Starker Erdbebenschwarm am Tenorio

Costa Rica – Das schwere Erdbeben (M7.6), das sich am Mittwochmorgen vor der Karibikküste von Honduras ereignet hat, zeigte auch in Costa Rica seine Auswirkungen. Zwar waren die Erschütterungen selbst in Costa Rica nicht zu spüren und haben entsprechend keine Schäden angerichtet, doch führte der Durchlauf der Erdbebenwellen zu teils erheblicher seismischer Aktivität an mehreren Vulkanen des Landes. Dieses Phänomen, genannt „Dynamic Triggering“, ist von anderen schweren Erdbeben bekannt und tritt besonders in vulkanischen Gebieten und Gebieten mit hoher Geothermaler Aktivität auf. Auch Slow Slip Events und Non-volcanic Tremors können damit assoziiert sein. Dabei kommt es zu minimalen Spannungsänderungen auf den Störungsflächen, was in Ausnahmefällen ausreichend sein kann, um Erdbeben und andere seismische Ereignisse auszulösen. Mögliche Bedingungen, die dynamic triggering begünstigen, sind unter anderem die Frequenz der Oberflächenwellen, die Amplitude und die Geometrie der Störungszonen.

Drei Vulkane waren und sind von der erhöhten seismischen Aktivität infolge des Honduras-Bebens betroffen:

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Irazu: Drei Stunden nach dem Erdbeben setzte am Vulkan östlich der Hauptstadt San Jose ein kleiner Erdbebenschwarm ein, dessen stärkstes Ereignis Magnitude 3.5 erreichte. Die Beben traten in geringer Herdtiefe auf. Zuvor wurden über mehrere Monate keine Erdbeben mehr am Vulkan registriert, der bereits 2017 mit Schwarmbeben aufgefallen war.

Miravalles: Ähnlich wie am Irazu war auch hier die Erdbebenaktivität gering. Sie setzte ebenfalls erst mehrere Stunden nach Registrierung der Oberflächenwellen ein. Das stärkste Ereignis hier wird vom Erdbebendienst in San Jose mit Magnitude 4.0 angegeben.

Tenorio: Bereits mit Durchlauf der Oberflächenwellen hat am Tenorio Seismizität eingesetzt, die deutlich ausgeprägter ist als an den anderen beiden Vulkanen. Tenorio, nahe der Grenze zu Nicaragua gelegen und Nachbarvulkan vom Miravalles, gilt als inaktiv und hat keine bestätigte eruptive Tätigkeit in historischer Zeit. Mit Magnitude 4.8 war das erste Beben direkt relativ stark. Es folgten dutzende weitere, davon viele über Magnitude 4. Auch am Donnerstag hat hier die Erdbebenaktivität noch angehalten und führte am frühen Abend (17 Uhr MEZ) zum stärksten Erdbeben der Sequenz. Laut Costa Ricanischen Erdbebendienst erreichte dieses Magnitude 5.1. Ein weiteres mit gleicher Stärke folgte um 18:03 Uhr MEZ.
Die Beben traten, wie bei den anderen Vulkanen auch, in geringer Tiefe auf. Obwohl das Umfeld des Tenorio besiedelt ist, sind bisher keine Meldungen über Schäden oder sonstige Auswirkungen infolge der Erdbeben bekannt. Allerdings wurden die Erschütterungen, besonders der beiden größten Beben, sehr deutlich verspürt.

Die Behörden von Costa Rica teilten mit, dass alle Erdbeben an den drei Vulkansystemen vulkanotektonischen Ursprungs sind und auf Störungszonen zurückgehen, die mit dem Vulkansystem verbunden sind. Magmatische Prozesse stehen mit diesen Ereignissen nicht im Zusammenhang. Entsprechend ist nicht davon auszugehen, dass mit erhöhter vulkanischer Aktivität zu rechnen ist.

Zeugenmeldungen
Tenorio-Nationalpark
Wir waren direkt am Parkeingang um ca. 11 Uhr morgens am Mittwoch den 10.1.2018 und Wollten den Rio Celeste Weg laufen. Am Eingang sagte man uns, dass der Weg blockiert ist und keine Besuche mehr in den Nationalpark gelassen werden. Gerade in diesem Moment bewegte sich die Erde für einige Sekunden. Das war wie ein schaukeln oder zittern und ein Schild des Nationalparks wackelte Sehr stark.
Als wir dann in sehr stark. Als wir dann in unser Auto stiegen verspüren wir noch mal ein kurzes wackeln der Erde. Als wir dann in unser Auto stiegen bewegte sich die Erde noch mal ganz kurz. (Intensität II)

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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): seit 10. Januar, 03:56 Uhr

Magnitude: bis 5.1

Tiefe: ca 3 km

Spürbar: ja

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt?

Schäden erwartet: unwahrscheinlich

Opfer erwartet: nein

Ursprung: vulkanotektonisch (dynamic triggering)

Tsunami-Gefahr: nein

Epizentrum:

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.
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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.

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