nicht ganz falsch, jedoch wird auch hier verzweifelt nach einer Sensation gesucht, wo keine ist. Nichts zu tun in der Redaktion?
Basis dieser „Vorhersage“ ist das statistische Gutenberg-Richter-Modell, das einen Zusammenhang zwischen Magnitude und Häufigkeit von Erdbeben in einem bestimmten Zeitraum in einer bestimmten Region herstellt. Dass dieses nicht immer ganz exakt ist, liegt in der Natur der Erdbeben. (Als Beispiel: Auf Grundlage der Erdbeben 2014 in Deutschland, müsste es hierzulande statistisch gesehen alle 12 Jahre ein Magnitude 7 Erdbeben geben. Statistik halt…) Da in Los Angeles viele Daten vorhanden sind, ist diese Methode zur „Vorhersage“ wahrscheinlich sicherer als in anderen Orten, aber immer noch mit vielen Unsicherheiten verbunden.
Zudem: in der Studie wird ein Umkreis von 100 km um das La Habra Epizentrum verwendet, was deutlich über das Stadtgebiet von Los Angeles hinausgeht.

Der Abstract zur Studie zum Nachlesen. Besser als die Medienberichte. Bisher haben es diese noch nicht in den deutschen Sprachraum geschafft. Wir empfehlen allen Journalisten, die darüber nachdenken das zu verwenden, nochmal nachzudenken!

Laptop Akku leer, Meldungen durchgekaut, hoffen keine Albträume wegen einem Magnitude 24 Erdbeben zu bekommen, Gute Nacht

 

wie immer wurde bewusst auf Verlinkung der unseriösen Quellen verzichtet. Via Google sind alle Seiten auffindbar.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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