Der Vulkan und das Doppelbeben

Manche Zufälle sind so schön, dass man kaum drum herum kommt, sich einen Zusammenhang zumindest vorzustellen. Da ist diese Studie über magmatische Aktivität in Form von tiefen Erdbeben an einem deutschen Vulkan, die vor einigen Wochen hohe Wellen geschlagen hat und vergangene Woche nach einem Vortrag beim Geologischen Dienst NRW nochmals aufgewärmt worden ist. Da sind diese beiden Beben an eben jenem Vulkan im Abstand von nur knapp 24 Stunden, eines davon das stärkste der Region seit mehr als sechs Jahren. Studie über neu entdeckte Erdbeben, neu entdeckte Aktivität am Vulkan; neue, relativ starke Erdbeben an genau diesem. Das wird doch nicht etwa…

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Nein. Was so schön zusammenzupassen scheint und was eine filmreife Geschichte hätte sein können, ist nichts weiter als ein kurioser Zufall. Wichtigstes Unterscheidungskriterium ist in diesem Fall der Typ der Erdbeben.
Die in der Studie erwähnten Erdbeben gingen direkt auf die Bewegung von Magma in der unteren und mittleren Erdkruste zurück. Größtenteils in Tiefen von mehr als 15 Kilometern und somit in einem Gebiet, in dem tektonische Erdbeben normalerweise nicht mehr entstehen können. Diese magmatischen Beben zeichneten sich aufgrund ihrer Entstehungscharakteristik durch einen bestimmten Frequenzbereich ab, der sich von dem der tektonischen Beben unterscheidet. Somit gibt es zwei Anhaltspunkte, mit denen sich magmatische Erdbeben identifizieren lassen.

Die Erdbeben am Montag und Dienstag mit Epizentrum rund 15 Kilometer südöstlich des Laacher Sees liegen zwar geographisch in der Region, wo auch zuvor die magmatischen Erdbeben beobachtet worden sind. Doch sprechen ihre sonstigen Charakteristiken klar gegen einen direkten Zusammenhang mit magmatischer Aktivität: Weder der Frequenzbereich noch die Herdtiefe (ca. 8 statt 40 km) stimmt mit den magmatischen Beben überein.

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Der Ursprung der Erdbeben liegt stattdessen in der tektonischen Aktivität im Zusammenhang mit der Ochtendung-Störungszone, die auch ohne bekannten Magmatismus aktiv ist. An dieser Störung gibt es seit Jahrhunderten immer wieder spürbare Erdbeben, die allerdings nie in historischer Zeit so stark geworden sind, dass es zu ernsthaften Schäden gekommen ist. Inwieweit diese tektonische Aktivität möglicherweise indirekt mit den magmatischen Prozessen im Untergrund zusammenhängt, ist allerdings noch Gegenstand der Forschung. Während der magmatischen Beben der letzten Jahre wurde phasenweise eine erhöhte Aktivität von tektonischen Beben an der Ochtendung-Störungszone in den folgenden Wochen beobachtet. Entsprechend könnten magmatische Prozesse auch indirekt zu erhöhter Seismizität führen. Doch zumindest für die letzten Wochen gibt es keine Hinweise auf magmatische Aktivität in der unteren Kruste.

Erst seit wenigen Jahren ist das Überwachungsnetz in der Eifel umfangreich genug, um diese Aktivitäten detektieren zu können. Berichte über Erdbeben mit Ursprung in der Osteifel gibt es dagegen seit Jahrhunderten, sind ein Teil der Geschichte der Region. Ein möglicher Zusammenhang zwischen beiden Prozessen wäre also ein Hinweis darauf, dass auch der Magmatismus nicht neu ist (was sowieso angenommen wird) und ebenfalls seit Jahrhunderten oder sogar seit dem letzten Vulkanausbruch vor 10.000 Jahren konstant anhält. In dem Fall könnten die Erdbeben der letzten beiden Tage sogar eine Art Entwarnung sein. Entwarnung, dass normale Seismizität gekoppelt mit normalen magmatischen Prozessen stattfindet und sich keine gefährliche Änderung anbahnt.

Wie auch immer ein möglicher Zusammenhang aussieht: Die jüngsten Erdbeben waren durch ihr Auftreten als Doppelbeben zwar eine eher seltene Erscheinung, aber nicht mehr als die Erscheinung eines normalen geologischen Prozesses, der zufällig zeitlich mit der Veröffentlichung einer thematisch übereinstimmenden wissenschaftlichen Forschungsarbeit zusammengefallen ist. Ob dieser Prozess rein tektonischen Ursprungs ist oder eine indirekte Folge des Magmatismus, bleibt dabei mittelfristig unbedeutend.

Karte oben: Epizentren und Wahrnehmungsmeldungen mit Intensität zu beiden Erdbeben am 11. und 12. Februar 2019.


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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.

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