Kirgisistan: 35 Erdbeben in 3 Tagen

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Kirgisistan – Zentralasien erlebt zur Zeit eine seismisch aktive Phase. Nach dem starken Erdbeben am Sonntag, das nach Angaben des kirgisische Erdbebendienstes Magnitude 6.1 erreichte, folgten im Grenzgebiet von Kirgisistan und Tadschikistan noch dutzende weitere Erdbeben. Insgesamt 35 spürbare Beben registrierten die kirgisischen Behörden. Die Epizentren lagen, wie beim Hauptbeben, im Süden der Region Osh in einer dünn besiedelten Gebirgsregion.
Das Hauptbeben (und damit das bisher stärkste) war in weiten Teilen Zentralasiens bis nach Kasachstan, Usbekistan und Afghanistan spürbar. Bewohner einiger Bergdörfer in Osh berichten von Gebäudeschäden. Auch in der chinesischen Provinz XInjiang kam es nach Angaben dortiger Behörden zu leichten Schäden, sowie kurzzeitigen Einschränkungen im Schienenverkehr. Im nächst gelegenen Dort wurde Intensität 6-7 auf der MSK64-Skala registriert.

Viele der Nachbeben die folgten erreichten ebenfalls moderate Intensitäten (5 bis 6). Direkt nach dem Hauptbeben am Sonntag war die Nachbebenaktivität zunächst gering. Es gab keine über Magnitude 5. dafür mehrere im Bereich von Magnitude 4. Montag folgten zwei Beben mit Magnitude 5.0 und 5.3, sowie mehr kleinere. In der Nacht zum Dienstag war die Aktivität erneut rückläufig. Am Tag gab es nur einzelne Ereignisse, darunter aber das bisher stärkste Nachbeben mit Magnitude 5.8, das sogar Intensität 7 erreichte. Hinzu kommt ein wahrscheinlich unabhängiges Erdbeben der Stärke 4.4 nahe der Tadschikischen Hauptstadt Duschanbe.

Der Katastrophenschutz von Kirgisistan hat den Bewohnern von Osh geraten, anfällige Gebäude zu meiden und sich auf mögliche stärkere Erdbeben vorzubereiten. Zum genauen Ausmaß der Schäden durch die Erdbebenserie wurden keine Angaben gemacht. Angesichts der Intensität ist es zu erwarten, dass mehr Gebäude betroffen sind, als (bisher) bekannt wurde.

Ursprung der Erdbebenaktivität ist vermutlich die North Pamir Thrust Fault, eine der größten Störungszonen in Zentralasien, die das Alai-Tal südlich abgrenzt. Im östlichen Teil der Störung kam es zuletzt im Jahr 2008 zu einem starken Erdbeben (M6.6), bei dem 75 Menschen ums Leben kamen. Am zentralen Teil, an dem die aktuelle seismische Aktivität stattfindet, sind keine großen Erdbeben in den letzten Jahrzehnten bekannt. Einige Studien gehen davon aus, dass es sich um eine Seismische Lücke handelt, an der in den nächsten Jahrzehnten oder Jahrhunderten ein schweres Erdbeben möglich ist.

Im Herbst 2015 verzeichnete Kirgisistan eine seismisch sehr aktive Phase mit mehreren großen Erdbeben. Besonders betroffen war die Region Osch, wo ein Beben der Stärke 5.9 hunderte Gebäude zerstörte. Auch die schweren Erdbeben in Tadschikistan (M7.2) und Afghanistan (M7.5) verursachten Schäden.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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