Urlaub auf Malle – Mit Erdbebengefahr?

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Text zuerst veröffentlicht am 6. Juni 2016

Der Sommer ist da, die großen Ferien stehen vor der Tür. Für viele bedeutet Sommerzeit auch Urlaubszeit. Dabei muss es nicht immer Deutschland sein. Für viele Sonnen- und (vor allem) Partyliebende wird das Reiseziel Nummer 1 auch in diesem Jahr Mallorca sein. Grund genug für uns um das „17. Bundesland“ mal von einer anderen Seite zu beleuchten.

Andere beliebte Urlaubsinseln wie Kreta oder Bali sind bekanntermaßen anfällig für Erdbeben.  Weniger bekannt ist wohl das Erdbebenrisiko der Insel Mallorka, sowie der gesamten Balearen (Urlauber auf Ibiza, Menorca und den paar kleineren Inseln dürfen an dieser Stelle auch weiterlesen!). Berechtigt: Denn die Balearen gehören, obwohl sie zu Spanien gehören, zu den seismisch relativ inaktiven Gebieten. Teils ist die Erdbebenaktivität niedriger als in Regionen Mitteleuropas.

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Zur kurzen geologischen Betrachtung: Das Gestein, aus dem die Balearen aufgebaut sind, entstand vor knapp 200 Millionen Jahren während der Trias und des Jura. Dabei handelt es sich überwiegend um Kalkgesteine (teils mit Dolomit und Gips) und Mergel, die im Urmeer Tethys abgelagert und verfestigt wurden. Die Gesteinsabfolge ähnelt dabei der der sogenannten Germanischen Trias (Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper), die auch in Teilen Deutschlands aufgeschlossen ist.
Während der alpinen Gebirgsbildung vor 30 Millionen Jahren im Oligozän wurde das Andalusische Faltengebirge gebildet, zu dem auch die Balearen gehören. Damals gehörten die Inseln noch zum Iberischen Festland. Später bildete sich durch tektonische Prozesse der Valencia-Graben als Teil des Westeuropäischen Riftsystems (zu dem auch Nieder- und Oberrheingraben zu zählen sind) und löste die Inseln von heutigen Festland.

Auf den Inseln selbst sind aktuell nur geringfügig tektonische Prozesse aktiv. Entsprechend wirkt sich das auch auf die Erdbebenaktivität aus. Die Nähe zu größeren Störungszonen lässt aber auch auf den Balearen hin und wieder die Erde teils kräftig beben. Der Schwerpunkt der seismischen Aktivität liegt dabei rund um Palma de Mallorca. Zuletzt kam es hier im Januar 2010 zu einem spürbaren Erdbeben der Magnitude 3.2. Historisch belegt sind deutlich größere Beben. Das größte in der Geschichte der Balearen ereignete sich 1851 und erreichte Magnitude 5.4 (Intensität VIII). Es war auf der gesamten Insel spürbar und brachte rund um Palma einige Gebäude zum Einsturz. Ähnlich stark: Ein Erdbeben im Jahr 1721, dessen Epizentrum im Inselinneren lag, und eines im Jahr 1660 vor der Westküste von Palma. Ursprung der meisten Erdbeben ist Vermutlich die Sencelles-Verwerfung, die genau durch Palma verläuft und die größte der Insel ist. Das größte Erdbeben im 20. Jahrhundert geht nicht auf diese Störung zurück, sondern ereignete sich im Osten der Insel im Jahr 1919 (Intensität V).
Paläoseismologische Untersuchungen zeigten, dass die Sencelles-Verwerfung in der Vergangenheit weitere größere Erdbeben hervorgebracht hat. Allein in den letzten 10.000 Jahren könnten es demnach drei Erdbeben nahe Palma gegeben haben, deren Magnitude zwischen 6.5 und 7 lag. Historische Aufzeichnungen darüber gibt es nicht. Somit muss auch in Zukunft nahe Palma mit schweren Erdbeben gerechnet werden, auch wenn diese sehr selten vorkommen.

Wichtige Erdbeben auf Mallorca
Wichtige Erdbeben auf Mallorca

Ein weiteres Erdbebenrisiko für die Balearen findet sich jenseits des Mittelmeeres in Nordafrika. Das große Algier-Erdbeben im Jahr 2003 war auch für viele Mallorca-Urlauber ein Schock. Nicht nur, dass die Erschütterungen des M6.7 Erdbebens bis auf die 300 Kilometer entfernte Insel spürbar waren. Kurz darauf folgte ein Tsunami, der die Küsten der Insel, vor allem die Bucht von Palma traf. Mit 2 bis 3 Metern Höhe gehörte er zu den größeren des Mittelmeeres und verursachte einige Schäden. Opfer waren nicht zu beklagen. Eine weitere Quelle für Tsunamis auf den Balearen ist die Küste von Andalusien, besonders die teilweise vor der Küste verlaufende Carboneras-Verwerfung. In historischer Zeit kam es hier nicht zu schweren Erdbeben. Doch belegen Untersuchungen, dass Beben bis Stärke 7.5 möglich sind und Tsunamis auslösen könnten, die bis zu den Balearen reichen können.

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Insgesamt ist die Erdbebengefahr auf Mallorca im Vergleich zu anderen spanischen Regionen relativ gering. Besonders das Touristenzentrum Palma mit den berühmten „Ballermann“ liegt jedoch in der seismisch aktivsten Region der Insel, wo in den letzten 400 Jahren zwei große Erdbeben auftraten. Paläoseismologisch belegt sind noch größere Erdbeben, die auch in (naher oder ferner) Zukunft wieder auftreten können und die Sicherheit tausender Urlauber bedrohen könnten.

Um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein, empfehlen wir allen, die Reisen in erdbebengefährdete Regionen planen, vorher die richtigen Verhaltensweisen bei Erdbeben zu lesen.

Doch insgesamt können wir beruhigen: Große Erdbeben auf den Balearen sind insgesamt relativ selten, sodass es sehr unwahrscheinlich ist, während des Urlaubs von einer Erdbebenkatastrophe überrascht zu werden.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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