Schweres Erdbeben fordert Todesopfer auf Java

Indonesien – Vor der Küste der Indonesischen Insel Java hat sich am Freitagabend ein schweres Erdbeben ereignet. Nach ersten Angaben des deutschen Geoforschungszentrum Potsdam erreichte das Erdbeben Magnitude 6.4. Ursprünglich wurde Magnitude 7.3 registriert, aber nach weiterer Auswertung nach unten korrigiert. Das United States Geological Survey hat nach erste Angabe von M6.6 auf M6.5 nach unten korrigiert. Demnach lag das Epizentrum des Bebens wenige Kilometer vor der Küste des westlichen Inselteils und somit knapp 250 Kilometer südöstlich der Landeshauptstadt Jakarta.
Die Erschütterungen waren in weiten von Java stark zu spüren. Besonders in der Nähe des Epizentrums wurde eine hohe Intensität verzeichnet, sodass mit schweren Schäden zu rechnen ist. Weitere Details stehen noch aus. Der Erdbebenherd lag nach vorläufigen Angaben in rund 100 Kilometern Tiefe. Tsunami-Gefahr besteht grundsätzlich nicht.

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In vielen Städten Javas war das Beben deutlich zu spüren, unter anderem auch in der Hauptstadt Jakarta und in der Millionenstadt Yogyakarta. Selbst auf den Nachbarinseln Sulawesi und Bali wurden die Erschütterungen noch mit geringer Intensität verspürt.
Das Erdbeben selbst entsprang einer überwiegend horizontalen Verschiebung innerhalb der subduzierenden Platte.

Update 19:07 Uhr
An mehreren Orten nahe des Epizentrums hat das Erdbeben zu teils schweren Schäden geführt. Unter anderem betroffen ist die Stadt Banjar. Dort sind zahlreiche Wohnhäuser beschädigt worden. Zudem kam es zu Stromausfällen. Ähnlich sieht die Situation in Cipatujah und in der Region Tasikmalaya aus. Besonders in den umliegenden Dörfern seien zahlreiche Häuser eingestürzt. Ob es Verletzte oder gar Todesopfer gibt, könne bislang nicht gesagt werden. Cipatujah befindet sich direkt an der Küste und ist die Stadt, die dem Epizentrum am nächsten liegt. Kleinere Schäden hat es auch in anderen Küstenstädten gegeben, unter anderem in Pangandaran.

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Update 19:31 Uhr
Das Erdbeben hat mindestens ein Todesopfer gefordert. Im Distrikt Sadananya wurde ein Anwohner von einem einstürzenden Haus tödlich verletzt. Er verstarb, als er von Helfern in ein Krankenhaus gebracht wurde. Zwei andere Bewohner des Hauses erlitten schwere Verletzungen. Auch aus der Region Ciamis werden Verletzte gemeldet.

Update 20:15 Uhr
Aus weiteren Orten werden Verletzte infolge des Erdbebens gemeldet. Unter anderem mussten sieben Menschen im Dorf Karang Nunggal südlich von Tasikmalaya behandelt werden. Einer der am schlimmsten betroffenen Orte ist wahrscheinlich Ciamis, wo es nach inoffiziellen Angaben mehrere Todesopfer geben soll.

Update 20:24 Uhr
Trotz der großen Tiefe des Erdbebens und der nicht übermäßig hohen Magnitude führte dieses Erdbeben zu vergleichsweise großen Schäden und offenbar auch zu einer gewissen Opferzahl. Für diese unglücklichen Effekte gibt es mehrere Gründe.
Zum Einen spielte hier die Uhrzeit des Bebens eine wichtige Rolle. Es trat kurz vor Mitternacht auf, das heißt quasi alle Bewohner der Region befanden sich in ihren Häusern und somit im Gefahrenbereich.
Hinzu kommt die relativ schlechte Bauweise, die vor allem in den Dörfern im Hinterland von Java verbreitet ist. Die Gebäude dort sind wenig erdbebenresistent. Dadurch, dass der Erdbebenherd ziemlich tief lag, wurde im Hinterland von Java, das von Subduktionsbeben sonst eher seltener betroffen ist, eine relativ hohe Intensität (V bis VI) verzeichnet. Kombiniert mit der relativ langen Dauer der Erschütterungen (20 Sekunden bis teilweise eine Minute) ergibt sich eine zerstörerische Kombination, zumindest für strukturschwache Bauwerke.
In einigen Gebieten kommt hinzu, dass vulkanische Sedimente, auf denen viele Orte wegen des fruchtbaren Bodens erbaut sind, die Erdbebenwellen leicht verstärkt haben.

Trotz der unglücklichen Umstände hat die Lage des Hypozentrums inmitten der subduzierten Platte zwei Vorteile: Zum einen kommt es bei solchen Erdbeben meist nur zu wenigen, nicht sehr starken Nachbeben. Zum Anderen reicht der Bruchvorgang nicht bis an die Oberfläche, sodass keine Tsunami-Gefahr besteht.

Update 20:33 Uhr
Offizielle (vorläufige) Daten der Katastrophenschutzbehörde BNPB

  • Drei stark und drei leicht beschädigte Gebäude in Pangandaran, einige Schäden an Häusern im Bezirk Cimerak, im Distrikt Pangandaran und im Distrikt Sidamulih.
  • Im Dorf Gunungsari, Bezirk Sadananya, sind mehrere Häuser eingestürzt und beschädigt. 1Eine Person starb (62) und zwei weitere wurden verletzt.
  • In Banyumas gibt es sechs stark beschädigte Häuser und Schäden an einem Krankenhaus. Patienten wurden evakuiert.
  • In Kebumen sind zwei Menschen beim Einsturz eines Hauses verletzt worden.
  • In Kecamatan Ajibarang Banyumas ist ein Haus eingestürzt.
  • In Pekalongan City ist eine Person beim Einsturz eines Hauses verletzt worden.

Update 20:57 Uhr
Auch im Distrikt Pekalongan soll eine Person ums Leben gekommen sein, wie indonesische Medien berichten. Dabei handele es sich um eine 80-jährige Frau, die im Bett von herabstürzenden Trümmern tödlich am Kopf verletzt worden sein soll. Drei ihrer Familienmitglieder, die sich im gleichen Haus aufgehalten haben, wurden leicht verletzt.

Update 16. Dezember 08:52 Uhr
Nach bisherigen Auswertungen der Erdbebenschäden sind in den am schlimmsten betroffenen Distrikten Pangandaran, Tasikmalaya, Bandung, Ciamis und Garut rund 550 Gebäude beschädigt, mindestens 150 sind komplett zerstört. Die Opferzahl infolge eingestürzter Gebäude hat sich über Nacht nicht erhöht, anders als zunächst befürchtet. Allerdings ist aus dem Distrikt Garut ein drittes Todesopfer bestätigt, das wegen des Erdbebens einen Herzinfarkt erlitten hat. Ein viertes Todesopfer ist aus der Region Bantul nahe Yogyakarta zu beklagen. Dort stürzte eine 34-jährige bei der Flucht aus ihrem Haus und zog sich schwere Kopfverletzungen zu, an denen sie kurz darauf verstorben ist.
Die Zahl der Obdachlosen infolge des Bebens steht noch aus. Bislang sind mehrere hundert Menschen in Notunterkünfte verlegt worden, wo der Katastrophenschutz die Betroffenen betreut.
In der Nacht hat sich westlich des ursprünglichen Epizentrums ein zweites Erdbeben in geringerer Tiefe ereignet. Um ein direktes Nachbeben handelt es sich in dem Fall nicht, vermutlich wurde es dennoch durch das erste Beben ausgelöst. Es erreichte nach Angaben des USGS Magnitude 5.4 und war nur mit geringer bis moderater Intensität zu spüren. Entsprechend sind keine großen Schäden zu erwarten.

Update 17:12 Uhr, 10:21 Uhr
Nach den aktuellen Mitteilungen des Katastrophenschutzes wurden keine weiteren Todesopfer bestätigt. Die Zahl der Verletzten steigt allerdings auf 36 Personen, wovon 11 schwere Verletzungen erlitten haben. Knapp 3000 Gebäude sind in allen betroffenen Distrikten insgesamt beschädigt worden, davon mindestens 451 schwer.

Zeugenmeldungen
Jakarta
15.12.2017, ca. 11:30, Ortszeit in Jakarta, ich lag im Bett, als es mir vorkam, dass das Bett etwas wackelt.. habe nichts gehört, Möbel haben sich nicht bewegt, nur Rollo am Fenster hat leicht gewackelt (Intensität II)

Cijulang
Ich war 40 km vom epizentrum entfernt, habe geschlafen. Bin aufgewacht, aus dem Haus gerannt, schwere Erschütterungen. Alle Menschen sind auf die Straße, Stromausfall. Dann haben viele inkl. mir die Küste bzgl. Tsunami Verdacht verlassen. Einige beschädigte Gebäude auf dem Weg zu sehen. (Intensität VII)

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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 17:47 Uhr

Magnitude: 6.8

Tiefe:

Spürbar: ja

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: ja

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.

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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.
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