Tokyo 2018: Sechs Tage, Sieben Erdbeben

Aktualisiert am 5. Januar, 22:02 Uhr

Japan – 2017 war für Japanische Verhältnis ein außergewöhnlich ruhiges Jahr. Kein Erdbeben über Magnitude 6, nur wenige über Magnitude 5.5 und entsprechend auch kaum Erdbebenschäden. 2018, so könnte man meinen, wenn man in Tokyo lebt, hat da was nachzuholen.
Nicht weniger als fünf spürbare Erdbeben in den ersten knapp fünf Tagen des Jahres haben die Tokyoter erleben müssen. Hinzu kommt eine Falschmeldung des Erdbebenfrühwarnsystems am Freitagmorgen. Bislang waren aber alle Beben von moderater Magnitude.

Das erste Beben hat sich direkt am Neujahrsmorgen ereignet. Mit Magnitude 4.3 lag das Epizentrum an der Küste der Präfektur Ibaraki. Besonders in den Hochhäusern im Osten von Tokyo war dieses Beben vereinzelt zu spüren (JMA 2).
Nummer zwei folgte am Abend des 2. Januar und hatte sein Epizentrum in der Präfektur Saitama. Vereinzelt erreichte es im Tokyoter Ballungszentrum JMA 3, überwiegend JMA 2. Die Magnitude war mit M4.2 unwesentlich niedriger.
Nummer drei am Morgen des 4. Januar lag ein wenig südlicher, Präfektur Chiba, ebenfalls im Osten der Stadtgebietes. Mit Magnitude 3.7 war es schwächer als die vorherigen Beben. Entsprechend war auch hier die Intensität nur vereinzelt im spürbaren Bereich.
Vormittags am 5. Januar, Nummer vier, mit Magnitude 4.4 das bis dahin stärkste Beben, traf es erneut die Präfektur Ibaraki und hatte Auswirkungen (JMA 2) in den Osten der Hauptstadt.
Nummer fünf, nach japanischer Zeit kurz nach Mitternacht am 6. Januar, war das stärkste dieser Serie und hat viele der Einwohner Tokyos aus dem Schlaf gerissen. Es erreichte Magnitude 4.8 und hatte sein Epizentrum direkt in der Präfektur Toyko und damit im Kern des Stadtgebietes. Hier erreichte es auch mit JMA 4 die höchste Intensität. Das japanische NIED gibt das Erdbeben sogar mit Magnitude 5.3 an.

Alle diese Erdbeben scheinen sich entlang der subduzierten Pazifischen Platte ereignet zu haben, die Tiefe der Beben nimmt gen Westen zu. Trotz der vielen Erdbeben ist zunächst nicht mit Schäden zu rechnen.

Neben den genannten spürbaren Beben kam es auch zu zahlreichen kleineren Erdbeben. Deren Schwerpunkte liegen zum einen vor der Küste von Ibaraki, zum anderen direkt in der Bucht von Toyko.

Update 22:02 Uhr
Südlich von Toyko haben sich am Samstagmorgen (Ortszeit) zwei weitere moderate Erdbeben ereignet, die in Teilen des Stadtgebiets vereinzelt zu spüren gewesen sind. Die beiden Hauptbeben hatten Magnitude 4.4 und 4.6, nach Angaben der JMA. Es hat allerdings zahlreiche weitere kleinere Beben gegeben. Das Epizentrum der Beben lag zwischen der Insel Mihara (Präfektur Tokyo) und der Präfektur Shizuoka.

Zeugenmeldungen
Tokyo
In der 8. Etage meiner Wohnung aufgehalten. Erst ein kräftiger Schlag, den ich nicht einordnen konnte, dann ein kontinuierliches Schwanken, das Lampen und hängende Gegenstände hin und her schaukelten. In der Erwartung einer Intensivierung saßen wir sprungbereit am Küchentisch. Mir liefen Schauer über den Rücken. (Intensität III)

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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 5. Januar, 16:54 Uhr

Magnitude: 4,8

Tiefe: 76 km

Spürbar: ja

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt?

Schäden erwartet: nein

Opfer erwartet: nein

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

Epizentrum:

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.

Die Intensität von Erdbeben in Japan wird mit der Shindo-Skala beschrieben und basiert auf der gemessenen Bodenbeschleunigung. Die Skala reicht von 1 bis 7 mit Untergliederung in „Upper“ (+) und „Lower“ (-) der Werte 5 und 6. In der Regel kann ab einem Wert von 5- mit ersten kleineren Schäden an Gebäuden gerechnet werden. Größere Schäden treten ab 6- auf. Der höchste Wert 7 auf der Skala beschreibt meist schwere Zerstörungen und wurde in den vergangenen Jahren nur zweimal erreicht: Beim Tohoku-Erdbeben (M9.1) 2011 und beim Kumamoto-Erdbeben (M7.3) 2016.

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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.

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2 Kommentare

  1. Ich kann mich Nicols Kommentar nur anschließen.
    Dies ist echt eine sehr gute Seite, die Infos sind leicht beschrieben und erklärt und dann die Verlinkung der aktuellen Erdbeben mit dem USGS, einfach Spitze. Ganz zufällig, als ich am 5. Jänner 2018, ca eine halbe Stunde nach dem Ereignis, in Google über das Erdbeben San Fran 2018 suchte, war dies die einzige Seite die darüber berichtete.
    Noch dazu geschieht das alles ohne Panikmache, wirklich als gute Informationen.
    Danke für Ihre Mühen.

  2. Hallo,
    ich finde Eure Berichterstattung wirklich klasse. Sehr schön, endlich einmal etwas mehr über verschiedene Erdbeben in einer Region zu erfahren. Das findet sich sonst eher nicht in der Art. Allerdings bin ich scheinbar der Fehlerfinder in jedem Bericht … so auch hier. Mich stört es nicht, aber falls es Euch stört … In der zweiten Hälfte des Berichts steht immer Toyko statt Tokyo.
    Vielen Dank für die tolle Arbeit, die Ihr leistet und alles Gute für 2018!

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