Ende einer Erdbebenwarnung

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„Nichts ist älter als die Zeitung von gestern.“ – Eine Weisheit, an der sich viele lokale Medien immer halten. Irgendwann ist ein Ereignis nicht mehr aktuell und irgendwann ist es nicht mehr Wert, darüber zu schreiben. Leider gerät dieser Grundsatz ins Wanken, wenn sich die Story noch immer verkaufen kann, trotz überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum.

So war es eine „Erdbebenwarnung“  (nun ja, keine wirkliche Warnung), die seit Freitag zunehmend in internationalen Medien aufgetaucht ist. Es heißt, das Erdbebenrisiko in Südkalifornien sei zur Zeit erhöht.

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Nicht aktuell ist der, der die Meldung pünktlich veröffentlicht, oder wie sieht es aus? Zumindest werden wir seit gestern vermehrt mit Anfragen zu dieser Warnung konfrontiert.

Ursprung dieser Warnung ist ein Erdbebenschwarm, der Ende vergangener Woche und Anfang dieser Woche am Salton See in Südkalifornien aufgetreten ist (unser Bericht dazu). Dieser lag sehr nahe an der San Andreas Störung, die das wohl größte Erdbebenrisiko für den US-Bundesstaat darstellt.
Am Mittwochmorgen unserer Zeit (Dienstagabend Ortszeit) reagierte das United States Geological Survey auf Spekulationen, wonach der Schwarm zu einem großen Erdbeben führen wird.

Demnach sei als direkte Konsequenz daraus das Erdbebenrisiko tatsächlich erhöht. Um immerhin 0,03 bis 1%, da zur Erdbebensimulation verwendete Modelle es für möglich halten, dass der Erdbebenschwarm tatsächlich ein größeres Ereignis triggern könne.

Nun ja, „bis zu“ 1% ist nicht viel und als neutraler Betrachter wird man die Vermutung nicht los, dass das USGS dies lediglich als Alibi-Warnung herausgegeben hat, um im Fall der Fälle nicht belangt werden zu können.. Nessun rischio!

However.. Irgendwann ist es in den Medien angekommen, leider erst am Freitag. Und da griff schon das „Aber“, dass das USGS in dieser „Warnung“ versteckt hat: „[…] with the likelihood decreasing over time.“ – „[…] mit abnehmender Wahrscheinlichkeit bei fortschreitender Zeit.“. Der genannte Zeitraum bis zum 4. Oktober ist inzwischen fast vorüber. Schade, gerade jetzt, wo sich die ganze Welt mit dieser Meldung beschäftigt. Das heißt, inzwischen bewegen wir uns schon lange nicht mehr im Bereich von 1%, sondern im Bereich der zweiten Dezimalstelle. Von Stunde zu Stunde wird es weniger. Dass das USGS mit diesem „Aber“ recht hat, belegt auch der inzwischen praktisch nicht mehr existente Erdbebenschwarm.

Fazit: Schau aufs Mindesthaltbarkeitsdatum, bevor du deinen Gästen Milch servierst. Zwar besteht für Kalifornien immer eine gewisse Gefahr – man rechnet mit einer 70% Wahrscheinlichkeit für ein Erdbeben der Stärke 7 in den kommenden 30 Jahren – doch für eine kurzfristige Warnung, wie sie in den Medien noch immer auftaucht, hat diese Wahrscheinlichkeit keine Relevanz.

In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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