Schweres Erdbeben zwischen Izmir und Lesbos fordert ein Todesopfer

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Türkei / Griechenland – Vor der Westküste des Landes hat sich am Montagmittag ein schweres Erdbeben ereignet. Das Eizentrum lag rund 90 Kilometer nordwestlich der Millionenstadt Izmir nahe der Küste der griechischen Insel Lesbos. Nach ersten Angaben des Kandilli-Observatoriums erreichte das Beben Magnitude 6.3. Die Erschütterungen waren im gesamten Ägäis-Raum deutlich spürbar. Unter anderem konnte das Beben in Istanbul, der griechischen Hauptstadt Athen und der bulgarischen Hauptstadt Sofia wahrgenommen werden.
Rund um das Epizentrum auf Lesbos, umliegenden Inseln und nahe Izmir war das Beben stark zu spüren. Hier muss mit größeren Schäden gerechnet werden. Tsunami-Gefahr besteht nicht. Kleinere Wellen an nahe gelegenen Küsten sind aber nicht auszuschließen.

Wichtig für Urlauber in der Region: Verhalten bei (und nach) schweren Erdbeben

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Update 15:53 Uhr (Lesbos)
In der Stunde nach dem Hauptbeben hat es dutzende Nachbeben gegeben. Das stärkste, nur drei Minuten später, erreichte Magnitude 4.9. In der Regel muss mit Nachbeben über Stärke 5 gerechnet werden, die über mehrere Wochen auftreten können.
Von Lesbos werden von den griechischen Behörden erste Schäden gemeldet. Besonders betroffen soll das Dorf Plomari sein, das sich nur rund 15 Kilometer vom Epizentrum entfernt befindet. Nach Berichten der Nachrichtenagentur Newsit sind mehrere alte Gebäude im Ort eingestürzt. Menschen sollen unter den Trümmern gefangen sein. Eine Person konnte bereits aus den Trümmern gerettet werden. Auch das Dorf Mytilini sei betroffen. Durch Erdrutsche sind mehrere Hauptstraßen zur Zeit unpassierbar.
Kleinere Schäden hat es ebenfalls auf den Nachbarinseln Chios und Limnos gegeben.
Der griechische Erdbebendienst in Athen gibt das Erdbeben mit Magnitude 6.1 an und lokalisiert das Epizentrum ähnlich wie die türkischen Behörden vor der Südspitze der Insel.

Update 16:09 Uhr (Türkei)
Das türkische Festland, das einige Kilometer weiter vom Epizentrum entfernt liegt als Lesbos, ist nach bisherigen Erkenntnissen nicht so stark betroffen. Schäden gab es aber auch dort. Bisher gemeldet wird, dass ein historisches Gebäude in der Küstenstadt Edremit (Balikesir) beschädigt wurde.
In Izmir und Manisa, wo das Beben stark zu spüren war, brach Panik aus und viele Menschen sind auf die Straßen gerannt. Öffentliche Gebäude, vor allem Schulen und Krankenhäuser, wurden evakuiert.

Update 16:19 Uhr (Lesbos)
Folgendes Video wurde auf Lesbos aufgenommen und zeigt einige der Schäden.

Update 16:25 Uhr (Lesbos)
Das griechische Rote Kreuz ist zur Zeit mit vielen Hilfskräften auf Lesbos im Einsatz. In mindestens fünf Dörfern sind Gebäude eingestürzt. Neben den genannten Plomari und Mytilini sind dies Lisvori, Slope und Vrisa. Vier Personen wurden bislang mit Verletzungen in ein Krankenhaus in Polichnitos eingemeldet. Mindestens eine Person gilt noch offiziell als vermisst und soll unter den Trümmern ihres Hauses gefangen sein.
In Plomari, das Dorf, das dem Epizentrum am nächsten liegt, scheint die Lage am schlimmsten zu sein. Lokale Behörden sprechen von einer „katastrophalen Situation“, wie die Nachrichtenseite Newsbomb meldet. Neben mehreren Wohnhäusern ist dort auch ein Kirchturm eingestürzt. Am Hafen kam es offenbar zur Bildung vom Schlammvulkanen, bzw. Sandfontänen, wovon mehrere Boote betroffen sind.

Update 16:39 Uhr (Türkei)
In der Provinz Izmir hat die Katastrophenschutzbehörde (AFAD) begonnen, Gebäude auf mögliche Schäden zu untersuchen. Dabei sind sowohl in der Stadt selbst, als auch im Umland Teams unterwegs. Am schwersten betroffen ist nach aktuellen Angaben die Region um den Ort Karaburun südlich vom Epizentrum. Die Behörden dort stellten 240 Zelte für Betroffene zur Verfügung. Zum Ausmaß der Schäden gibt es noch keine genauen Angaben. Meldungen über Verletzte gibt es ebenfalls noch nicht.

Update 16:50 Uhr
Die noch vermisste Person stammt nach übereinstimmenden Medienberichten aus Vrisa. Rettungskräfte suchen gezielt nach dieser Person. Ebenfalls in Vrisa wurde zudem ein Ehepaar aus den Trümmern seines Hauses gerettet. Die beiden erlitten nur leichte Verletzungen.
Ministerpräsident Alexis Tsipras hat via Facebook sein Mitgefühl ausgesprochen und schnelle Rettungsarbeiten angekündigt.

Update 17:10 (Lesbos)
Behörden sprechen inzwischen von mindestens 10 Verletzten auf Lesbos, die wegen des Erdbebens im Krankenhaus von Polichnitos behandelt werden müssen. Acht von ihnen erlitten Knochenbrüche. Bewohner von Plomari sprachen in Interviews mit newsit vom schwersten Erdbeben, das sie je erlebt haben. Im Hafen des Ortes gab es starke Bodenbewegungen, sodass die Anlagen teils aus dem Meer gehoben wurden.
Ankaras Oberbürgermeister Melih Gökçek hat unterdessen seine Verschwörungstheorien erneuert und von einer „hohen Wahrscheinlichkeit“ gesprochen, dass das Erdbeben eingezielter Angriff (der USA) gegen die Türkei sei. Eine wissenschaftlich unbegründete These, die er in diesem Jahr bereits bei früheren Türkei-Erdbeben geäußert hatte.
Im Dorf Vrisa sollen nach Angaben der Bewohner rund 90% aller Häuser entweder zerstört oder schwer beschädigt worden sein. Bis auf ein paar Verletzte werden von dort bislang keine Opfer gemeldet. Allerdings gibt es von der Person, die dort noch vermisst wird, weiterhin kein Lebenszeichen.
Insgesamt hat Vrisa rund 900 Einwohner. Rettungskräfte sind dort zur Zeit mit vier Fahrzeugen im Einsatz.

Update 17:35 Uhr
Rettungsarbeiten konzentrieren sich im Moment überwiegend auf Vrisa und Plomari. Inzwischen ist die Armee im Einsatz. Ein Sprecher der Rettungskräfte sagte newsit, dass Vrisa praktisch vollständig zerstört wurde und hunderte Menschen ihre Häuser verloren haben. Zur temporären Unterbringung werden die Betroffenen in Hotels umliegender Orte einquartiert, die beim Erdbeben nicht beschädigt wurden, und erhalten dort Hilfsgüter. Auch Zelte wurden bereitgestellt.

Update 18:12 Uhr

Update 18:30 Uhr (Lesbos)
Die vermisste Person konnte verletzt aber lebend aus den Trümmern ihres Hauses gerettet werden. Die Zahl der Verletzten ist damit auf 11 gestiegen. Zwei von ihnen wurden schwer verletzt. Die Suche nach weiteren möglicherweise verschütteten Personen dauert aber noch an. Durch Störungen im Telefonnetz sind weiterhin viele Orte nur schwer kontaktierbar, da Erdrutsche und Straßenschäden die Anfahrt erschweren. Desweiteren steht die Versorgung der Opfer im Mittelpunkt. Dazu gehört die Evakuierung, das Errichten von Notunterkünften und die Versorgung mit Nahrungsmitteln

Update 19:35 Uhr (Türkei)
In Karaburun nördlich von Lesbos sind die Schäden des Erdbebens überschaubar. Betroffen sind ausschließlich ältere Gebäude. Eines stürzte infolge des Bebens ein. Es war allerdings seit Jahren unbewohnt. Kleinere Schäden traten in mehreren dutzend Häusern auf. Der Katastrophenschutz hat Bewohnern geraten, beschädigte Gebäude nicht zu betreten, da es in den kommenden Tagen größere Nachbeben geben könnte, bei denen dann Einsturzgefahr bestünde.

Update 19:47 Uhr (Lesbos)
Bei Bergungsarbeiten wurde die Leiche einer 45-jährigen unter den Trümmern eines Hauses gefunden. Dies hat der Bürgermeister von Lesbos am Abend via Twitter bestätigt. Sie ist das bisher einzig bestätigte Todesopfer infolge des Erdbebens auf Lesbos.

Update 20:33 Uhr

Update 21:16 Uhr
Bei der Versorgung der Opfer des Erdbebens sind inzwischen auch einige der auf Lesbos bestehenden Flüchtlingslager beteiligt. Diese haben Zelte, Lebensmittel und Wasser an die Menschen gespendet, die ihre Häuser verloren haben.

Update 10:26, 13. Juni
In der Nacht dauerten die Rettungsarbeiten an. Weitere Todesopfer gibt es zum Glück nicht. Insgesamt ist die Zahl der Verletzten aber auf 15 gestiegen. Die Nachbebenaktivität vergangene Nacht war, wie schon in den Stunden nach dem Beben, relativ gering. Insgesamt gab es nur acht Nachbeben über Magnitude 4.
Am Rande der Katastrophe gibt es auch einige weitere interessante und kuriose Meldungen. Auf die verrückten Aussagen des Bürgermeisters von Ankara sind wir bereits in einem früheren Update eingegangen.
Eine weitere Meldung aus der Türkei zeigt, dass Erdbeben unter gewissen Umständen zumindest teilweise vorhersehbar sein könnten. In Izmir wurde in den vergangenen zwei Tagen eine Vielzahl an Schlangen in den Häusern der Menschen gemeldet. Ungewöhnlich, da die Schlangen sich in der Regel in Höhlen und Felsspalten verstecken. Ein Tweet, der zwei Stunden vor dem Lesbos-Erdbeben veröffentlicht und inzwischen fast 10.000 mal geteilt wurde, vergleicht die Situation mit den Tagen vor dem großen Izmit-Erdbeben 1999 (M7.7) im Marmara-Meer.

Dass Schlangen vor großen Erdbeben empfindlich reagieren, weiß man bereits seit Jahrzehnten. Aber zu einer richtigen Warnung reichen diese Beobachtungen leider nicht.

Auf Lesbos wird das Erdbeben gestern mit dem letzten großen auf der Insel verglichen, da es auffällig viele Parallelen gibt. 1845 wurde ebenfalls der Süden der Insel getroffen. Es gab damals große Schäden in den gleichen Orten, die auch aktuell betroffen sind. Auch damals gab es ein weibliches Todesopfer.

wird fortgesetzt…

Zeugenmeldungen

Kokkari, Samos (Griechenland)
Aus dem Schlaf aufgewacht, Bett stark vibriert. (Intensität IV)

Cesme (Türkei)
Ich saß gerade auf der Couch als alles anfing zu schwanken, ich spürte ein „Rollen“ unter mir und lief in den Garten. dort bewegte sich noch eine Hecke, dann hörte es auf. (Intensität V)

Seferihisar (Türkei)
Lag zum Zeitpunkt des Erdbebens am Badesteg zwischen Felsen.
Erdbeben war deutlich spürbar, jedoch sind weder Teile von den Felsen abgefallen, noch sind sichtbare andere Schäden entstanden. (Intensität IV)

Güzelcamli (Türkei)
15:30. Sass auf der Terrasse. Nachbarn kamen aus den Häusern. Es dauerte verhältnismäßig lange.
Es waren Hin- und Her-Bewegungen. (Intensität II)

In der westlichen Ägäis kommt es immer wieder zu teils schweren Erdbeben. Das Zusammenspiel der Subduktionszone am Hellenischen Bogen (südlich der Ägäis) und der Bewegung der Anatolischen Platte sorgen dafür, dass die gesamte Region in viele Schollen zerteilt ist. Überwiegend handelt es sich um Extensionszonen, an denen sich die Erdkruste dehnt. Viele große Abschiebungen, an der es immer wieder teils größere, teils auch schwarmartige Erdbeben gibt, sind die Folge. In den vergangenen Monaten hat es besonders östlich von Izmir auf dem türkischen Festland viele größere Erdbeben gegeben

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt? Falls ja, teilen Sie uns dies bitte über das verlinkte Meldeformular oder per Kommentar mit. Ihre Meldung hilft uns dabei, unsere Berichterstattung und die Auswertung von Erdbeben zu verbessern. Vielen Dank.

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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 14:28 Uhr

Magnitude: 6.3

Tiefe: 21 km

Spürbar: ja

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt?

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: ja

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

Epizentrum:

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.
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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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2 Kommentare

  1. Lieber Jens,

    es wäre angemessen, wenn du die Meldung (und andere) mit Quellen versehen würdest. Es sei denn, du hast eigene seismologische Messinstrumente, deren Daten du auswertest.

    1. Das Institut, von dem die Daten stammen, wird immer genannt. Aufgrund gelegentlicher Änderungen der Domains bei einigen Instituten sind alle Links kompakt auf dieser Seite zu finden. http://erdbebennews.de/links/ (im Menü als Unterpunkt zu „Erdbebenlisten“)

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