82 Verletzte: Starkes Erdbeben erschüttert südkoreanische Stadt Pohang

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Südkorea – Im äußersten Südosten von Südkorea hat am Mittwoch ein starkes Erdbeben zahlreiche Schäden angerichtet. Wie der südkoreanische Erdbebendienst mitteilt, lag das Epizentrum des Erdbebens nahe der Stadt Pohang, etwa 270 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Seoul. Demnach erreichte das Erdbeben Magnitude 5.4. Der Herd des Bebens lag in geringer Tiefe.
Die Erschütterungen waren in weiten Teilen des Landes deutlich zu spüren. Auch in einigen japanischen Präfekturen wurden spürbare Bodenbewegungen (JMA 2) registriert.

Besonders in Pohang hat das Erdbeben zu zahlreichen Gebäudeschäden geführt. Mehrere mehrgeschossige Wohnhäuser erlitten deutlich sichtbare Schäden. Es stürzten Mauerteile auf Straßen. Dadurch wurden auch zahlreiche Autos zerstört. In einigen Stadtteilen kam es zu Wasserrohrbrüchen, wodurch Straßen überschwemmt wurden.

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Öffentliche Gebäude, darunter alle Schulen der Stadt, wurden evakuiert. Da die Erschütterungen sehr stark waren, haben viele Menschen in Panik ihre Wohnungen verlassen.
Mindestens vier Menschen wurden bei dem Erdbeben verletzt und mussten ins Krankenhaus gebracht werden. 21 weitere Personen waren zwischenzeitlich in beschädigten Gebäuden und Fahrstühlen eingeschlossen und konnten bereits gerettet werden.

Mehrere Nachbeben haben die Region bisher erschüttert. Die meisten davon erreichten etwa Magnitude 3. Das bisher stärkste folgte um 08:49 Uhr MEZ und erreichte Magnitude 4.6. Auch dieses war in weiten Teilen von Korea spürbar. Mit M4.6 erreichte dieses Nachbeben eine Stärke, die für Nachbeben in diesem Fall typisch sind. Stärkere Nachbeben treten nur in Ausnahmefällen auf.

Es handelt sich um das zweitstärkste Erdbeben in der Geschichte von Südkorea. Das stärkste hat im vergangenen Jahr in der selben Region Koreas ebenfalls signifikante Schäden angerichtet. Dabei wurde Magnitude 5.8 erreicht. Das Epizentrum lag damals einige Kilometer südwestlich.
Nahe gelegene Kernkratwerke sind durch dieses Erdbeben nicht beeinflusst worden.

Grund für die starken Schäden in Pohang trotz mäßiger Magnitude ist der Untergrund, auf dem der Großteil der Stadt gebaut ist. Während das Erdbeben vergangenes Jahr überwiegend das gebirgige Hinterland betroffen hat, lag das Epizentrum nun sehr Nahe an der Küstenstadt. Dort sind am Rand eines Ästuars die meisten Ortsteile auf Lockersedimenten errichtet, die bei starken Erdbeben die Bodenbewegungen verstärken. Ein hoher Wasseranteil verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Dadurch sind hier deutlich höhere Intensitäten (vermutlich VII bis VIII) aufgetreten.

Update 11:12 Uhr
Mindestens 12 Menschen sollen nach neuen Angaben der Koreanischen Gesundheitsbehörde durch das Erdbeben verletzt worden sein. Allein in Krankenhäusern in Pohang werden elf Personen behandelt, darunter eine, die durch einstürzende Deckenteile schwer am Kopf verletzt wurde. Personen mit kleineren Verletzungen, die ambulant behandelt werden, sind noch nicht in diese Statistik mit einbezogen.
In Pohang und Umgebung sind die Auswirkungen des Bebens deutlich schlimmer als beim Erdbeben vergangenes Jahr. Mindestens 15 Gebäude in der Stadt sind teilweise eingestürzt. Weitere gelten als einsturzgefährdet. Es wird damit gerechnet, dass hunderte Menschen die kommende Nacht in Notunterkünften verbringen müssen. Entsprechende Einrichtungen werden vorbereitet.
Zu den beschädigten Gebäuden zählen neben Apartmentanlagen, Einfamilienhäusern und Bürogebäuden auch mehrere religiöse Bauten, mindestens vier Schulen, das Universitätsgebäude der Stadt und mehrere Supermärkte. Durch geborstene Gasleitungen hat es kleinere Brände gegeben, die schnell unter Kontrolle gebracht werden konnten.
Die Feuerwehr der Stadt hat tausende Notrufe erhalten, die zur Zeit bearbeitet werden.

Update 13:10 Uhr
Die Zahl der Verletzten durch das Erdbeben ist nach offiziellen Angaben auf 60 gestiegen. 10 von ihnen erlitten schwere Verletzungen. Bei der Feuerwehr Pohang sind bis zum Abend rund 8000 Schadensmeldungen eingegangen, die zur Zeit überprüft werden.
Unterdessen äußerte sich ein Geologie-Professor der Universität Korea zu dem Erdbeben und äußerte den Verdacht, das im April 2017 eröffnete Geothermie-Kraftwerk Pohang habe dieses Erdbeben ausgelöst. Weitere Infos dazu:

Update 19. November
Nach dem Erdbeben am vergangenen Mittwoch (15. Novemver) ist die Zahl der Verletzten auf 82 gestiegen, wie die Behörden des Landes mitteilten. davon werden noch 15 in Krankenhäusern behandelt.
Die Untersuchungen der Schäden wurden in den vergangenen Tagen fortgesetzt. Bislang konnten 2663 beschädigte Gebäude nachgewiesen werden, davon rund 2200 im Privatbesitz (Wohnhäuser, Geschäfte, etc.). 52 Wohnhäuser sind nahezu komplett zerstört.
Da inzwischen die Nachbebenaktivität rückläufig ist und viele Gebäude als „sicher“ eingestuft wurden, sind viele Menschen in ihre Häuser zurückgekehrt. 1100 verbleiben zur Zeit in Notunterkünften.


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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 6:29 Uhr

Magnitude: 5.4

Tiefe: 8 km

Spürbar: ja

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt?

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: nein

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

Epizentrum:

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.


 

 

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Lukas Rentz

Lukas ist 19 und macht voraussichtlich 2018 sein Abitur an einem Gymnasium in Alzey. Anschließend soll ein Geologie-Studium folgen.

2 Kommentare

  1. Also diese Verdächtigung von dem koreanischen Professor könnte passen:

    1. die Tiefe die mit ca. 8 Kilometern angebeben wird.
    2. diese unterschiedlichen Stärken der Erdstöße (Hauptbeben mit M 5,4 dann die Nachbeben erst mit M3 und dann nochmal mit M4.6)
    3. dann dass es hier wohl keine Wackelbewegungen der Erde waren sondern richtiggehende Stöße aus der Tiefe (bei normalen Beben wuerde die Platte auch seitwärts wackeln und schwingen, was wahrnehmbar ist)
    4. die Bruchstelle direkt unter dem Kraftwerk:
    „Tatsächlich zeigt sich zwischen Haupt-, Nachbeben und den Bohrstellen der Geothermie-Anlage ein räumlicher Zusammenhang. Heißt: Die Bruchfläche des Erdbebens liegt genau unterhalb des Kraftwerks.“
    5. Bei Verpressungen von Wasser muessten Wellenbewegungen spuerbar gewesen sein, so als ob der Boden fluessig wird (habe ich hier bei uns schon erlebt).

    Wäre nur noch die Frage der Zeitabstände von den Stößen. Denn sollten die Stöße in größeren Zeitabständen gewesen sein, dann wäre dass typisch fuer Geothermie-Anlagen. Bei normalen Beben wären die Zeitabstände zwischen dem Hauptbeben und den Nachbeben relativ kurz.

    1. Die Punkte, die du aufgezählt hast sind keine Charakteristika von induzierten Erdbeben. Eigentlich haben induzierte Erdbeben keine Eigenschaft, die sie „besonders“ macht. Es sind ganz normale Erdbeben, so wie alle anderen auch, nur dass der finale Auslöser durch menschliche Aktivitäten bedingt ist.

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