Schweres Erdbeben auf Neuguinea – Mindestens 31 Tote

Papua-Neuguinea – Ein schweres Erdbeben hat in der Nacht zum Montag (Ortszeit) weite Teile der Insel Neuguinea nördlich von Australien erschüttert. Nach vorläufigen Angaben des United States Geological Survey (USGS) erreichte das Erdbeben Magnitude 7.5. Das Geoforschungszentrum Potsdam gibt zunächst Magnitude 7.4 an. Das Epizentrum des Bebens lag im östlichen Teil der Insel, der zum Staatsgebiet von Papua-Neuguinea gehört. Das Hypozentrum lag nach USGS-Angaben in rund 35 Kilometern Tiefe.
Starke Erschütterungen waren auch in küstennahen Gebieten der Insel zu spüren.
Es muss mit schweren Schäden gerechnet werden. Besonders Dörfer und kleinere Städte, die im Zentrum der Insel liegen, können betroffen sein. Aufgrund der geringen Herdtiefe ist dort mit schweren Verwüstungen zu rechnen. Auch Erdrutsche sind im gebirgigen Binnenland von Neuguinea eine große Gefahr.

Ein vergleichbares Erdbeben auf indonesischer Seite der Grenze aber ebenfalls im Zentrum von Neuguinea hat sich im Jahr 1976 ereignet. Dieses Beben mit Magnitude 7.1 hatte verheerende Auswirkungen in der ähnlich dicht besiedelten Region und führte zu hunderten Todesopfern.

Update 19:11 Uhr
Der PAGER des USGS errechnete eine wahrscheinliche Opferzahl von 1 bis 10 Menschen. Realistisch betrachtet dürfte diese Einschätzung zu positiv ausfallen. Nordöstlich des Epizentrums befindet sich eine Hochebene, die am dichtesten besiedelte Region der Insel abseits der Küsten. Aufgrund der starken Erosion sind die meisten Siedlungen dort auf Sedimenten gebaut, was zu einer sehr hohen Intensität führen würde. Hinzu kommt, dass die Bauweise in den Dörfern nicht der eines Industrielandes entspricht. Hinzu kommt, dass sich das Erdbeben in der Nacht ereignet hat, wo Menschen im Schlaf von einstürzenden Gebäuden überrascht werden können.
Zusammengefasst sprechen die Anzeichen hier für ein möglicherweise katastrophales Erdbeben. Aber Theorie und Praxis können sich immer unterscheiden.

Update 19:19 Uhr
CATNews errechnete für das Epizentrum eine maximale Intensität von IX, die lokal einen Bereich trifft, wo zehntausende Menschen leben. Mehrere Hunderttausend seien demnach von Intensität VIII betroffen. In beiden Fällen dürfte der Großteil der Bauwerke zumindest schwere Schäden erlitten haben. Zudem ist die Erdrutschgefahr sehr hoch.

Update 20:02 Uhr
Inzwischen sind sich alle Erdbebendienste einig, dass das Erdbeben aus einer Überschiebung resultiert. Dabei wird, ähnlich wie bei einer Subduktionszone, ein Plattensegment über ein anderes geschoben. In diesem Fall allerdings ist keine ozeanische Kruste involviert, sodass es sich um eine kontinentale Überschiebung handelt. Der Störungsverlauf folgt dem Gebirgszug von Nordwest nach Südost, der Neuguinea in diesem Inselteil durchzieht.
Die ersten Schadensmeldungen zu diesem Erdbeben kommen aus Mt. Hagen, einer Stadt 170 Kilometer nordöstlich des Epizentrums. Dort waren die Erschütterungen für über eine Minute teils stark zu spüren. Objekte wurden von Regalen geworfen und es bildeten sich einzelne Risse in Häuserwänden.

Update 20:30 Uhr
Weitere manuelle Auswertungen des USGS bestätigen die Magnitude 7.5, legen das Hypozentrum aber in eine geringere Tiefe. Demnach lag es nur bei 25 Kilometern. Interessant ist die erste Auswertung des Herdmechanismus: Neben der bisher bekannten Überschiebungskomponente zeigt das Beben eine Horizontalkomponente. Ein Double-Couple Wert von nur 45% deutet auf einen sehr komplexen Bruchvorgang hin, bei dem wahrscheinlich mehrere Störungszonen involviert sind.

Update 08:15 Uhr
Lokale Medien in Papua-Neuguinea berichten, dass durch das Erdbeben mindestens 10 Menschen ums Leben gekommen sind, darunter vier Kinder. Rettungskräfte haben in den vergangenen Stunden erste betroffene Orte in der Erdbebenregion erreicht. Sie berichten von tausenden zerstörten Häusern und mutmaßlich vielen Todesopfern und Verletzten. Unter anderem wurde auch die Landebahn den kleinen Flughafens in Komo zerstört.
Erdrutsche haben zahlreiche Zufahrtswege zu Dörfern abgeschnitten. Zudem sind alle Kommunikationsleitungen durch das Erdbeben zerstört worden. Eine Beurteilung der Schäden und der Beginn von Rettungsarbeiten verzögert sich somit.
Viele in der Region ansässige Öl- und Bergbauunternehmen, darunter ExxonMobil, haben nach dem Erdbeben den Betrieb in ihren Anlagen komplett eingestellt. Mitarbeiter sollen aus dem Gebiet abgezogen werden und alle Gebäude, sowohl Bergwerke als auch Fabriken, einer umfassenden Überprüfung unterzogen werden. Zudem kündigten sie an, Rettungskräfte bei ihrer Arbeit so gut es geht zu unterstützen.
Von den bisher gemeldeten zehn Todesopfern sollen mindestens fünf von einem Erdrutsch getötet worden sein.

Update 09:12 Uhr
Auch in der Indonesischen Region Papua an der Grenze zu Papua-Neuguinea ist es zu Gebäudeschäden durch das Erdbeben gekommen. Betroffen sind die Regionen Mindiptanah, Kombut und Arimop, wo die Erschütterungen stark zu spüren waren. Mindestens sieben Gebäude, darunter eine Moschee und eine Schule, erlitten Schäden. Menschen wurden bei dem Erdbeben nicht verletzt, allerdings sind viele Anwohner bei dem Erdbeben in Panik geraten und haben die restliche Nacht im Freien verbracht.

Update 09:33 Uhr
Möglicherweise droht dem Erdbebengebiet nun eine Umweltkatastrophe: Viele der Industrieanlagen, die mit dem Bergbau in der Region zusammenhängen, erlitten Schäden. Zahlreiche Pipelines sind zerstört oder beschädigt, darunter einer, in der eine stark toxische Kupferlösung transportiert wird.

Update 13:18 Uhr
Einige Bilder aus dem Katastrophengebiet

Inzwischen ist die Rede von mindestens 11 Todesopfer und zahlreichen (hunderten?) Verletzten. Eine offizielle Bestätigung dieser Opferzahl steht allerdings noch aus. Bislang konnten drei Opfer offiziell identifiziert werden.
Rettungskräfte haben weiterhin Probleme, die betroffenen Gebiete zu erreichen, da viele Straßen unpassierbar sind, Landebahnen von Flughäfen zerstört wurden und die Telekommunikationssysteme beim Erdbeben größtenteils zusammengebrochen sind.

Update 14:55 Uhr
Die bisherigen elf Todesopfer werden von Powes Parkop, dem Gouverneur der Hauptstadt Port Moresby, in einem Facebook-Post bestätigt. Er spricht davon, dass alle elf Opfer aus der Region Mendi stammen, die sich östlich des Epizentrums befindet. Dort soll es ebenfalls zu zahlreichen Schäden gekommen sein.

Update 16:28 Uhr 
Vor wenigen Minuten hat sich das bislang stärkste Nachbeben ereignet. Nach Angaben des USGS erreichte dieses Magnitude 6.4. Das Epizentrum lag demnach im östlichen Teil der ursprünglichen Bruchzone. Herdtiefe und -mechanismus sind sind denen den Hauptbebens ähnlich. Neue Schäden und Erdrutsche sind wahrscheinlich.

Update 18:00 Uhr
Behörden haben am Montagabend mitgeteilt, dass mindestens 31 Menschen bei dem Erdbeben ums Leben gekommen seien. Mehr als 300 Bewohner betroffener Dörfer wurden verletzt. Die Meldungen stammen demnach direkt aus den betroffenen Regionen und seien bislang nicht von offiziellen Rettungsteams bestätigt worden.
Betroffen seien demnach neben Mendi besonders die Dorfgemeinschaften Kutubu und Bosave.
Die Stromversorgung ist in den meisten Gebieten noch immer unterbrochen. Aufgrund der Schäden an Landebahnen sind alle Flughäfen zunächst geschlossen.
Wie postcourier.com.pg berichtet warnen Behörden vor mögliche Überschwemmungen. Vom Erdbeben ausgelöste Erdrutsche haben mehrere Flüsse aufgestaut, sodass sich kleinere Seen gebildet haben. Ein Bersten der natürlichen Dämme könnte Fluten am Unterlauf der Flüsse zur Folge haben und mehrere Siedlungen bedrohen.

Update 28. Februar, 11:20 Uhr
Auch fast drei Tage nach dem Erdbeben ist die Situation im Katastrophengebiet noch immer unübersichtlich. Langsam kommen Berichte aus den betroffenen Dörfern. Viele, so berichten Einwohner, haben bisher noch keine Hilfe durch nationale Rettungkräfte erhalten, weshalb die betroffenen Menschen versuchen, sich selbst zu helfen. Problematisch bleibt neben den vielen eingestürzten Häusern die zerstörte Infrastruktur. Sowohl Strom- als auch Wasserversorgung sind unterbrochen. Hinzu kommt, dass Flüsse und Bäche durch Erdrutsche oder Austritte aus Pipelines verunreinigt sind. Auch landwirtschaftliche Flächen, vor allem der Süßkartoffelanbau, wurden durch Erdrutsche stark beeinträchtigt.
Einzelne Dörfer sind bei dem Erdbeben nahezu vollständig zerstört worden. Es gibt Meldungen über Todesopfer aus verschiedenen Orten, ein offizieller Bericht zum Stand der Dinge steht allerdings noch aus. Lokale Polizeibehörden und Teams der ansässigen Bergbauunternehmen unterstützen die Rettungskräfte und leisten humanitäre Hilfe.

Viele Menschen in der betroffenen Region haben, vor allem aus Angst vor weiteren Erdrutschen, ihre Dörfer verlassen und sich zunächst im Flachland niedergelassen. Besonders bei den beiden Nachbeben über Magnitude sechs kam es zu weiteren teils größeren Erdrutschen. Auch Häuser sollen dabei zerstört worden sein. Meldungen über Verletzte gibt es nicht.

Evakuierungen wurden ebenfalls an Flüssen durchgeführt, die durch die Erdmassen verstopft und aufgestaut wurden. Mindestens zwei Seen haben sich gebildet, deren Pegel weiter steigen und Orte bedrohen.

Zudem wird berichtet, dass am lange inaktiven Vulkan Mount Bosavi Aktivität beobachtet wurde. Anwohner umliegender Orte berichten vom Gipfel aufsteigenden Dampf. Das Rabaul Volcano Observatory, das für die Überwachung der Vulkane in Papua-Neuguinea zuständig ist, bestätigt bisher keine vulkanische Aktivität und nannte es „sehr unwahrscheinlich“, dass ein lange inaktiver Vulkan wegen des Erdbebens aktiv wird. Mt. Bosavi befindet sich südöstlich des Epizentrums. Es sind keine Eruptionen aus historischer Zeit bekannt.

wird fortgesetzt, sobald weitere Infos verfügbar sind.

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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 18:44 Uhr

Magnitude: 7,5

Tiefe: 35 km

Spürbar: ja

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt?

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: ja

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

Epizentrum:

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.
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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.

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