Erdbebenschwarm südlich von London

England – Die Britischen Inseln, vor allem England selbst, gehören zu den Gebieten der Welt mit niedriger, diffuser seismischer Aktivität. Diffus in dem Sinne, dass es keine, bzw. nur wenige typische Erdbebengebiete gibt. Die meisten Erdbeben treten relativ verteilt über das gesamte Land auf, sowohl kleinere als auch größere. Zu den Regionen höherer Aktivität gehört das Gebiet rund um Dover. Demgegenüber stehen die Grafschaften zwischen London und Portsmouth mit nur sehr geringer historischer Aktivität.
Eine dieser Grafschaften mit kaum bekannter Erdbebenaktivität ist Surrey südlich von London. Genau dort kommt es aber seit April immer wieder zu kleineren Erdbeben, die teilweise verspürt werden.
Zunächst bebte es am ersten April. Magnitude 2.7 war das vorläufig stärkste Beben mit Epizentrum westlich vom Flughafen London-Gatwick, das auch in mehreren Kilometern Entfernung deutlich zu spüren war. Zwei kleine „Nachbeben“ folgten. Nicht spürbar ebenfalls ein M1.5 am 28. April.
Erneut wackelten die Wände dann erst wieder am 27. Juni. Magnitude 2.6 dieses Erdbeben. Zu diesem Zeitpunkt war die Verwunderung ob der plötzlichen seismischen Aktivität bereits groß. Noch größer am 29. Juni, als ein M2.4 erneut die Anwohner erschreckte.
Am heutigen 5. Juli wurde der vorläufige Höhepunkt erreicht. Mit Magnitude 3.0 war es das stärkste Erdbeben in Surrey seit Jahrzehnten.

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Schäden infolge des Erdbebenschwarmes sind nicht bekannt. Dafür war die Intensität bisher zu gering. Aufgrund der abnormal erscheinenden Aktivität kommt es, speziell in Sozialen Netzwerken, zu vielen Gerüchten. Das Britische Energieunternehmen UKOG hatte in den vergangenen Jahren (2014 und 2016) in unmittelbarer Nähe zum Epizentrum Testbohrungen durchgeführt, um eine mögliche Erdöllagerstätte zu erkunden und die Durchlässigkeit des Gesteins zu erforschen. Diese Bohrung habe, so die Gerüchte, diesen Erdbebenschwarm ausgelöst.
In einem öffentlichen Statement sprach sich die Britische Geologiebehörde am Donnerstag gegen diese Vermutungen aus. Die Herdtiefe der Erdbeben (über 5 Kilometer) entspreche nicht der Tiefe der Testbohrung. Auch seien seit zwei Jahren keine Tests mehr durchgeführt worden. Entsprechend gibt es nach jetzigem Kenntnisstand keinen Grund zur Annahme, dass ein Zusammenhang zwischen der Bohrung und der Erdbebenaktivität stehen.

Dass auch in Regionen niedriger seismischer Aktivität überraschend Erdbeben, auch Schwärme auftreten können, konnte man im vergangen Jahr in der Bayerischen Rhön beobachten. Mehrere Dutzend Erdbeben binnen weniger Wochen, davon einige über Magnitude zwei, wurden dort im Spätsommer und Herbst registriert – die ersten Erdbeben, die jemals dort beobachtet wurden.

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So ist es auch in Surrey ein für die Anwohner ungewöhnliches (wenn auch auf längere Zeiträume gesehen nicht einzigartiges) Ereignis. Diffuse Seismizität zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass Erdbeben an einzelnen Orten oft eine Wiederkehrperiode von Jahrhunderten oder Jahrtausenden haben. In Surrey wurden zuletzt vor 500 Jahren ähnliche Erdbeben wie aktuell aufgezeichnet.
Der Mensch, dessen geschichtliche Überlieferungen meist nur einen kurzen Ausschnitt davon umfassen, wird also auch in Zukunft von plötzlichen, „nie zuvor beobachteten“ Erdbeben immer wieder überrascht werden.

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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): seit 1. April

Magnitude: bis ML3.0

Tiefe:

Spürbar: ja

Schäden erwartet: nein

Opfer erwartet: nein

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.

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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.

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