Mindestens 16 Todesopfer nach Erdbeben auf Lombok

Indonesien – In der Nacht zum Sonntag (MESZ) hat ein schweres Erdbeben die Indonesischen Inseln Lombok und Bali im Süden des Landes erschüttert. Nach Angaben der Indonesischen Meteorologiebehörde BMKG lag das Epizentrum des Erdbebens Im Norden von Lombok am Hang des Vulkans Rinjani, rund 50 Kilometer von der Inselhauptstadt Mataram entfernt. Demnach erreichte das Erdbeben Magnitude 6.4. Das deutsche Geoforschungszentrum Potsdam registrierte Magnitude 6.5 für das Erdbeben und lokalisiert die Herdtiefe bei 19 Kilometern. Das Epizentrum lag demnach im Gipfelbereich des Rinjani.

Rund um das Epizentrum am Nordhang des Rinjani waren die Erschütterungen stark zu spüren. Die private Organisation Risklayer ermittelte Intensität VII bis VIII für die Epizentralregion, was verbreitet zu schweren Schäden führen kann.
Nach ersten Meldungen des Katastrophenschutz sind infolge des Bebens dort zahlreiche Gebäude beschädigt oder zerstört worden. Genaue Auswertungen dauern zur Zeit noch an. Nordlombok ist vergleichsweise dünn besiedelt. Zur Zeit ist die Rede von drei Todesopfern und mindestens sechs Verletzten durch einstürzende Gebäude. Zwei Personen kamen demnach im Norden von Lombok ums Leben. Die dritte Person stammt aus dem Ort Sambelia im Nordosten. Auch auf der Nachbarinsel Sumbawa hat das Beben zu Schäden geführt. Mindestens ein Gebäude sei dort eingestürzt, berichten Behörden.
Viele beliebte Wanderrouten aus den Mt. Rinjani sind nach dem Erdbeben aufgrund von Erdrutschen und sonstigen Schäden gesperrt worden. Auch hier sind die Behörden zur Zeit noch mit der Auswertung der Schäden beschäftigt. Herabstürzende Felsen sollen mehrere dutzend Wanderer, die zur Zeit des Bebens auf dem Berg unterwegs waren, verletzt haben.

Auch auf der bei Touristen beliebten Nachbarinsel Bali waren die Erschütterungen verbreitet zu spüren. Schäden habe es dort aber nach ersten Meldungen nicht gegeben. Viele Touristen und Anwohner im Süden von Bali sind aufgrund der deutlichen Erschütterungen aus Angst ins Freie gelaufen.
Mehrere moderate Nachbeben folgten auf das Hauptbeben. Die beiden stärksten erreichten bislang Magnitude 5.0 und 5.5. Behörden warnten vor weiteren starken Nachbeben, die zusätzliche Schäden verursachen könnten. Nachbeben können auch noch Tage und Wochen nach dem Hauptbeben auftreten.
Tsunami-Gefahr aufgrund des Erdbebens bestand und besteht nicht. Das Erdbeben geht auf eine Störungszone zurück, die vor der Nordküste von Lombok verläuft (Flores Back Arc Fault). Ein Zusammenhang mit vulkanischer Aktivität besteht nicht.

Update 04:07 Uhr
Um 03:50 Uhr folgte das bislang stärkste Nachbeben mit Magnitude 5.5. Die Erschütterungen waren verbreitet auf Lombok und Bali zu spüren.

Update 05:15 Uhr
Die Zahl der Todesopfer ist nach neuen offiziellen Meldungen auf mindestens fünf gestiegen. Es wird befürchtet, dass sie weiter ansteigen könnte. Mindestens 12 Menschen wurden durch das Beben verletzt, fünf von ihnen schwer. Unter den Todesopfern befindet sich neben vier Indonesiern auch ein Staatsbürger von Malaysia.
Besonders vom Erdbeben betroffen sind die Bezirke Sambelia, Sembalun und Bayan, wo mehrere Gebäude eingestürzt und viele weitere beschädigt wurden.
Rund 50 Nachbeben wurden bislang registriert, wovon viele auch im Süden von Lombok, bzw. in der Hauptsstadt Mataram an der Westküste zu spüren waren.

Update 05:37 Uhr
Ost-Lombok ist nach bisherigen Auswertungen des Katastrophenschutzes am schwersten betroffen. Mindestens acht Menschen sind dort nach neuesten Meldungen ums Leben gekommen. 20 weitere wurden verletzt, die Hälfte von ihnen schwer. In Nord-Lombok sind zwei Menschen durch die Folgen des Erdbebens getötet worden. Auch hier gibt es 20 Verletzte.

Update 05:50 Uhr
Indonesien ist im Jahr 2018 bislang das Land der Erde, das am häufigsten von tödlichen Erdbeben betroffen war. Bereits vor diesem Erdbeben auf Lombok haben drei Beben Todesopfer gefordert. In keinem der Fälle waren die Auswirkungen so verheerend wie aktuell.
Am 23. Januar starben zwei Menschen bei einem M6.0 auf der Hauptinsel Java, ebenso bei einem M4.4 am 18. April. Ein Todesopfer forderte ein M5.5 im Süden von Sumatra vor einer Woche (21. Juli). Mit aktuell 15 Todesopfern starben nur in Taiwan (17) und Papua-Neuguinea (164) in diesem Jahr mehr Menschen durch die Auswirkungen von Erdbeben.

Update 08:22 Uhr
Die Zahl der Todesopfer ist nach offiziellen Angaben weiter gestiegen. Demnach sind mindestens 12 Menschen ums Leben gekommen, davon 10 alleine in Ost-Lombok. Eine vollständige Auswertung der Erdbebenschäden ist noch nicht beendet. Zur Zeit ist die Rede von mehreren tausend beschädigten oder zerstörten Gebäuden. Vorherige Mitteilungen gaben an, dass mindestens 37 Gebäude eingestürzt seien.
Mataram, der Hauptort der Insel, sei vom Erdbeben nicht betroffen. Kein einziges Gebäude in der Stadt habe Schäden erlitten. Wohl aber seien viele Menschen nach dem Erdbeben in Panik aus ihren Häusern gerannt. Viele verbringen den Tag aufgrund der vielen Nachbeben im Freien.

Update 08:58 Uhr
Die Indonesische Regierung hat zur Versorgung der Opfer Rettungsteams zusammengestellt. Mehr als 40 Personen sind zur Zeit in der Erdbebenregion im Einsatz, um die hunderten Familien, deren Häuser beschädigt wurden, mit Zelten und Nahrungsmitteln zu versorgen. Zudem hat die Regierung finanzielle Unterstützung für Betroffene und Angehörige von Verstorbenen angekündigt.

Update 09:32 Uhr
Ein Vertreter der Katastrophenschutzbehörde teilte über Twitter mit, dass die Opferzahl auf 13 gestiegen sei. Zudem ist die Rede von hunderten Verletzten. Über 600 Menschen haben infolge des Bebens ihre Häuser verloren. Die Auswertung der Erdbebenschäden dauert weiter an.

Update 11:24 Uhr
Erneute Korrektur der Opferzahl: 14 Menschen sind nach neuesten Angaben ums Leben gekommen. Mindestens 146 Menschen erlitten Verletzungen, wobei die Zahl noch deutlich ansteigen kann, da viele der kleineren Verletzungen noch nicht gezählt wurden.
Insgesamt 6237 Familien sind vom Erdbeben betroffen. Die Zählung und Auswertung der beschädigten Gebäude dauert an. Eine sehr vorläufige Statistik beläuft sich auf 41 zerstörte, 74 moderat beschädigte und 148 leicht beschädigte Gebäude. Auch hier ist ein deutlicher Anstieg zu erwarten, angesichts der vielen betroffenen Familien. Schätzungen gehen von mehreren tausend (schwer) beschädigten Gebäuden aus. Inzwischen werden auch einzelne beschädigte Gebäude aus West-Lombok (nahe Mataram) gemeldet. Die Auswirkungen dort sind aber sehr gering.

Update 17:28 Uhr
Die letzte Aktualisierung des Tages korrigiert die Opferzahl des Erdbebens auf 16. Etwa 200 Verletzte sind zudem bestätigt.
Neben den Schäden an Gebäuden verursachte das Erdbeben auch zahlreiche Erdrutsche am Mt. Rinjani. Zur Zeit des Bebens waren dort hunderte Wanderer und Bergsteiger unterwegs, die meisten von ihnen ausländische Touristen (vor allem aus Malaysia). Da aufgrund der Erdrutsche und Steinschläge viele Wege unpassierbar geworden sind, müssen mehrere hundert Wanderer die Nacht auf dem Berg verbringen. Evakuierungsmaßnahmen laufen und konnten bereits viele Personen vom Berg runterholen.
Von den Menschen, die noch festsitzen, soll auch eine Person infolge eines Steinschlags ums Leben gekommen sein.


Zeugenmeldungen
Candidasa (Bali)
Morgens im Bett liegend, gegen 6:50 Ortszeit, plötzlich fängt die Ferienvilla an zu schwanken, daher sofort ins Freie. Nach circa 1 Minute war es vorbei.

Senggigi (Lombok)
Zwischen sechs und sieben Uhr, Bett wackelt stark, sodass ich denke jemand rüttelt aus Spass daran.
Mehrere Menschen aus Hotel raus auf Strasse. (Intensität V)

Jimbaran (Bali)
Wir sind von den Erschütterungen aufgewacht, das Gebäude wackelte, die Balkontüren klapperten. Im Abstand von ca. 10 Minuten ereignete sich dieses zweimal. (Intensität IV)

Nusa Dua (Bali)
29.07.2018 ~7.00 Uhr Ortszeit
Wachten auf durch laute Geräusche, Türen und Tv wackelten,das Gebäude wackelte,dauerte ca.1 Minute (Intensität IV)

Kuta (Bali)
Wir wurden gegen 6.50 durch das Beben geweckt erstmal konnten wir nicht sofort realisieren was passier als wir bemerkten das das ganze Gebäude stark wackelt sind wir sofort ins freie gelaufen wie viele in unserer Straße auch (Intensität IV)

Ubud (Bali)
Kurz vor 7 begann mein Bett zu schwanken und weckte mich somit auf. Dauer war jedoch nur rund eine Minute.
Habe auch einige Nachbeben gespürt das letzte um 10 Uhr. (Intensität V)

Kuta (Bali)
Heute morgen durch das verrutschen des Bett im 4.Stock des Hotels aufgewacht und sofort haben die Hotelgäste rennend das Hotel verlassen. Platten am Hotelpool haben sich verschoben. Immer noch sind Nachbeben zu verspüren. (Intensität VI)

Kuta (Lombok)
Wurden durch das Erdbeben wachgerüttelt. Erdbeben war im 1. Stock zu spüren. Bei den Nachbeben vibrierte es jeweils auch kurz. (Intensität V)

Canggu (Bali)
Wir wurden um kurz vor 7 Uhr Ortszeit aus dem Bett gerissen als wir bemerkten, dass unser kleines Ferienhaus zu schwanken beginnt. Die Lampen und vor allem der Ventilator an der Decke haben sich sehr stark bewegt. Nach einer knappen Minute war es vorbei. Ich ging nach draußen und da hab ich dann ein Nachbeben gespürt. (Intensität V)

Sanur (Bali)
Aus dem Schlaf gerüttelt. Bilder an der Wand bewegten sich. Bett bewegte sich. Klar hörbare Geräusche. (Intensität IV)

Kubu (Bali)
Gegen 6:50 deutliches Wackeln zu verspüren. Wir wurden davon wach und sind sofort raus gelaufen, da wir von einer Eruption des Agung ausgingen. Der war zum Glück ruhig. Danach waren noch einige leichte bis stärkere Nachbeben zu spüren. Das letzte bisher gegen 10 Uhr Ortszeit. (Intensität IV)

Sanur (Bali)
Wurden um 6:50 wach. Bett vibrierte, Geräusche wurden wahrgenommen. (Intensität IV)

Kubu (Bali)
Wir haben das erste Beben kurz vor 7 Uhr morgens deutlich gespürt. Der Boden des Hauses hat vibriert, Fenster und Türen klapperten laut. Im Laufe des Vormittags folgten weitere ähnliche Beben. Touristen/ Taucher hier – Engländer, Spanier, Deutsche – sind beunruhigt. Selbst eine Angestellte fand die kurzen Abstände ungewöhnlich. (Intensität IV)

Kubu (Bali)
Zuerst glaubten wir es wäre heftiger Wind , aber auf einmal fing alles in unserem Bungalow an zu wackeln und zu schaukeln. Wir liefen sofort ins Freie und der ganze Boden hat sich bewegt bzw geschwankt. Dauer ca. 2 Minuten und etwa 10 Minuten später nochmal ein kurzes Beben.
Als wir heute Vormittag tauchen waren, bemerkten mir nochmals unter Wasser ein kleines Beben.

Nusa Lembongan (Bali)
Ich bin gerade auf Nusa Lembongan. Ich bin wach im Bett gelegen als plötzlich um ca. 7:50 das ganze Haus und auch mein Bett stark schwankte!!!
Das Beben dauerte ca. 1 Minute an!
Das ganze Haus machte auf einmal Geräusche! (Intensität V)

Selat (Bali)
Gegen 7 Uhr haben wir das Erdbeben als kurze, kaum mehr als 10 Sekunden dauernde Erschütterung gespürt. (Intensität III)

Kuta (Lombok)
Wurden durch das wackeln des Bettes geweckt, dauerte nicht länger als eine Minute, zwei Nachbeben waren auch deutlich zu spüren (Intensität V)

Amed (Bali)
Das Ferienhaus hat gewackelt, Fenster und Türen haben laut geklappert… Wie bei einem Sturm . Erstes Beben gegen 6:45, zweitens Ca. 10:00 (Intensität V)

Amed (Bali)
6:47 – Bett, Wände, Fenster, Türen wackeln – zunächst erinnerte es mich an einen starken Sturm, allerdings war sofort klar, dass es ein Erdbeben war. Dauer ca. 15-20 min, bald darauf kürzere Nachbeben – wir liefen sofort ins Freie. (Intensität IV)

Bondalem (Bali)
ca. 06.45 Uhr, alleine im Bungalow, geschlafen, plötzlich aufgewacht mit dem Gefühl, dass jemand im Zimmer ist und fest am Bett rüttelt. Umgeschaut, keiner da, nochmal ein Durchrütteln des Bettes, massives schweres Himmelbett, dann realisiert, dass das ein Beben sein muss. Bin sofort raus ins Freie, doch da war es schon vorbei. Wieder ins Bett, kurz darauf nochmal ein leichteres Beben, ca. 1 Stunde später nochmal. (Intensität IV)

Singaraja (Bali)
Um 6:47 Uhr bemerkte wir ein stark schwankendes Bett und sahen wie das Wasser im Pool sich hin und her bewegte. Zuvor bellten die Hunde extrem laut. Wir rannten auf ein freies Feld. Es hielt c.a. 3 Min. an. Im Laufe des Tages waren minimale Erdbewegungen zu spüren. (Intensität V)

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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 00:47 Uhr

Magnitude: 6.4

Tiefe: 24 km

Spürbar: ja

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: ja

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.

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Siehe auch: Warum sammeln wir Zeugenmeldungen? und: Wann werden Zeugenmeldungen veröffentlicht??

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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.

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2 Kommentare

  1. Bekam heute Abend die Nachricht, dass sich über den Tag 170 Nachbeben ereignet haben.
    Freunde, die eine Kinderhilfs-NGO betreiben, schlafen draussen.
    Es könne diese Nacht noch ein stärkeres Beben geben.

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