Japan und Deutschland: 5 Jahre nach Fukushima

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Vor genau 5 Jahren, am 11. März um 6:46:24, stürzte ein Erdbeben, das ohnehin seit Jahren in einer Wirtschaftskriese steckende Japan, ins Chaos. Viele Menschen wussten aber schon vor Eintreffen der Erdbebenwellen bescheid, dass es gleich Beben wird, dank eines Warnsystems, das vermutlich Tausenden Menschen das Leben gerettet hat.

6:47 Uhr: Tokyo steht still, alle Ampeln auf Rot, Gasversorgung eingestellt, Züge stoppen. Alle Atomkraftwerke von Hokkaido bis Tokyo werden gerade automatisch heruntergefahren. Der Boden? Der steht auch Still.

6:48 Uhr: Die Erdbebenwellen erreichen Tokyo, die Erleichterung, dass das Warnsystem funktionierte, weicht der Panik vor den immer stärker werdenden Erdstößen.

6:50 Uhr: Das Erdbeben erreicht nun volle Stärke, gleichzeitig heulen Bereits die Tsunamiwarnsirenen.

6:53 Uhr: Die Erde beruhigt sich wieder, bevor eine (bis Heute anhaltende) Nachbebenserie beginnt. Öffentliche Gebäude werden geräumt, die Küsten bereits Evakuiert. Doch ausgereicht hat dies nicht. Im Nachhinein werden 18.457 Tote gemeldet, mehr als 2500 von ihnen werden heute noch vermisst.

7:21 Uhr: Der Tsunami erreicht die Küste, die Stadt Miyako wird schwer getroffen. Hier sterben 512 Menschen, über 4000 Gebäude werden zerstört. Der Tsunami soll hier eine Höhe von teilweise 37,9m erreicht haben.

So, oder so ähnlich, hätte unser Bericht anfangs zum Tohoku Erdbeben ausgesehen. Deutsche Medien hätten zu diesem Zeitpunkt das Erdbeben bereits aufgegriffen, einige Sender haben dann bis Sonntag-Nachmittag (13.3.2011) durchgehend berichtet. Damals war es verständlich. Inzwischen sieht man Sondersendungen zu jedem Erdbeben ab Stärke 7, welche teilweise nicht in Japan stattfanden, sondern in Taiwan, oder so weit vor der Küste waren, dass die Japaner das Erdbeben verschliefen.

Das Erdbeben und der Tsunami sollten in Erinnerung bleiben, denn 300.000 Gebäude wurden zerstört, 1.2 Millionen weitere beschädigt, der Sachschaden ist ein Rekordwert: mindestens 220 Milliarden US-Dollar. Die Intensität erreichte den höchsten Wert 7 (entsprechend MMI IX), ein Wert der seit der Einführung der Skala erst 7 mal erreicht wurde, darunter sind auch 2 Nachbeben des Tohoku-Erdbebens. Der Tsunami erreichte eine maximale Höhe von etwas mehr als 40 meter, für Japan ein neuer Rekord. Aber auch andere Pazifik-Anrainer-Staaten waren betroffen, die Kalifornische Stadt Crescent-City wurde von 2 meter hohen Wellen getroffen, eine Person starb hier. Auch die Indonesische Provinz Papua wurde von einem Tsunami mit einer Höhe von 1.5m getroffen, 20 Häuser wurden zerstört, eine Person starb, fünf werden bis Heute vermisst. NTV hat eine Umfangreiche Bilderserie zusammen gestellt.

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Kernreaktoren in Japan, welche wieder Hochgefahren werden könnten. Grau: Heruntergefahren, Gelb: Baldiges Hochfahren, Grün: Aktiv, Blau: im Bau. Die Reaktoren von Fukushima Daiichi sind nicht auf der Karte, da sie Zerstört oder Aufgegeben wurden.

Vielen, oder den meisten, vielleicht allen (?) wird aber Fukushima in Erinnerung bleiben. Japans Atomare Katastrophe. Immer wieder liest man, Japan hätte nicht gelernt. Dabei ist das falsch. Zunächst aber zu den Sicherheitsvorkehrungen. Alle Atomkraftwerke Japans sind ausgelegt auf eine Stärke von mindestens 8,3. Jedes Atomkraftwerk ist ausgestattet mit Tsunamischutzdämmen, jene in Fukushima waren 6 meter hoch. Außerdem ist jedes Atomkraftwerk ausgestattet mit einem Erdbebenfrühwarnsystem. Der Tsunami in Fukushima war allerdings höher und hat die Notstromaggregate zerstört. Ein Erdrutsch hat die Stromleitungen zerstört, sodass keine Aufrechterhaltung des Kühlsystems möglich war. Es folgten menschliche Fehler, die jeder macht, wenn er weiß dass er jeden Moment sterben könnte, immerhin wussten die Menschen, dass sie sich direkt an der Küste befinden, die gerade von einem Tsunami getroffen wird.

Fukushima hatte nicht die neueste Technik, es war Baujahr 1966. Auch andere Reaktoren, unter anderem das weniger bekannte AKW Fukushima Daini, hatten nach dem Erdbeben Technische Probleme. Auf den ersten Blick könnte man meinen, Japaner seien Lebensmüde. Wer die Wirtschaftliche und Geographische Situation Japans kennt, weiß, ohne Atomkraft geht es kaum. Der Platz ist rar, das Land gebirgig und Rohstoffe gibt es kaum. Um das Land trotzdem nach dem Erdbeben am Laufen zu halten, mussten im März 2011 Reaktoren am Netz gehalten werden. Man wählte jene aus, die in weniger Erdbebengefährdet und nicht Tsunamigefährdet waren. Dennoch kam es zu massiven Stromausfällen. In Tokyo wurden die Leuchtreklamen ausgeschaltet um Strom zu sparen. Bis Mai 2013 wurden alle Reaktoren vom Netz genommen um sie auf ihre Sicherheit zu untersuchen. Bis Heute wurden 7 Reaktoren stillgelegt, darunter jene zwei, welche in der Anlage Fukushima unbeschadet blieben. Weitere werden Folgen. Heute, 5 Jahre nach dem Unglück, sind nur 2 Reaktoren am Netz, nämlich die des Atomkraftwerks Sendai. Verständlicherweise macht sich unter der Japanischen Bevölkerung Unmut breit, sie wollen keine Kernenergie mehr. Die Angst in Japan, vor einem neuen Unglück ist groß, in Deutschland größer.

Bis vor wenigen Monaten war es uns hier in Deutschland fast egal, welche Schrottreaktoren in Frankreich und Belgien stehen. 2011 wurden fast alle Reaktoren in Deutschland abgeschaltet, somit war nun genug Zeit, bei jedem neuen kleinen Beben in Japan Panik zu schieben. Das Lieblings AKW der Deutschen ist nun jenes mit dem Namen Sendai, nur eben nicht in Sendai. Läge es bei Sendai wäre die Panik fast berechtigt, denn Sendai liegt an der Sanriku-Küste, welche 2011 betroffen war. Das Atomkraftwerk Sendai liegt aber im Süden von Kyushu, nahe des Vulkans Sakurajima. Die Theorie: Kommt es zu einer Eruption, wäre die Anlage betroffen, der GAU unausweichlich. Der von allen Gefürchtete Ausbruch folgte im Januar diesen Jahres. Die Folgen waren dramatisch, vor allem für die Menschen, die warnten, denn Folgen gab es keine, auch nicht bei den vermutlich 1000 anderen Eruptionen seit März 2011. Ausbrüche des Sakurajima sind sehr Häufig, seit 1955 bricht er praktisch durchgehend aus, aber nur sehr selten stark.

Die Katastrophe in Fukushima sorgte für einen Wandel in der Deutschen Atompolitik, nur wenige Wochen nach Fukushima fanden Landtagswahlen statt. Auch übermorgen wird wieder gewählt. Vielleicht sollte es noch schnell irgendwo Beben, um die neuste Katastrophe zu Instrumentalisieren.

 

 

 

 

 

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Lukas Rentz

Lukas ist 18 und macht voraussichtlich 2018 sein Abitur an einem Gymnasium in Alzey. Anschließend soll ein Geologie-Studium folgen.

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