Schweres Erdbeben erschüttert Sulawesi – Mindestens 21 Verletzte

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Indonesien – Auf der Insel Sulawesi im Norden des Landes hat sich am Montag ein schweres Erdbeben ereignet. Nach vorläufigen Angaben des United States Geological Survey (USGS) und der indonesischen Behörden erreichte es Magnitude 6.6. Vom Geoforschungszentrum Potsdam wird Magnitude 6.5 angegeben. Das Epizentrum lag im vergleichsweise dünn besiedelten Zentrum der Insel nahe der Stadt Kota Poso in mitten eines kleinen Regenwaldgebietes. Im Umfeld gibt es aber viele ländlich geprägte kleine Siedlungen. Der Erdbebenherd lag in rund 9 Kilometern Tiefe.

Die Erschütterungen waren in weiten Teilen der Insel und selbst noch auf der Nachbarinsel Borneo zu spüren. Es muss mit schweren Schäden und Opfern gerechnet werden, da die Gebäude in vielen ländlichen Siedlungen nicht erdbebenresistent sind. Ursprung des Erdbebens ist nach ersten Angaben eine Abschiebung, die parallel zum Golf von Tomini verläuft.

Aufgrund zahlreicher großer tektonischer Störungen, die Sulawesi zerschneiden, kommt es hier immer wieder zu größeren Erdbeben. Zuletzt starben im Jahr 2012 sechs Menschen bei einem Erdbeben der Stärke 6.3.

Update 17:21 Uhr
In der Stadt Poso war das Erdbeben stark zu spüren. Viele der rund 50.000 Einwohner haben in Panik ihre Häuser verlassen. Zunächst gibt es keine Informationen über mögliche Schäden.

Update 17:51 Uhr
Mehrere starke Nachbeben folgten in der ersten Stunde nach dem Hauptbeben. Die erste Auswertung zeigt dabei, dass nicht nur die ursprüngliche Abschiebung aktiviert wurde, sondern auch angrenzende Strike-Slip Störungen. Die stärksten Nachbeben erreichten bisher M5.1.

Unterdessen sind erste Schäden in der Region Poso bekannt geworden. Demnach stürzten an einem Bürogebäude durch das Beben die Wände ein. Zur Zeit des Vorfalls hielten sich keine Personen im Gebäude auf. Auch in umliegenden Dörfern sollten mehrere Häuser eingestürzt sein.

Update 18:59 Uhr
Poso liegt einige Kilometer vom Epizentrum entfernt. Dadurch wurde die Intensität des Bebens um einiges abgeschwächt. Dennoch zeigt sich an den Auswirkungen, dass die Bauweise der Häuser nicht dem entspricht, was in einer erdbebengefährdeten Region Standard sein sollte. Mehrere Gebäude in der Stadt sind eingestürzt, viele weitere beschädigt. Offizielle Angaben über mögliche Opfer gibt es noch nicht. Einige Anwohner sprechen jedoch davon, dass Menschen unter den Trümmern begraben sind. Rettungskräfte sind unabhängig von der Richtigkeit dieser Aussagen in Poso und andere betroffene Orte entsendet worden.

Update 30. Mai
Nach offiziellen Behördenangaben wurden mindestens 21 Menschen bei diesem Erdbeben verletzt, alle durch einstürzende Häuser. Sie werden größtenteils in Krankenhäusern versorgt.
Mehrere hundert Häuser haben durch das Erdbeben Schäden erlitten. Auch Moscheen und Schulen sind betroffen. Rettungskräfte haben für die Opfer Notunterkünfte eingerichtet. Wie viele Menschen genau betroffen sind, ist noch nicht klar.

Zeugenmeldungen
Palu (Sulawesi)
Ich habe 3 heftige Wellen gespürt. Schon die erste ließ mich instinktiv aus dem Haus rennen. In Palu sind mir keine Schäden oder gar Verletzte bekannt. Aus Poso habe ich ein Foto, dass das eingebrochene Bürogebäude zeigt. Ansonsten habe ich von keinen weiteren Schäden gehört. Ich teile jedoch die Annahme, dass man von weiteren Schäden rund um Pos ausgehen muss, da die meisten Häuser nicht erdbebenresistent gebaut sind.
Viele Grüße aus Palu (Intensität V)

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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 16:35 Uhr

Magnitude: 6.6

Tiefe: 9 km

Spürbar: Ja

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt?

Schäden erwartet: Ja

Opfer erwartet: Ja

Ursprung: Tektonisch

Tsunami-Gefahr: Nein

Epizentrum:

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.


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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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