Landesamt: Magmatische Aktivität Ursache für Eifel-Erdbeben

Share Button

Mainz – Wie wir bereits mehrfach berichtet haben, kommt es seit einigen Wochen vermehrt zu kleinen Erdbeben in der Osteifel. Speziell rund um den Laacher See. Besonders auffällig war dabei eine Serie von Mikrobeben, die in ungewöhnlicher Tiefe unterhalb der Vulkancaldera registriert wurde.
Wie das Landesamt für Geologie und Bergbau am Montag (19.) auf seiner Homepage mitteilt, deutet der Charakter darauf hin, dass diese Erdbeben von Magmabewegungen verursacht wurden. Demnach treten die Erdbeben „impulsartig“ auf, mit mehreren kleinen Beben binnen weniger Minuten und einer folgenden stundenlangen Ruhephase. Insgesamt rund zwei dutzend Beben seien am 4. und am 10. Juni gemessen worden. Zur besseren Auswertung dieser kleinen Ereignisse sind Stationen anderer Institute herangezogen worden.

Anzeige

Es sei das erste Mal, dass in diesem Bereich Mikrobeben erfasst wurden, die direkt auf Magmatismus zurückzuführen sind. Jedoch gebe es erst seit wenigen Jahren ein Überwachungsnetz, dass dicht genug ist, um diese Beben zu registrieren. Somit sei es möglich, dass bereits früher ähnliche Aktivitäten aufgetreten sind. An anderen schlafenden Vulkanfeldern weltweit kommen solche Aktivitäten ebenfalls vor.

Rückschlüsse auf möglicherweise bevorstehende Vulkanausbrüche oder anderweitige Aktivitäten können nicht gezogen werden. Die Überwachung und Auswertung der Erdbeben soll unter anderem mit Hilfe des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), die in den vergangenen Jahren viele Studien zum Eifel-Vulkanismus durchgeführt haben, fortgesetzt werden.

Doch nicht nur die tiefen Erdbeben sind registriert worden. Hinzu kommt ein Erdbeben der Stärke 2.7 unmittelbar südlich vom Laacher See, das weithin verspürt wurde, aber mit normaler tektonischer Aktivität an der Ochtendung-Störungszone zu erklären ist. Am Samstag kam es zudem, wie ebenfalls die Erdbebenstation Bensberg angibt, zu zwei Mikrobeben, die laut LGB Magnitude 0.2 und 0.5 erreichten (M0.0 und 0.3 laut Bensberg) in nur wenigen Kilometern Tiefe direkt unter dem Laacher See.

Was heißt das konkret? (Eigene Meinung):

Durch die Beobachtungen des LGB ist nun bekannt, dass sich unter der Eifel Magma bewegt. Genauer gesagt an der Grenze von Erdkruste und Erdmantel. Dass sich in der zentralen Kruste unter der Eifel möglicherweise sich eine quasistationäre Magmakammer befindet, war schon früher bekannt.
In welche Richtung sich die bewegende Schmelze in der Unterkruste bewegt, ist damit noch nicht bekannt. Auch nicht, um welches Volumen es sich handelt. Möglich, bzw. recht wahrscheinlich ist ein Aufstieg. Ob sich dieser Aufstieg weiter fortsetzt und es zu einem Zusammenschluss mit der vorhandenen Magmakammer kommt, müssen weitere Auswertungen zeigen. In den meisten Fällen bleibt aufsteigendes Magma in der Erdkruste stecken und erstarrt dort.
Da es, wie das Landesamt erklärt hat, keine Vergleichswerte von früher gibt, wissen wir nicht, ob es sich um einen für den Eifel-Vulkan ungewöhnlichen Prozess oder um einen regelmäßigen handelt. Vergleiche mit anderen Vulkanen deuten eher auf zweiteres hin.
Die seichtere Seismizität, die ebenfalls in den vergangenen Wochen aufgetreten ist, kann mit dem Magmenaufstieg zusammen hängen, muss aber nicht. Tektonische Prozesse im Neuwieder Becken sind Alltag und somit der wahrscheinlichste Grund.
Die neuen sehr seichten Mikrobeben direkt am Laacher See könnten (neben tektonischen Prozessen) auch auf (vermehrt?) aufsteigende Gase und Fluide zurückzuführen sein, was eine Folge des Magmenaufstieg sein könnte.
Um beides restlos zu klären, wären Untersuchungen der vulkanischen Gasaustritte und ggf. GPS-Daten notwendig.

Anzeige

Welches hier dargestellte (spekulierte) Szenario am Ende richtig ist (oder vielleicht ein ganz anderes), werden weitere Untersuchungen zeigen. Ziemlich sicher ist, dass diese Aktivität keine akute Gefahr eines Vulkanausbruchs darstellt. Dennoch ist es ein Lebenszeichen des Vulkangebiets, was für Forscher und Politiker ein Ansporn sein sollte, in eine bessere Überwachung zu investiert, um zukünftige Vulkanausbrüche rechtzeitig vorhersagen zu können.

Beiträge der gleichen Kategorie

Leichtes Erdbeben in Unzenberg Unzenberg - Im Rhein-Hunsrück-Kreis hat sich am Samstagabend (19.) ein leichtes Erdbeben ereignet. Der Erdbebendienst Südwest gibt dieses Ereignis zun...
Kleines Erdbeben in Bassum Bassum - Im Grenzbereich der niedersächsischen Städte Bassum und Syke hat sich am Sonntagmorgen ein kleines Erdbeben ereignet. Wahrscheinlich als Folg...
Leichtes Erdbeben in Maulburg Maulburg - Im Landkreis Lörrach am Südrand vom Schwarzwald hat am Mittwochabend leicht die Erde gebebt. Wie der Schweizerische Erdbebendienst (SED) re...
Kleines Erdbeben in Lenzkirch Lenzkirch - Im südlichen Schwarzwald hat sich am Dienstag ein kleines Erdbeben ereignet. Der Erdbebendienst Südwest lokalisierte das Epizentrum zwisch...
The following two tabs change content below.

Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

Neueste Artikel von Jens Skapski (alle ansehen)

5 Kommentare

  1. Hallo Jens, ist wieder ein sehr spannender Bericht den du da geschrieben hast, lese deine Berichte immer wieder gerne, da man kann daraus etwas lernen.

    L. G.

    Patricia

  2. Hallo Andrea,

    die Artikelinhalte musste ich aus Urheberrechtsgründen entfernen.
    Zum Artikel der Rhein-Zeitung: Dort wird lediglich gesagt, dass Gase aufsteigen, wie es in einem Vulkangebiet normal ist, mehr nicht. Von erhöhter Aktivität steht da nichts.
    Zum zweiten: Der bezieht sich auf einen WAZ-Artikel, der vor einem halben Jahr erschienen und völlig aus dem Kontext gegriffen ist. Ich habe damals mit Dr. Schreiber gesprochen. Er meinte, es gibt keine Veränderung und der zuständige Redakteur hat dort etwas völlig missverstanden.
    Und auch der Spiegel-Artikel ist keine Warnung, sondern nur ein häufig erscheinender Hinweis auf Aktivitäten, wie sie an einem ruhenden Vulkan normal sind.

    Unterm Stich dient alles der (sicher berechtigten) Forderung einer besseren Überwachung. Aber über erhöhte Aktivität gibt es keine Meldungen. Eben weil es keine erhöhten Aktivitäten gibt (soweit bekannt).

  3. hi Jens

    Uebrigens habe ich fuer dich beim Spiegel bereits eine Warnung von Seismologen aus dem Jahr 2007 betreffend die Eifel entdeckt:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/bewegte-erde-forscher-warnen-vor-vulkan-gefahr-in-der-eifel-a-466051.html

    Wenn jetzt also dieses aktuelle Beben vonm 19. Juni in Verbindung mit den Beben vom 04. und vom 10. Juni in Verbindung gebracht werden mit dieser Lavakammer unter dem Laacher See, dem Temperaturanstieg in einem Kilometer Tiefe auf 60 bis 70 Grad und dazu das ansteigende Ausgasen im See dann sollte dass eine klare Warnung sein! Dieser See ist am erwachen Jens!

  4. @ Jens Stepanski

    Eine weitere Warnung gibt es bei vulkane.net:

    http://www.vulkane.net/blogmobil/vulkaneifel-erwachen-des-laacher-see-vulkans/

    Ergänze deine Daten mal mit diesen weiteren Daten und ich persönlich kenne die Vulkan-Eifel aus meiner eigenen Kindheit weil ich dort mal einige Zeit lang Familienbande hatte und ich öfters am See war. Und ich gebe offen zu: die Menge der Ausgasungen hat die letzten Jahre deutlich zugenommen. Und wenn man hier die Berichte verfolgt mit dieser Störungszone im Ochtendunger Becken, dann könnte es doch sein, dass von dieser aufsteigenden Plume Seitenverästelungen abzweigen die fuer Unruhe auch an dieser Störungszone sorgen könnten und rund um die Mayener Gegend.

    Grueße aus Unterfranken
    Andrea

  5. Hi Jens

    Ich glaube, da tut sich was unter dem Laacher See. Denn: es gibt schon seit 2015 Beobachtungen am Laacher See, die Forscher beunruhigen:

    http://www.rhein-zeitung.de/region/lokales/mayen_artikel,-hinweis-auf-kohlendioxid-aus-der-tiefe-am-laacher-see-breitet-sich-sauergras-aus-_arid,1333283.html

    Man sieht also: es sieht so aus als wird unter dem Laacher See der Boden lebendig und dass dort Lava demnächst irgendwann durchbrechen könnte durch den Boden!! Der Laacher See sollte beobachtet werden!

Kommentare sind geschlossen.