Tiefe Erdbebenserie in der Eifel

Mendig – Wie der Erdbebendienst Südwest am Donnerstag auf seiner Homepage veröffentlicht hat, kommt es seit einigen Tagen in der Vulkaneifel zu einer kleineren Erdbebenserie. Insgesamt fünf Erdbeben erfassten die Behörden von Rheinland-Pfalz seit Sonntag. Zunächst gab es zwei Erdbeben der Stärke 0.9 und 1.1 am 4. Juni. Drei weitere folgten am Mittwochmittag binnen weniger Minuten. Diese erreichten Magnitude 1.3 (zweimal) und 1.1. Die Epizentren aller Erdbeben werden am Südufer vom Laacher See an der Stadtgrenze von Mendig und Kruft lokalisiert. Ungewöhnlich: Die Herdtiefe aller Erdbeben lag in 25 bis 30 Kilometern Tiefe. In den meisten Fällen treten die häufigen Beben in der Osteifel in rund 10 Kilometern Tiefe auf.


Aufgrund der Tiefe, aber vor allem auch wegen der geringen Magnitude, war keines der Erdbeben spürbar. Es sind die tiefsten Erdbeben, die in der Eifel seit 2013 registriert wurden. Damals traten die Beben (unter Magnitude 1) in über 40 Kilometern Tiefe auf und wurden als die tiefsten Beben Deutschlands betitelt. Über den Ursprung dieser Beben ist noch nicht viel bekannt. Spekuliert wird ein Zusammenhang mit magmatischer Aktivität.

Update 9. Juni, 09:15 Uhr
Die Erdbebenserie hat sich auch am Donnerstag fortgesetzt. Zunächst registrierte das Landesamt für Geologie und Bergbau ein weiteres Erdbeben mit Magnitude 0.9 am Dienstagabend. Die Tiefe dieses Bebens soll bei rund 20 km gelegen haben. Am Donnerstag folgen dann, wie die Erdbebenstation Bensberg angibt, drei weitere Erdbeben gegen 22:30 Uhr. Diese waren mit Magnitude 0.6 deutlich schwächer. Bensberg gibt für diese und frühere Erdbeben andere Tiefen von 15 – 21 Kilometern an. Allgemein gilt es zu beachten, dass bei Beben geringer Magnitude bei der Lokalisierung des Herdes in alle drei Raumrichtungen Unsicherheiten auftreten. Zur exakteren Ermittlung wären weitere Untersuchungen notwendig. Die Daten aus Bensberg bestätigen auf jeden Fall, dass die Hypozentren in überdurchschnittlich großer Tiefe liegt. Dies ist der Bereich in der unteren Erdkruste, in der aufgrund hoher Temperaturen Gesteinsdeformation in Form von Erdbeben in der Regel nicht mehr möglich ist. Eine wahrscheinliche Ursache für die Erdbeben können Fluidbewegungen sein. Damit wäre diese Erdbebenserie ähnlich zu den typischen Vogtland-Erdbebenschwärmen.

Update 14:43 Uhr
Eine vorläufige Übersicht aller bisher registrierten Erdbeben (wird aktualisiert):

Update 15. Juni
Ein Erdbeben der Stärke 2.7 hat die Region erschüttert. Ob ein Zusammenhang zur Erdbebenserie besteht, ist noch unklar.

Update 19. Juni
Das Landesamt hat in einem Statement auf seiner Webseite bestätigt, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Erdbeben mit magmatischem Ursprung handelt. Mehr dazu

DatumUhrzeitMagnitude Herdtiefe EpizentrumBehörde
04.06.201722:361.124 kmMendigLGB
04.06.201722:380.923 kmMendigLGB
07.06.201712:490.916 kmKruftLGB
07.06.201712:551.328 kmMendigLGB
07.06.201713:021.127 kmKruftLGB
07.06.201713:351.325 kmKruftLGB
07.06.201722:590.920 kmKruftLGB
08.06.201722:270.516 kmMendigBNS
08.06.201722:270.617 kmMendigBNS
08.06.201722:280.216 kmMendigBNS
09.06.201702:430.621 kmMendigLGB
09.06.201704:071.020 kmMendigLGB

wird fortgesetzt, sobald weitere Informationen vorhanden sind…

Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

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Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): seit 4. Juni

Magnitude: bis 1.3

Tiefe: 23 bis 30 km

Spürbar: nein

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt?

Schäden erwartet: nein

Opfer erwartet: nein

Ursprung: magmatisch

Tsunami-Gefahr: nein

Epizentrum:

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Weitere Informationen zu Erdbeben in Deutschland:

Liste aktueller Erdbeben in Deutschland

Liste historischer Erdbeben in Deutschland

Liste der Erdbebendienste in Deutschland

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Jens ist 23, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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