Indien: Erdbebenschwarm in Maharashtra fordert Todesopfer

Indien – Seit mehreren Monaten erschüttert ein Erdbebenschwarm den Distrikt Palghar im indischen Bundesstaat Maharashtra. Bereits im Januar 2018 registrierte die Indische Meteorologiebehörde (IMD) erste, kleine Erdbeben in dem Gebiet knapp 100 Kilometer nördlich von Mumbai. Eine deutliche Zunahme der Aktivität begann im November 2018 und fand ihren (vorläufigen) Höhepunkt am 1. Februar 2019. Mindestens eine Person kam infolge der Erdbeben ums Leben und zahlreiche Gebäude wurden teils schwer beschädigt.

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Zu Beginn der Aktivität im Januar 2018 waren die meisten registrierten Beben schwach. Die stärksten erreichten Magnitude 3.2 und 2.9, für Maharashtra, das an der indischen Westküste gelegen ist, aber kein alltägliches Ereignis. Diese Beben führten bereits zu ersten kleinen Gebäudeschäden. Im am stärksten betroffenen Dorf Jawhar identifizierten Behörden Schäden an 132 Gebäuden.

Im und Dezember 2018 wurden die Erdbeben stärker. Am 11. November wurde erneut Magnitude 3.2 erreicht. 3.3 folgte am 24. November. Insgesamt 12 Beben um Magnitude 3, die zu weiteren Gebäudeschäden führten, registrierten die Behörden. Aufgrund der fehlenden seismischen Überwachung in dem Gebiet blieben viele kleinere Erdbeben undetektiert. Die Vielzahl an Ereignissen veranlasste viele Menschen im November dazu, ihre Dörfer zu verlassen. Viele Anwohner verbrachten Nächte im Freien.

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Im Januar, nach stärkeren Beben mit Magnitude 3.4 und 3.6, kündigten die Behörden eine intensivere Überwachung mit mobilen Seismometern an, um mögliche Ursachen für den Erdbebenschwarm zu identifizieren.
Der bisherige Höhepunkt der Erdbebensequenz folgte am 1. Februar. Das IMD registrierte sechs Erdbeben über Magnitude 3, die beiden stärksten erreichten Magnitude 3.6 und 4.1. Letzteres war so stark, dass es noch im Umland von Mumbai zu spüren war.

In Palghar führte die starke Aktivität zu Schäden an zahlreichen Gebäuden. Einige Lehmhäuser sind teilweise eingestürzt. Der Katastrophenschutz ist im Einsatz, um die Schäden zu begutachten. Für betroffene Anwohner wurden Notfallmaßnahmen eingeleitet und Zelte bereitgestellt. Behörden wiesen die Menschen an, ihre Häuser zu verlassen, da weitere Erdbeben auftreten könnten. Bei einem der Erdbeben kam es zudem zu einen panikbedingten Unfall, bei dem ein 2-jähriges Mädchen tödlich verletzt wurde.

Aufgrund fehlender Daten sind die Positionen der Epizentren und die Herdtiefen der Erdbeben nur grob abgeschätzt. Es handelt sich demnach um eine Erdbebenserie in relativ geringer Tiefe (unter 10 km). Es wird angenommen, dass es sich um einen tektonischen Erdbebenschwarm handelt. Der nächst gelegene Stausee – In Maharashtra hat es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder teils starke Erdbeben aufgrund der dortigen Stauseen gegeben – befindet sich 20 Kilometer östlich der Epizentralregion. Genauere Untersuchungen sollen offene Fragen klären.

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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): seit Januar 2018

Magnitude: bis 4.1

Tiefe: < 10 km

Spürbar: ja

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: ja

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.

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Jens ist 25 und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Seit Juni 2019 lebt er in Karlsruhe und arbeitet im Bereich Katastrophenforschung.

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