Albanien: Starkes Erdbeben nordöstlich von Tirana – Vier Verletzte, 235 Wohnungen beschädigt

Albanien – Ein relativ starkes Erdbeben hat am späten Samstagnachmittag Teile der Balkan-Halbinsel erschüttert. Nach ersten Angaben lag das Epizentrum des Erdbebens in Albanien. Die private Webseite ALomax lokalisiert es nordöstlich der Hauptstadt Tirana. Das Erdbeben erreichte demnach Magnitude (Mw) 5.1. Magnitude 5.8 wurde zunächst vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) angegeben, nach wenigen Minuten aber bereits auf M4.9 korrigiert. Die Erschütterungen waren auch deutlich in den Nachbarländern Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien zu spüren. Teile von Kroatien, Griechenland und Serbien waren ebenfalls vom Erdbeben betroffen.
Zeugen melden auf der Webseite des EMSC, dass besonders in Tirana und auch in Skopje das Beben teilweise stark verspürt wurde. Meldungen über Schäden liegen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vor.
Aufgrund der Magnitude sind in der Nähe des Epizentrums Gebäudeschäden wahrscheinlich. Zudem muss mit Nachbeben gerechnet werden.
Bereits in den letzten Monaten haben wiederholt moderate Erdbeben die Region um Tirana erschüttert und dabei zu einigen Gebäudeschäden geführt. Besonders signifikant war der Erdbebenschwarm in der Region Durres, der am 7. Juli eingesetzt und ungefähr eine Woche angedauert hat.

Update 17:57 Uhr
Erste manuelle Auswertungen des Erdbebens durch die Erdbebendienste in Montenegro und Serbien ermittelten M5.1 bzw. 5.2. Damit war das Erdbeben stärker als das Hauptbeben des Schwarms bei Durres vor einem Monat.

Update 18:05 Uhr
Wie Albanische Medien berichten, sind in Tirana viele Menschen in Panik aus ihren Häusern gekommen. Schäden oder Verletzte werden nicht gemeldet.
Viele Medien berufen sich mit der Angabe der Magnitude auf sehr vorläufige, automatisch erstellte Daten des EMSC, die auf den Analysen anderer Erdbebendienste (unter anderem dem GFZ) beruhen. Daraus ergab sich ganz zu Beginn eine ermittelte Magnitude von 6.0. Diese wurde nach erneuter Auswertung unter Einbeziehung weiterer seismologischer Daten deutlich nach unten korrigiert und liegt im Bereich von M5.1.

Update 18:33 Uhr
Für ein Erdbeben dieser Stärke waren die Erschütterungen relativ weit spürbar, unter anderem bis nach Sarajevo, Nis und Apulien. Grund dafür könnte nach Angaben des Albanischen Erdbebendienstes die vergleichsweise große Herdtiefe von 24 Kilometern sein. Dadurch bestünde für die Epizentralregion zudem ein geringeres Risiko größerer Schäden.

Update 19:32 Uhr
Erste Schadensmeldungen kommen aus dem Dorf Burrel, wenige Kilometer westlich des Epizentrums. Dort bildeten sich Risse in mindestens einem Gebäude, wie lokale Medien berichten.

Update 20:12 Uhr
In der Valbone-Schlucht an der Grenze zu Montenegro hat das Erdbeben einen größeren Steinschlag ausgelöst. Ein Auto mit vier Insassen aus dem Kosovo wurde von den Gesteinsmassen getroffen. Glücklicherweise wurden die Insassen nur verletzt, da die meisten Felsen nur den Kofferraum getroffen hatten.

Update 21:05 Uhr
Albanische Behörden haben am Abend eine erste Zusammenfassung der Erdbebenschäden veröffentlicht. Demnach kam es infolge des Bebens zu Schäden an mindestens 67 Wohnungen. Die Bewohner dieser Wohnungen werden zur vom Zivilschutz unterstützt.
Besonders betroffen ist demnach der Ort Bulqiza, wo 47 Wohnungen betroffen sind. 12 Schadensfälle gibt es im Ort Klos. Acht Wohnungen wurden in Mat beschädigt. Diese Angaben sind vorläufig, die Zahlen können ansteigen.
Zuvor wurden bereits von inoffiziellen Stellen einzelne Schäden an anderen Orten gemeldet.

Update 12. August, 09:39 Uhr
Insgesamt 90 Gebäude mit 235 Wohnungen haben bei dem Erdbeben Schäden erlitten. 35 Familien mussten ihre Wohnungen verlassen.

wird aktualisiert, sobald weitere Infos vorliegen..

Zeugenmeldungen
Ulcinj (Montenegro)
Um ca. 17:30 lag ich im 3. Stock in meinem Bett als es plötzlich anfing zu vibrieren und ich sogar etwas hin und her wackelte.
Dass es sich um ein Erdbeben handelte, bemerkte ich erst als ich den Kronleuchter rütteln sah und die Geräusche von draußen warnahm. (Intensität IV)

Ulcinj (Montenegro)
Das Hotel wo wir uns befinden schwankte starke hin und her. Wir spürten das Erdbeben sehr gut. (Intensität V)

Stoj (Montenegro)
Gegen 17:00, Stoj Montenegro am 11.09.18.
Das Erdbeben war spürbar. Autos haben gezittert. Vor dem Erdbeben war ein Gewitter ausgebrochen.
Es war keine Panik bei den Leuten. (Intensität V)

Shengjin (Albanien)
I was sitting in a parked car. The car wiggled lightly. At first I was thinking that persons from outside are doing this, then I realized it’s my first earthquake. The people around me reacted mostly relaxed. I saw some coming out of hotels. (Intensität III)

Sutomore (Montenegro)
Da es auch Gewittert hat bekamen wir einen Knall von draußen mit und als mir raus rannten bekamen wir ein leichtes beben mit. (Intensität II)

Bar (Montenegro)
11.08.2018, circa 17:00-18:00.
Wahrnehmung im 4. Stock im Bett durch wackeln des Bettes und der Wohnung. Ganz leichtes Schwanken ohne Geräusche.
Da wir im Urlaub sind und zunächst erst sehr verwirrt waren, haben wir das Apartment verlassen und sind raus gegangen. (Intensität III)

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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 17:38 Uhr

Magnitude: 5.1

Tiefe:

Spürbar: ja

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: unwahrschein

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.

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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.

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