Kleines Erdbeben mit verheerenden Folgen

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Peru – Das verheerendste Erdbeben seit exakt neun Jahren hat den Südamerikanischen Staat Peru am Montag erwischt. Es hatte nur eine vergleichsweise geringe Magnitude, laut den peruanischen Behörden 5.3. Eigentlich fast Alltag für ein Land am Pazifischen Feuerring. Trotzdem hinterließ es im Distrikt Caylloma schwere Schäden. Dem neuesten Bericht des Katastrophenschutzes (INDECI) zufolge sind insgesamt 1564 Familien auf einem Schlag obdachlos geworden, als das Erdbeben 383 Häuser komplett zerstörte und 1074 weitere schwer beschädigte. Leichte Schäden wurden bisher an 400 weiteren Gebäuden festgestellt. Bei der Opferzahl gab es widersprüchliche Meldungen. Während zwischenzeitlich von verschiedenen Quellen bis zu zehn Opfer und 68 Verletzten die Rede war, gibt INDECI zuletzt vier Tote und 46 Verletzte an. Unter den Toten befindet sich auch ein US-Amerikanischer Tourist.

Weltweit war es das folgenschwerste Erdbeben seit April 2016 und wird in seinen Auswirkungen in diesem Jahr nur von den Erdbeben in Ecuador, Kumamoto (Japan), Taiwan und Manipur (Indien) übertroffen. Obwohl diese ein bis zwei Magnituden stärker waren.

Wie kommt es, dass ein vergleichsweise schwaches Erdbeben zu so schweren Schäden führt?

In diesem Fall war es ein unglückliches Konstrukt aus verschiedenen Bedingungen, das dieses Erdbeben so verheerend werden lies. Zum einen waren es die Erdbebenparameter: Der Herd lag relativ oberflächennah: Nur 8 Kilometer Tiefe wird angegeben. Möglicherweise war diese sogar noch geringer, da immer eine gewisse Unsicherheit in den Messungen ist. Außerdem lag das Epizentrum diesmal direkt im relativ dicht besiedelten Tal des Flusses Colca.

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Ein Flusstal bietet den Menschen zwar in der Regel eine Lebensgrundlage. Doch die lockeren Sedimente dort wurden in diesem Fall zum Problem. Auf lockeren Boden entwickeln Erdbebenwellen eine größere Zerstörungskraft. In diesem Fall kam verschlimmernd hinzu, dass sich das Gebiet in einem vulkanischen Hochgebirge. Neben Flussedimenten finden sich hier viele Ablagerungen von Erdrutschen und Vulkaneruptionen, die den Boden – salopp ausgedrückt – zu einem wackeligen Konstrukt machen.

Auch die Bevölkerung selbst spielt in diesem Konvolut unglücklicher Umstände eine wichtige Rolle. Im betroffenen Distrikt Caylloma lebt überwiegend das indigene Volk der Quechua. Diese leben noch heute sehr traditionsbewusst, wozu auch die Bauweise der Wohnhäuser gehört: Wände aus Blöcken getrockneten Lehms, teils Flechtwerkwände, die Dächer aus verdichtetem Stroh und, in moderneren Gebäuden, Wellblechplatten tragen.
Zusammengefasst: Bauwerke ohne Erdbebenresistenz.

Zum Schluss sind es die letzten drei Jahre, die den gefährlichen Cocktail vollendet haben: Seit Anfang 2013 rumort es am Vulkan Sabancaya, der das Colca-Tal im Süden begrenzt. Dies gilt als Grund für die dort auftretenden Erdbeben. (wir berichteten mehrfach über die dortigen Ereignisse) Diese vulkanisch-tektonischen Erdbeben traten während der gesamten Zeit auf, meist am Nordhang des Vulkans, knapp 10 bis 15 Kilometer südlich der Siedlungen. Vulkanische Eruptionen gab es ebenfalls, doch waren diese nicht sehr stark. Die Erdbeben erreichten mehrfach Magnitude 5 oder mehr. Das stärkste im Juli 2013 sogar Magnitude 6. Viele der Gebäude wurden von diesen Erdbeben beschädigt oder zerstört und danach schnell wieder aufgebaut. Zuletzt sind es im Februar 2016 130 Häuser gewesen, die bei einem Erdbeben der Stärke 5.2 betroffen waren.
Nicht alle leichte Beschädigungen wurden professionell behoben.

Dadurch kam es, dass viele Häuser noch anfälliger und einsturzgefährdeter waren. Das gestrige Erdbeben verpasste ihnen dann den Todesstoß.

Mit den Folgen haben die dortigen Menschen nun zu leben. Die Regierung hat behelfsmäßige Notunterkünfte eingerichtet und versorgt Betroffene mit Lebensmitteln. Auch das Nachbarland Bolivien hat Hilfe angekündigt. Eingestürzte Häuser sollen wieder aufgebaut werden. Es wird dringend davor gewarnt, beschädigte Gebäude zu betreten, denn die Erdbeben werden andauern.

Der 15. August sollte in Peru eigentlich ein Erdbebengedenktag werden. Denn an diesem Tag im Jahr 2007 zerstörte ein Erdbeben der Stärke 8 und der folgende Tsunami viele Orte im Department Ica. Über 500 Menschen verloren dabei ihr Leben. Die Gefahr wurde dem Department Arequipa auf anschauliche und tragische Weise nahegebracht.

Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

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Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 04:59 Uhr (15. August)

Magnitude: 5.3

Tiefe: 8 km

Spürbar: ja

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt?

Schäden erwartet: ja (bestätigt)

Opfer erwartet: ja (bestätigt)

Ursprung: magmatisch

Tsunami-Gefahr: nein

Epizentrum:

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Lukas Rentz

Lukas ist 18 und macht voraussichtlich 2018 sein Abitur an einem Gymnasium in Alzey. Anschließend soll ein Geologie-Studium folgen.

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