Erdbebenserie erschüttert Nigeria – Experten warnen vor großen Beben

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Nigeria – Der Südwesten von Nigeria verzeichnete in den vergangenen Wochen eine erhöhte Seismizität. Experten fürchten, laut einer kürzlich veröffentlichten Studie, dass diese Aktivität die Wahrscheinlichkeit eines großen Erdbebens in den nächsten Jahren deutlich erhöht. Ursache dafür könnte das Fördern von Grundwasser sein.

Bewohner des Distriktes Shaki im Bundesstaat Oyo, etwa 450 Kilometer westlich der nigerianischen Hauptstadt Abuja, leben seit einigen Wochen in Angst. Immer wieder kommt es in der Region zu kleinen Erdbeben, die teils kräftig spürbar sind. Betroffen sind mindestens sechs kleinere Dörfer am Rande der Stadt. Bewohner berichteten in lokalen Medien, die Erdbeben seien mehrmals am Tag aufgetreten und hätten viele Gebäude „schwer erschüttert“. Nach unbestätigten Medienberichten soll es sogar Todesopfer infolge von eingestürzten Gebäuden gegeben haben. Behörden äußerten sich dazu nicht. Viele Bewohner haben nach dem bisher stärksten Erdbeben Anfang Juni ihre Häuser verlassen. Einige haben die Region verlassen, da sich auch in ihren Feldern Bodenrisse bildeten.
Nach dem größten Beben veranlasste die Regierung eine Untersuchung der Erdbebenaktivität. Es wurden Gesteinsproben genommen und Messgeräte installiert. Der Katastrophenschutz von Nigeria richtete zudem Notfallcamps für diejenigen ein, die ihre Häuser verlassen haben.

Über die Ursache der Erdbeben gibt es zur Zeit verschiedene Thesen. Michael Ale, der Präsident der „Association of Water-well Drilling Rig Owners and Practitioners“ (AWDROP) vermutete, die Erdbeben seien die Folge von illegalen Bohrungen nach Grundwasser. Gleichzeitig warnte er, dass durch die immer häufigeren, teils illegalen Bohrungen in Teilen von Nigeria das Erdbebenrisiko steige.

Info:
Durch Grundwasserförderung induzierte Erdbeben sind bereits aus anderen Teilen der Welt bekannt. Durch das Absinken des Grundwasserspiegels baut sich Spannung auf nahe liegende Störungszonen auf, die die Wahrscheinlichkeit eines Erdbebens erhöht. Bekanntestes Beispiel ist das Erdbeben (M5.1) von Lorca (Spanien) im Mai 2011, bei dem 9 Menschen ums Leben kamen.

Eine weitere Gefahr sei das Eindringen von Meerwasser in grundwasserführende Gesteinsschichten. dies würde einen Großteil des sowieso schon seltenen direkt nutzbaren Grundwassers verschmutzen und ungenießbar machen. Er rief die Regierung dazu auf, Bohrungen stärker zu regilieren und besser zu überwachen. Gleichzeitig zeigte Ale die Bereitschaft seiner Organisation, vorhandene Brunnen zu renovieren und wieder nutzbar zu machen, ob die Effizienz zu erhöhen.

Auch Geologen haben sich mit dem Phänomen der Erdbeben beschäftigt. Dr. Adepelumi Adekunle Abraham vom Department of Geology, Obafemi Awolowo University (OAU) in Ile-Ife hat in der Vergangenheit bereits Erdbeben im Staat Oyo untersucht und auf Basis dessen ein Wahrscheinlichkeitsmodell für kommende Erdbeben entwickelt. Das Hauptbeben erreichte laut der Untersuchung eine Magnitude von 2.5 und hatte seinen Herd in 5 Kilometern Tiefe an einer südwest-nordost streichenden Abschiebung.Die aktuelle Serie, bestehend aus mehreren Vor-, Haupt-, und Nachbeben habe die Situation demnach drastisch verändert. Es bestünde nun eine Wahrscheinlichkeit von 91,1%, dass es bis 2020 zu einem Erdbeben der Stärke 5 kommt, dass in Oyo zu schweren Schäden führen kann. Auch mehrere Erdbeben seien wahrscheinlich.
Adepelumi forderte die Regierung auf, die Erdbebensequenz besser zu untersuchen und die lokale Bevölkerung besser für die Gefahr zu sensibilisieren.

Eine genaue Vorhersage möglicher Ereignisse in Nigeria ist nicht möglich. Vorhersagen basieren auf statistischen Modellen, deren Aussagekraft nicht eindeutig nachgewiesen ist.

In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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