Tote und Verletzte nach Erdbeben auf Ischia

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Italien – Im Golf von Neapel hat sich am Montagabend ein moderates Erdbeben ereignet. Gegen 21 Uhr erschütterte das Erdbeben die Insel Ischia. Nach Angaben der italienischen Erdbebenbehörde erreichte es Magnitude 3.6. Das Epizentrum lag an der Westküste der Insel, rund 40 Kilometer vom Zentrum Neapels entfernt. Zur genauen Herdtiefe des Bebens gibt es noch keine Angaben.
Auf Ischia waren die Erschütterungen teilweise stark zu spüren. An mehreren Orten der Insel brach Panik aus und Menschen rannten aus ihren Häusern. Rund um den Hafen der Insel, der sich im Norden befindet, kam es zu einem Stromausfall. Im Süden der Insel nahe des Ortes Barano sollen mehrere Mauern eingestürzt sein. Größere Schäden hat es offenbar in der Stadt Lacco Ameno gegeben. Wie Medien berichten haben sich dort teils erheblich Risse in Häusern gebildet. Meldungen über Verletzte gibt es bislang nicht.
Auch auf dem Festland waren die Erschütterungen mit geringer Intensität zu spüren. Betroffen davon sind Teile von Pozzuoli sowie einige Teile von Neapel. Mit Schäden ist dort aber nicht zu rechnen.

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Update 21:56 Uhr
Trotz geringer Magnitude hat das Erdbeben deutliche Spuren auf Ischia hinterlassen. Lokale Medien sprechen inzwischen von mehreren zerstörten Wohnhäusern. Unter anderem sind Häuser in den Orten Serrara Fontana und Fango betroffen. Dort soll es auch mehrere Verletzte geben. Feuerwehren und Rettungskräfte der Insel sind im Dauereinsatz. Informationen über beschädigte Hotels gibt es bislang nicht. Zur Zeit halten sich viele Touristen auf Ischia auf.

Update 22:11 Uhr
Der Italienische Erdbebendienst INGV hat das Beben nachträglich auf Magnitude (Mw) 4,1 nach oben korrigiert. Eine Magnitude, die die großen Schäden eher erklärt. Demnach wurde im Westen der Insel stellenweise Intensität VI erreicht. Bedingt durch die lokale Topographie traten aber auf engstem Raum große Unterschiede auf. Unterdessen werden via Twitter erste Bilder der Auswirkungen verbreitet.

Update 22:21 Uhr
Es zeigt sich deutlich, dass besonders der Westen der Insel schwer betroffen ist. Auch aus der Stadt Panza werden inzwischen mehrere zerstörte Gebäude gemeldet. Aber auch im Norden (u.a. in Casamicciola) und in der Mitte von Ischia hat es teils größere Schäden gegeben. Unter anderen haben sich auch große Risse in einem Krankenhaus gebildet, das zum größten Teil evakuiert werden musste.

Update 22:33 Uhr
Große Schäden hat es auch in Casamicciola gegeben, wo zahlreiche Häuser schwer beschädigt oder zerstört sind. Mehrere Menschen erlitten durch herabstürztende Trümmer Verletzungen und werden zur Zeit von Rettungskräften behandelt. Das Krankenhaus der Stadt, die mit 8000 Einwohnern und dem größten Hafen der Insel einer der zentralen Orte Ischias ist, musste wegen Schäden evakuiert werden.

Update 22:40 Uhr
Auch eine Kirche in Casamicciola wurde vom Erdbeben erwischt und ist teilweise eingestürzt. Nach unbestätigten Meldungen sollen dort bis zu drei Personen unter den Trümmern eingeschlossen sein. Helfer graben zur Zeit nach den Verschütteten.

Update 22:52 Uhr
Mehrere Leser haben uns gefragt, wie ein so vergleichsweise schwaches Erdbeben so immense Auswirkungen haben kann. Dazu sei gesagt, dass dies auf Ischia (leider) normal ist. Kleine Erdbeben hier werden deutlich stärker wahrgenommen als in den meisten anderen Teilen der Welt. Zum Teil liegt das daran, dass die Erdbeben hier ungewöhnlich tief sind. Weiterhin sorgen die geologischen Bedingungen dafür, dass seismische Wellen auf dem Weg vom Herd zur Oberfläche relativ wenig Energie verlieren. Zudem verstärken topographische Effekte auf der Insel die Erdbebenwellen, jedoch nur lokal begrenzt. Als weiterer Faktor kommt hinzu, dass die Gebäude auf der Insel, wie in vielen kleineren Orten Italiens, nicht erdbebenresistent gebaut sind, und so bei der durch vorher genannte Bedingungen kreierten Intensitäten (bei diesem Erdbeben war es wohl Intensität VI bis VII) zusammenbrechen.

Update 23:00 Uhr
Hinweis für alle Touristen, die sich zur Zeit auf Ischia aufhalten:
Aufgrund der teils unübersichtlichen Situation in mehreren Orten ist es ratsam, Gebiete mit Schäden zu meiden. Sollte das eigene Hotel oder die unmittelbare Nachbarschaft betroffen sein, ist eine vorzeitige Abreise ratsam. Vorherige Rücksprache mit Veranstalter und Hotelpersonal ist empfehlenswert. Sollte der Urlaub trotz der Situation fortgesetzt werden, ist wichtig zu bedenken, Rettungsarbeiten auf keinen Fall zu behindern. Da zur Zeit noch Menschen verletzt werden, könnte ein störendes Verhalten Menschenleben gefährden.
Auf Ischia kam es in der Vergangenheit gelegentlich vor, dass Erdbeben nicht als Einzelereignis, sondern als sogenanntes Doppelbeben aufgetreten sind. Also zwei Erdbeben binnen weniger Stunden, die eine ähnlich Magnitude haben. Eine klassische Nachbebenserie ist eher selten. Somit ist es nicht unwahrscheinlich, dass es in den kommenden Stunden oder Tagen weitere (gleichstarke) Erdbeben gibt, die neue Schäden verursachen können. Jedoch lässt sich dies nicht mit Sicherheit voraussagen. 
Generell gilt für alle Urlauber, die Reisen in erdbebengefährdete Gebiete planen, sich mit den richtigen Verhaltensweisen bei und nach großen Erdbeben auseinanderzusetzen.
Auch wenn Ischia eine Vulkaninsel ist, besteht absolut keine Gefahr, dass sich das Erdbeben auf vulkanische Aktivitäten auswirkt. Weder auf den Inselvulkan, noch auf die „großen Nachbarn“ Campi Flegrei und Vesuv.

Update 23:10 Uhr
Einer der vermissten Personen, die beim Einsturz einer Kirche verschüttet wurden, konnte nur noch tot geborgen werden. Bei dem Opfer soll es sich um eine ältere Frau handeln.
Mindestens 20 Personen sind verletzt worden. Die Rettungsarbeiten dauern weiter an. Man hofft die beiden noch Vermissten lebend bergen zu können.

Update 23:30 Uhr
Zur Unterstützung der Rettungsarbeiten sind Spezialkräfte per Hubschrauber aus Neapel auf die Insel gebracht worden. Zur Zeit gelten erneut drei Personen als vermisst. Zudem lassen die Schäden darauf schließen, dass hunderte Personen bei dem Erdbeben ihre Häuser verloren haben. Für diese Menschen werden Notunterkünfte errichtet. Verletzte werden teilweise auf das Festland gebracht. Auch ein schneller Transport von Touristen soll via Fähre eingerichtet werden.
Bei der verstorbenen Frau soll es sich nach Behördenangaben um eine Anwohnerin handeln. Wer die noch Vermissten sind, ist noch nicht bekannt.

Update 00:01 Uhr
Durch die Stromausfälle der letzten Stunden war es für Rettungskräfte zunächst nicht möglich, einige Orte der Insel zu erreichen. Inzwischen ist klar, dass es weitere Verletzte und auch Vermisste gibt. Nach offiziellen Angaben sind über 25 Menschen verletzt worden. Lokale Medien sprechen unter Berufung auf Rettungskräfte von 30 Verletzten. Mehr als 10 Personen gelten als vermisst.

Update 00:09 Uhr
Vom Vesuv-Observatorium, das für die vulkaniologische und seismologische Überwachung der Insel zuständig ist, gibt es erste Daten zum Erdbeben. Demnach erreichte es Lokalmagnitude 4.0 und war damit stärker als vom INGV angegeben. Mindestens 10 kleine Nachbeben bis Magnitude 1, die nicht spürbar waren, folgten bisher. Das Epizentrum lag demnach im Norden der Insel, war erklärt, warum es dort größere Schäden gibt als im Südwesten.

Update 00:15 Uhr
Rettungskräfte konnten fünf der zehn Vermissten inzwischen unter den Trümmern Lokalisieren und Kontakt aufnehmen. Demnach sind alle fünf, darunter drei Kinder, am Leben aber teilweise verletzt.

Update 00:37 Uhr
Die Zahl der Todesopfer ist auf zwei gestiegen. Zwei weitere Menschen gelten als lebensgefährlich verletzt und wurden zur Behandlung nach Neapel ausgeflogen.
Unterdessen konnten drei weitere Personen lebend aus den Trümmern geborgen werden. Dabei handelt es sich um ein Ehepaar, beide etwa 30 Jahre alt, sowie um eine schwangere Frau. Bei allen geretteten Personen handelt es sich um Einwohner von Ischia. Touristen sind nach aktuellem Stand nicht betroffen.

Update 08:53 Uhr
Die Opferzahl hat sich in der Nacht nicht weiter erhöht. Alle bisher vermissten Personen konnten gefunden werden. Die Bergung von zwei Personen dauert an, jedoch ist deren Position bekannt und sie stehen im Kontakt mit den Rettungskräften. Insgesamt 39 Menschen wurden verletzt.
Noch in der Nacht hat eine erste organisierte Fähre mit 1051 Menschen an Bord Ischia verlassen, um die Personen aufs Festland zu bringen. Die Fähre legte in Pozzuoli an, wo Mitarbeiter des Roten Kreuzes die Betroffenen betreuten. Weitere Fähren werden außerhalb der normalen Caremar-Fahrpläne heute von Ischia-Porto nach Neapel starten.

Update 10:06 Uhr

Zeugenmeldungen
Forio
Kaum spürbar, Stromausfall, alle sind in Panik ausgebrochen (Intensität II)

Forio
Der Strom fiel aus und Sekunden später spürte man eine deutliche Erschütterung. Der Strom war ca. 2 Minuten weg und alle Leute kamen auf die Straße waren zum Teil sehr verängstigt. Viele Menschen gehen immer noch nicht in die Häuser und bleiben draußen. (Intensität II)

Casamicciola Terme
Das Hotel wackelte keine 5 Sekunden sehr deutlich. Man wusste sofort, dass es ein Erdbeben sein musste. Wir befürchteten auch erst eine vulkanische Aktivität, da auch der Hotelpool aus einer heißen Quelle gespeist wird.
Wir sitzen mit anderen Hotelgästen im Hof des Hotels Villa Fiorrntina. Es ist niemand verletzt.
Der Strom war für wenige Minuten weg.
Die News kamen nur sehr zögerlich über das Internet. Wir waren lange im Unklaren über die Lage.
In der Nachbarschaft ist ein Bauunternehmen mit einem Bagger ins Stadtzentrum gefahren. (Intensität V)

Buonopane
Saßen im Freien, plötzlich dumpes Donnern, heftiger Stoß, gleichzeitig Stromausfall. Strom nach mehreren Minuten wieder da. Große Verunsicherung, auch bei den Einheimischen . (Intensität II)

Agnano
Nur leichtes wackeln Decken lampe. Wir dachten nur es wäre Wind, obwohl eigentlich die Fenster geschlossen waren. Wir haben uns gewundert, bis wir eben diesen Artikel gelsen haben. danke (Intensität II)

Lacco Ameno
Es war wie eine Explosion, dann ist der Strom sofort ausgefallen, nach ca 30 Sekunden war alles wieder ruhig, der Strom war wieder da und die Leute sind auf die Strasse gelaufen.
Viele wollen jetzt (01:30) in der Nacht im Freien verbringen. (Intensität V)

wird fortgesetzt…

Ischia ist vulkanischen Ursprungs und gilt neben dem Vesuv und den Campi Flegrei als dritter aktiver Vulkan in Kampanien. Die letzte Eruption hat sich im 14. Jahrhundert ereignet. Auf der Insel kommt es, teils bedingt durch vulkanische Tätigkeiten, häufig zu kleineren Erdbeben, die aufgrund der geringen Herdtiefe meist sehr deutlich zu spüren sind. Ein katastrophales Erdbeben mit Magnitude 5.8 hat im Jahr 1883 mehr als 2500 Menschenleben gefordert.
Zuletzt haben im vergangenen August zwei kleine Erdbeben (ca. Magnitude 2) den Norden der Insel getroffen und Anwohner verängstigt, aber keine Schäden verursacht.

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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 20:57 Uhr

Magnitude: 4,0

Tiefe: 9 km

Spürbar: Ja

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt?

Schäden erwartet: Ja

Opfer erwartet: Ja

Ursprung: Tektonisch

Tsunami-Gefahr: Nein

Epizentrum:

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.


 

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Jens Skapski

Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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9 Kommentare

  1. Jch hatte schon lange in Forio mein Urlaub gebucht. vom 22. Sept.- 8.Okt. 2017
    Kann ich nun die Reise ohne Angst antretten, od. soll ich Sie besser stonieren?

    1. Die Erdbebengefahr wird zu der Zeit nicht höher sein, als sonst auch generell in Italien. Stornieren ist daher nicht empfehlenswert.

  2. Guten Tag,
    wir wollen am Wochenende eigentlich für ein Wochenach Forio auf Ischia fahren. Ist das nun einigermaßen sicher oder wär es sinnvoller die Reise zu stornieren?
    LG

    1. Ja, ist sicher, aber neue Erdbeben lassen sich natürlich nie ausschließen, auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist.

  3. Hallo,
    wie sieht es denn mit Nachbeben aus, gab es da schon etwas?
    In welchem Zeitraum könnte nochmal ein Nachbeben kommen?
    Urlaubsreise nach Ischia steht kurz bevor…danke!

  4. Hmmmm
    Bin nun wirklich schwer am überlegen ob ich unsere Reise nach Ischia Porto (08.09. – 15.09.) nicht stornieren soll. Ein Nachbeben, in gleicher Stärke oder noch heftiger, kann doch auch nach Wochen noch kommen….oder nicht?

Kommentare sind geschlossen.