Moderates Erdbeben in Polen – Acht Tote bei Grubenunglück

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Polen – Im Südwesten des Landes hat sich am Dienstagabend erneut ein größeres Erdbeben ereignet. Nach Angaben ds Geoforschungszentrum Potsdam erreichte es Magnitude 4.5. Das Epizentrum lag nahe der Stadt Polkowitz (Polkowice) in Niederschlesien, knapp 100 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. In der Region wird intensiver Bergbau betrieben, sodass es da häufig zu Erdbeben dieser Stärke kommt.

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Rund um das Epizentrum wurde das Beben stark verspürt. Meldungen über Schäden oder Zwischenfälle in den Bergwerken gibt es bisher nicht. Die Betreiber des Bergwerkes Rudna haben vorsorglich Rettungskräfte in die Anlage geschickt.

In der Vergangenheit führten solche Ereignisse gelegentlich zu Unfällen, bei denen Bergleute zu schaden kamen. Aufgrund der geringen Tiefe der Erdbeben, meist im Bereich des Abbaufeldes in etwa 1000 Metern Teufe, können Erdbeben dieser Größe auch zu signifikanten Gebäudeschäden führen.

Update 30.11. 07:10 Uhr
Infolge des Erdbebens kam es im Bergwerk Rudna zu einem Unfall. Mindestens zwei Bergleute kamen durch den Einsturz einer Abbaustrecke ums Leben. Sechs Personen werden noch vermisst. 20 konnten im Laufe der Nacht gerettet werden, davon mussten drei mit schweren Verletzungen in umliegende Krankenhäuser eingeliefert werden. Die Rettungsarbeiten laufen. Zur Zeit ist nicht bekannt, wo sich die vermissten Personen im Bergwerk aufhalten.

Update 13:08
Die Zahl der Opfer ist auf vier gestiegen. Vier Bergleute werden noch vermisst. Aufgrund der Situation im eingestürzten Stollen ist die Arbeit der Rettungskräfte erschwert. Die Arbeit mit Spezialwerkzeugen ist nicht möglich, sodass die Männer per Hand den Weg freiräumen müssen.

Unterdessen haben wir einige Meldungen aus dem Osten von Sachsen empfangen. Demnach war das Beben unter anderem in Bautzen und rund um Dresden vereinzelt spürbar.

Update 18:59 Uhr
Ein fünftes Opfer wurde geborgen. Die drei anderen werden weiter vermisst. Insgesamt 45 Personen sind an den Rettungsarbeiten beteiligt. Man wisse inzwischen, in welchem Bereich des Bergwerks sich die Bergleute vor dem Erdbeben aufgehalten haben, eine gezielte Bergung war allerdings noch nicht möglich.
Von den Verletzten werden noch neun im Krankenhaus von Glogow behandelt. Bei den meisten ist der Zustand nicht lebensbedrohlich.
Bei den getöteten Bergleuten handelt es sich um Männer zwischen 23 und 47 Jahren. Regierung und Betreiber sprachen den Hinterbliebenen ihr Mitgefühl aus und versprachen Unterstützung. Währenddessen hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen angekündigt, um zu untersuchen, wie es zu dem tödlichen Unglück kam. Im schlimmsten Fall droht der Betreiberfirma eine Klage wegen fahrlässiger Tötung.

Update 20:44 Uhr

Update 1. Dezember, 07:17 Uhr
Auch die anderen drei Bergleute konnten nicht mehr lebend gerettet werden. Die Suchmannschaften fanden alle drei Leichen am gleichen Ort. Der Betreiber sprach von der größten Tragödie in der Geschichte des Bergwerks.

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Zeugenmeldungen
Ebersbach – Neugersdorf (Sachsen)
Zeit: zwischen 21:00 und 21:40 (Intensität IV)

Dresden – Cossebaude (Sachsen)
ca. 21:10 ca. 2-4 Sekunden leichtes schwanken im ersten OG

Doberschau / Bautzen
Kurz vor 21 Uhr war das Beben im 2. Obergeschoss zu spüren, unter anderem wackelten die Schränke leicht. Allerdings so schwach, dass ich mir dabei nichts dachte. (Intensität III)

Ostritz (Sachsen)
ca. 21:10 Uhr – Objekte (Schrank und Tisch) haben leicht vibriert, war im Liegen und Sitzen spürbar (Intensität IV)

Weißenberg (Sachsen)
Dienstag gegen ca.21.30 Uhr dumpfer kurzer vibierender Schlag im 2.OG sitzend im Sessel verspürt.
Das Wohnhaus sofort verlassen und Schwefelgeruch kurzzeitig um das Wohnhaus wahrgenommen.

Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

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Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 21:09 Uhr

Magnitude: 4.5

Tiefe: 1 km

Spürbar: ja

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt?

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: ja

Ursprung: induziert (Bergbau)

Tsunami-Gefahr: nein

Epizentrum:

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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