Adventskalender: Das Tübingen-Erdbeben 1655

Schon vor Beginn der instrumentellen Erdbebenüberwachung in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts hat es in der Bundesrepublik immer wieder größere Erdbeben gegeben. Viele blieben aufgrund der verursachten Schäden und anderer Effekte dank Chronisten in Erinnerung.
Zur Adventszeit werfen wir einen Blick in die Erdbebenvergangenheit von Deutschland und stellen jeden Tag bedeutende Ereignisse aus der vorinstrumentellen Ära vor. 

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13. Dezember: Das Tübingen-Erdbeben 1655

Zwischen Albstadt und Tübingen befindet sich auf der Schwäbischen Alb das in aktueller Zeit wohl bekannteste (und aktivste) Erdbebengebiet Deutschlands. Mit drei Erdbeben im Bereich von Magnitude 6 im 20. Jahrhundert ist die Alb eine Ausnahmeerscheinung gewesen. Auch im 21. Jahrhundert setzte sich die Aktivitätsphase mit zahlreichen kleineren Erdbeben fort.
Dabei war es dort vor dem 20. Jahrhundert vergleichsweise ruhig. Erst zum Ende des 19. Jahrhundert kündigte sich die kommende Aktivitätsphase mit ersten einzelnen Erdbeben, unter anderem bei Hechingen und Sigmaringen an. Blickt man weiter in die Zeit zurück, fällt lediglich ein größeres Ereignis auf, das die Alb als Erdbebengebiet definieren würde.

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Im Jahr 1655 wurde Tübingen wohl schwerer getroffen als von den (rund 30 km entfernten) Beben des 20. Jahrhunderts. Es war eine Erdbebenserie, die mehrere Wochen andauerte. Das Hauptbeben am 29. März führte in der Stadt zu zahlreichen Gebäudeschäden. Einige Häuser und Mauern seien teilweise eingestürzt, wie Chronisten über das Ereignis schreiben. Über mögliche Opfer liegen keine Informationen vor. Bis nach Straßburg und Freiburg war dieses Erdbeben zu spüren.
Bereits zuvor, am 09. und am 19. März, waren kräftige Erdbeben zu spüren. Ein relativ starkes Nachbeben am 11. April hat neue Schäden angerichtet.

Mit Intensität VII bis VIII gilt das Hauptbeben als stark. Auch das Nachbeben erreichte Intensität VII. Auch wenn es im Vergleich zu den Erdbeben des 20. Jahrhunderts relativ schwach war: Die Magnitude wird auf mindestens 5.1 geschätzt.

Warum die Schwäbische Alb seit rund 130 Jahren das aktivste Erdbebengebiet Deutschlands ist, bzw. warum dort relativ plötzlich eine solch starke Aktivitätsphase eingesetzt hat, lässt sich nicht beantworten. Möglich ist, dass irgendwann wieder Ruhe einkehrt und die Erdbeben zwischen Albstadt und Hechingen ein (vorläufiges) Ende finden. Doch auch in ruhigen Zeiten sind starke Erdbeben nie auszuschließen, wie  das Jahr 1655 für das Beispiel Schwäbische Alb zeigte.

(Geschätzte) Angaben zum Erdbeben 1655
Datum: 29. März 1655
Momentmagnitude: 5,1
Maximale Intensität: VII bis VIII
Schäden: Ja
Opfer: Nein
Lage des Epizentrums:

Literatur
Leydecker, G. (2011). Erdbebenkatalog für Deutschland mit Randgebieten für die Jahre 800 bis 2008.
Sieberg, A. (1940). Beiträge zum Erdbebenkatalog Deutschlands und angrenzender Gebiete für die Jahre 58 bis 1799. na.

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Jens ist 25 und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Seit Juni 2019 lebt er in Karlsruhe und arbeitet im Bereich Katastrophenforschung.

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