Starkes Erdbeben in Tadschikistan – Ein Kind stirbt – Viele Häuser zerstört – Mangelnde Versorgung der Erdbebenopfer


10. November
Ein relativ starkes Erdbeben ereignete sich am Morgen im zentralasiatischen Staat Tadschikistan. Nach Angaben von USGS hatte das Erdbeben Magnitude 5.2, die Seismologiebehörde von Kasachstan, zuständig für ganz Zentralasien, nennt Magnitude 5.7 und eine Tiefe von 16 Kilometern. Demnach lag das Epizentrum 13 Kilometer südwestlich des Stadtzentrums von Duschanbe, der Hauptstadt von Tadschikistan. Das USGS-Epizentrum liegt weiter östlich, knapp 30 km vom Stadtzentrum entfernt.
In der Hauptstadt war das Beben nach Angaben russischer Medien deutlich spürbar. Menschen gingen auf die Straßen, als die Hochhäuser schwankten. Informationen über Schäden gibt es noch nicht.

Nach Angaben des NGDC (amerikanische Geophysikbehörde) kam es im Jahr 1989 an der Stelle, wo das heutige Erdbeben laut der kasachischen Behörde sein Epizentrum hatte, zu einem Erdbeben der Stärke 5.3, bei dem 274 Menschen ums Leben kamen (überwiegend wegen eines Erdrutsches)

Update 11.37 Uhr:
Erste Meldungen zeigen, dass es in mehreren Dörfern südlich von Duschanbe schwere Schäden gab. Mindestens 2 Häuser sind teilweise eingestürzt. An vielen weiteren wurden Mauern und Wände teils schwer beschädigt. Die größten Schäden wurden bislang an Häusern mit schlechter Lehmbauweise gemeldet. Ob auch andere Gebäude betroffen sind ist noch nicht bekannt.
Meldungen über Verletzte gibt es noch nicht.

Update 11. November:
Die Schäden durch das Erdbeben sind deutlich verheerender als bislang angenommen. Nach neuesten Medienberichten sind mehr als 100 Häuser eingestürzt, 200 weitere wurden schwer beschädigt. Betroffen sind die Dörfer südlich von Duschanbe. Aus der Stadt selbst werden keine Schäden gemeldet.
Verletzt wurde nach Medienberichten niemand, jedoch ist zu erwähnen, dass in Ländern wie Tadschikistan und Usbekistan nicht alle Informationen an die Medien weitergegeben werden, so dass die Daten wahrscheinlich nicht vollständig sind.

Update 14. November:
Tage nach dem Erdbeben sind nun die Menschen von den Folgen betroffen, Hunderte sind obdachlos, viele weitere mussten ihre Häuser wegen der Einsturzgefahr bei möglichen Nachbeben verlassen. Die Hilfslieferungen, die die Regierung von Tadschikistan zugesagt hat, laufen nur schleppend. Es mangelt vor allem an Trinkwasser und Nahrungsmitteln, aber auch an Wohnraum und medizinischer Versorgung. Bei Nachttemperaturen unter dem Gefrierpunkt müssen viele Menschen, darunter viele Kinder, unter freiem Himmel schlafen, da nicht ausreichend Zelte zur Verfügung stehen.
Die medizinische Versorgung läuft zur Zeit über ein provisorisch eingerichtetes Gesundheitszentrum in einem der unbeschädigten Häuser, da das eigentliche Arzthaus der Region bei dem Erdbeben zerstört wurde. 50 Patienten sind zur Zeit dort in Behandlung.
Da die einzige Schule der Region beim Erdbeben zerstört wurde, müssen die Kinder die nächsten Monate in Zelten unterrichtet werden.
Ein weiteres Problem, das vielen Betroffenen das Leben schwer macht, ist die unsichere Zukunft. Von der Regierung in Duschanbe gab es bislang keine Zusage zu finanzieller Entschädigung. Diese ist für die Menschen in der von Armut und Arbeitslosigkeit geprägten Region jedoch die einzige Möglichkeit wieder ein normales Leben zu führen.

Update 15. November:
Offizielle Quellen beharren darauf, dass es bei diesem Erdbeben nicht zu personellen Schäden gekommen ist. Unabhängige Medien aus Tadschikistan (u.a. news.tj) berichten jedoch, unter Berufung auf Korrespondenten der AP, dass Menschen in den betroffenen Dörfern von mindestens einem Kind reden, das bei dem Erdbeben ums Leben gekommen ist. Weitere Menschen sollen verletzt im Krankenhaus liegen.

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Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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