Donald Trump gegen das Erdbebenfrühwarnsystem

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Kommentar

Wenn es nach der kalifornischen Bevölkerung geht, wäre ein Erdbebenfrühwarnsystem für die Städte im Großraum Los Angeles, an der Bucht von San Francisco und in der Staatshauptstadt Sacramento immens wichtig. Eine Frühwarnzeit von 30 Sekunden kann reichen, gefährdete Brücken zu sperren, Gasleitungen abzustellen, Fahrstühle anzuhalten und Menschen an sicherere Orte zu bringen. Viele hundert, vielleicht tausend Menschenleben könnten so gerettet werden.

Wenn es nach den Budgetplänen des US-Präsidenten Donald Trump geht, soll das United States Geological Survey (USGS) seine Kernaufgaben weiterführen. Dazu gehören unter anderem die Erdbebenüberwachung der Vereinigten Staaten. Neue Kompetenzen, so wie das seit Jahren geplante und seit Jahren vorbereitete Frühwarnsystem, sind nicht erwünscht. Kein Geld bedeutet den Todesstoß für die Pläne, die auch die Überwachung in den Bundesstaaten Oregon, Washington und im kanadischen British Columbia mit einschließen. Auch ein Tsunami-Monitoring-System und ein Ausbau der meteorologischen Überwachung vor der Küste würden dem zum Opfer fallen.

Es sind nicht nur ein paar Jobs, die mit dem Projekt verbunden sind. Es sind nicht nur verlorene 23 Millionen Dollar, die bereits investiert wurden. Es ist die Verpflichtung des US-Präsidenten, das amerikanische Volk in allen belangen vor Schaden zu bewahren, dass hier mit Füßen getreten wird, weil mickrige 10 Millionen Dollar für ein lebensrettendes Projekt nicht bereitgestellt werden sollen, während dem Militär und Verteidigungsministerium 54 Milliarden (in Zahlen: 54 000 000 000) Dollar zugestanden werden.

Nicht nur Seismologen wie Lucy Jones und John Vidale äußerten sich entsetzt zu den Budgetplänen der Trump-Regierung. Auch der Bürgermeister von Los Angeles, Eric Garcetti, zeigte sich in einem öffentlichen Statement enttäuscht und appellierte an die Kongressvertreter, die Entscheidung zu überdenken.

Dass Donald Trump wenig von Naturwissenschaften hält, feststehende Paradigmen anzweifelt und dubiose Äußerungen tätigt, ist bekannt. Dass seine Regierung mit dem Leben tausender Menschen spielt, weil „ein bisschen Geld“ entzogen wird, ist mit gesundem Menschenverstand nicht nachzuvollziehen.

(Mehr oder weniger seriös) Spekuliert wird, ob Trumps Interesse für Bauwirtschaft hier wirkt und er auf günstigere Grundstücke spekuliert. Angesichts der letzten Monate wahrscheinlicher scheint, dass hier einfach eine Mischung aus Inkompetenz und Ignoranz das höchste Amt in den Vereinigten Staaten besetzt. Bleibt zu hoffen, im Sinne der Bewohner Kaliforniens, dass sicher vorhandene Kompetenz im Regierungsstab in Zukunft bei wichtigen Entscheidungen einen größeren Einfluss hat.
Ein Jahr bleibt dem Frühwarnsystem, bevor Gelder und Lichter ausgehen.

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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