Schweres Erdbeben im Süden von Taiwan – Dutzende Gebäude eingestürzt – Mindestens 46 Tote und 500 Verletzte

Share Button

 

Taiwan – Der Inselstaat in Ostasien wurde in der Nacht zu Samstag (6. Februar) von einem schweren Erdbeben getroffen. Es ereignete sich um 20.57 Uhr MEZ (3.57 Uhr Ortszeit) und erreichte nach Angaben der taiwanesischen Meteorologiebehörde (CWB) Magnitude 6.4. Das United States Geological Survey (USGS) gibt ebenfalls Magnitude 6.4 an. Das Epizentrum des Bebens lag im Süden des Landes in der Region Kaohsiung, knapp 250 km südlich der Hauptstadt Taipeh. Die Erschütterungen waren im gesamten Land, sowie in Teilen von Chinas (Provinz Fujian) spürbar. Aufgrund der geringen Tiefe (ca. 17 Kilometer) und der dichten Besiedlung in der Epizentralregion sind Schäden infolge des Bebens wahrscheinlich. Im Umkreis von 25 Kilometern leben etwa 425.000 Menschen.

Zwei Nachbeben der Stärke 4.3 und 4.5 folgten wenige Minuten später. Deren Epizentrum lag westlicher.

Update 21.36 Uhr
In der Stadt Pingtung ist durch das Erdbeben ein Mehrfamilienhaus eingestürzt, wie lokale Medien melden. Meldungen über Opfer gibt es noch nicht. Auch aus anderen Orten gibt es im Netz erste Bilder von eingestürzten oder verkippten Gebäuden. In Tainan gab es zudem Wasserrohrbrüche und Stromausfälle.

Update 21.50 Uhr
Tainan scheint am schlimmsten betroffen. In der Großstadt westlich des Epizentrums sind mehrere Häuser vom Erdbeben zerstört worden. Ob und wie viele Opfer sich unter den Trümmern befinden, ist noch unklar. Da das Erdbeben am frühen Morgen stattfand ist davon auszugehen, dass die meisten Bewohner in ihren Betten waren.

Update 22.00 Uhr
Diverse Menschen sind unter den Trümmern eingestürzter Gebäude eingeschlossen. Such- und Rettungsteams sind im Einsatz. Stromausfälle und fehlendes Tageslicht erschweren die Arbeit zur Zeit. Dennoch konnten bereits einige Personen gerettet werden.


Update 22.16 Uhr
Man geht zur Zeit von dutzenden Familien aus, die sich nicht rechtzeitig aus den einstürzenden Gebäuden retten konnten. Opfer sind noch immer nicht bestätigt, jedoch einige Verletzte durch herabfallende Gegenstände. Folgendes Video zeigt ein zerstörtes Gebäude und überschwemmte Straßen durch Wasserrohrbrüche.

Update 22.48 Uhr
Ein einberufener Krisenstab teilte mit, dass in Tainan (1,8 Mio Einwohner) mindestens 46 Gebäude eingestürzt sind. Darunter auch einige Tempelanlagen, sowie ein Bürogebäude und ein Supermarkt. Es sollen hunderte Personen unter den Trümmern sein. Nur wenige wurden bisher gerettet.
Auch aus anderen Städten, speziell aus Kaohsiung, werden zerstörte Gebäude gemeldet. Durch geborstene Gasleitungen sind einzelne Brände ausgebrochen.

Update 23.09 Uhr
Die Rettungsarbeiten laufen. Inzwischen konnten etwa 50 Menschen, die meisten unverletzt, aus den Trümmern gerettet werden. Insgesamt ist die Zahl der Verletzten auf 5 gestiegen. Verhältnismäßig wenig für Schäden diesen Ausmaßes.

Update 23.25 Uhr
Zunehmend kommen Meldungen über Verletzte, die geborgen und ins Krankenhaus gebracht wurden. Zudem wurden einige Menschen während der Panik beim Erdbeben selbst verletzt, oder von herabstürzenden Gegenständen getroffen. Krankenhäuser machten bisher noch keine Angabe zur Zahl der Verletzten.

Update 23.31 Uhr
Während die Rettungsarbeiten laufen, werden auch Details über die Vermissten bekannt gegeben. In einem eingestürzten Hochhaus sollen sich mindestens 150 Personen befinden. 70 weitere in einem anderen.

Update 23.37 Uhr
Etwa 30 Verletzte sind bisher bestätigt.

Update 00.11 (6. Februar)
Von den geretteten Personen in Tainan wurden 44 zur Behandlung in Krankenhäuser eingeliefert. Hinzu kommen weitere 8 Verletzte durch Panik, sowie drei Verletzte in der Region Yunlin.

Update 00.35 Uhr
Zwei Tote werden zur Zeit bestätigt. Darunter ein 10 Monate altes Baby. 63 Menschen wurden verletzt.

Update 09.19 Uhr
In den vergangenen Stunden wurden insgesamt neun Tote geborgen. Mindestens 422 Menschen wurden verletzt. Hunderte Menschen haben aufgrund des Erdbebens ihre Wohnungen verloren und wurden temporär in Notunterkünfte gebracht. Mehr als Tausend Rettungskräfte sind weiterhin auf der Suche nach Verschütteten. Währenddessen haben erste Unternehmer aus der Region Spenden in Millionenhöhe für die Erdbebenopfer bereitgestellt.

Update 11.17 Uhr
Weitere Opfer wurden aus den Trümmern geborgen. Elf Todesopfer sind nun bestätigt. Mindestens 469 Menschen wurden verletzt. Davon konnten 321 das Krankenhaus bereits nach wenigen Stunden verlassen. Einzelne Personen schweben jedoch noch in Lebensgefahr. Zudem werden weiterhin Menschen vermisst, sodass die Opferzahl weiter steigen könnte.

Update 7. Februar, 08.45 Uhr
Seit gestern wurden mehr Details zu den zerstörten Gebäuden bekannt. So wurden unter anderem erhebliche Baumängel festgestellt, die vermutlich zum Einsturz führten. Aufgrund der hohen Frequenz starker Erdbeben in Taiwan gelten strikte Bauvorschriften, sodass selbst bei den registrierten Intensitäten In Tainan (VII bis VIII) Wohnhäuser zumindest nicht einstürzen sollten. Untersuchungen dazu werden fortgesetzt. Ebenso wie die Rettungsarbeiten. 121 Menschen sollen sich noch unter den Trümmern befinden, davon 30 Kinder. 24 Todesopfer, davon sechs Kinder, sind bestätigt. Über 500 Menschen wurden verletzt. Rettungskräfte bergen weiterhin Überlebende aus den Trümmern, zuletzt ein 14 jähriges Mädchen, das zwischen zwei Betonplatten eingeklemmt war.
Für verschüttete Menschen gilt, dass es umso unwahrscheinlicher wird, Personen lebend zu bergen, je länger sie verschüttet sind. Der Mensch kann in der Regel drei Tage ohne Wasser auskommen.

Das 17 stöckige Wohngebäude, Wei-guan-Golden-Dragon-Building, ist zur Zeit das, wo der Großteil der Verschütteten sich befindet. Es wurde Mitte der 90er errichtet und hat damit bereits das große Erdbeben im Jahr 1999 überlebt. Dieses hatte in Tainan jedoch eine geringere Intensität (VI – VII) als das aktuelle.
Für die Schäden wurde folgende Animation erstellt.

維冠大樓倒塌
by National Chang Kung University Museum
on Sketchfab


Aus der vergleichsweise dünn besiedelten Epizentralregion, die bislang in den meisten Berichten kaum Beachtung gefunden hat, werden auch einige Schäden gemeldet, jedoch gibt es hier keine Opfer. Folgender Mitschnitt einer taiwanesischen Nachrichtensendung liefert Bilder aus der Epizentralregion und von den Rettungsarbeiten in Tainan.

 

[sc name=“Gespürt“]

Taiwan wird häufig von starken Erdbeben getroffen, da sich das Land auf der Grenze der Yanktse-Platte und der Philippinischen Platte befindet. Im gebirgigen Hinterland können starke Erdbeben zu teils massiven Erdrutschen und Steinschlägen führen, die eine zusätzliche Gefahr darstellen. Die Gebäude sind in der Regel erdbebenresistent gebaut, doch vor allem in kleineren Städten können bei starken Erdbeben größere Schäden auftreten.
Bei einem der verheerendsten Erdbeben der Geschichte des Landes wurden im Jahr 1999 knapp 2300 Menschen getötet. Es erreichte Magnitude 7.7 Das Epizentrum lag im Zentrum der Insel.
Zuletzt hatte es am 20. April 2015 im Norden des Landes ein Erdbeben der Stärke 6 gegeben. Infolgedessen kam ein Mensch ums Leben.

[sc name=“Save“]

Taiwan

Taiwan

 

Beiträge der gleichen Kategorie

Schäden nach Erdbebenserie auf Bali Bali - Während Bewohner und Touristen im Osten von Bali eine Eruption des Vulkans Gunung Agung fürchten, leben Einwohner des Dorfes Tejakula an der No...
Erdbebenserie in Bengkulu Artikel ursprünglich vom 16. Oktober, 14:20 UhrIndonesien - Bei einer Erdbebenserie in der indonesischen Provinz Bengkulu sind am Montag (16.) dut...
Erdbebenschwarm auf Lembata Indonesien - Mehrere Erdbeben haben in den vergangenen Tagen die Bewohner der indonesischen Insel Lembata verängstigt und Ängste vor einem Vulkanausbr...
1500 Erdbeben in vier Tagen – Schwere Schäde... Indonesien - Mehr als 600 Erdbeben haben in den letzten 48 Stunden die indonesische Insel Halmahera im Norden des Landes erschüttert. Es handelt sich ...
The following two tabs change content below.

Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

Neueste Artikel von Jens Skapski (alle ansehen)