Schweres Erdbeben in Ecuador

Ecuador / Peru – Im Grenzgebiet der südamerikanischen Länder Ecuador und Peru wurde am Freitag ein schweres Erdbeben in mittlerer Tiefe registriert. Nach vorläufigen Angaben des Geoforschungszentrum Potsdam erreichte das Erdbeben Magnitude 7.6 und ist damit eines der stärksten Erdbeben in der Region seit Jahren. Lokale Behörden gaben zunächst Magnitude 7.4 an. Das Epizentrum des Erdbebens lag im dünn besiedelten Osten von Ecuador. Aufgrund der Herdtiefe von rund 140 Kilometern war es aber in weiten Teilen des Landes sowie verbreitet im Norden von Peru stark bis sehr stark zu spüren. Aus vielen Orten melden Bewohner über Soziale Netzwerke hohe Intensitäten.

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Schwere Schäden sind vor allem in den kleineren Orten möglich. Auch im Nachbarland Kolumbien sind Schäden möglich. Das Beben war selbst in der 1100 km entfernten peruanischen Hauptstadt Lima noch deutlich zu spüren.

Update 11:36 Uhr
Das United States Geological Survey (USGS) ermittelte Magnitude 7.7 für das Erdbeben und lokalisierte das Epizentrum etwas südlicher als das GFZ Potsdam. Die Herdtiefe lag demnach bei 152 Kilometern.

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Update 11:47 Uhr
Ein zweites, sehr starkes Erdbeben folgte vor wenigen Minuten und war erneut in weiten Teilen Ecuadors und Perus zu spüren. Erste vorläufige Auswertungen lokaler Erdbeben verorten die Magnitude ebenfalls wieder in den Bereich von Magnitude 7.

Update 11:50 Uhr
Beim zweiten Beben handelte es sich um ein neues Erdbeben nahe der ecuadorianischen Stadt Guayaquil. Manuelle Auswertungen des ecuadorianischen Erdbebendienstes ergaben zunächst Magnitude 5.9.

Update 11:52 Uhr
Risklayer berechnete für das Hauptbeben in der Nähe des sehr dünn besiedelten Epizentrums eine Maximalintensität von VII bis VIII. Der Bereich hoher Intensität (VI) umfasste auch Teile der Andenregion Ecuadors. Rund 2 Millionen Menschen seien davon betroffen.


Update 11:59 Uhr
Inzwischen bestätigt das USGS das zweite Erdbeben und lokalisiert das Epizentrum am südöstlichen Rand von Guayaquil. Demnach erreichte das Beben Magnitude 5.5. DIe Herdtiefe lag bei 82 Kilometern. Bereits in den vergangenen Monaten hatte es rund um Guayaquil immer wieder Beben dieser Größenordnung gegeben, die häufig zu Schäden führten. Da auch in diesem Fall das Beben stark in Guayaquil zu spüren war, sind neue Schäden möglich.
Die zeitliche Nähe zum vorangegangenen, schwereren Beben im Osten des Landes deutet auf einen Zusammenhang hin. Schwere Erdbeben über Magnitude 7 sind in der Lage auch auf größere Entfernung neue Erdbeben zu triggern. Gerade Regionen, in denen es zuvor bereits erhöhte Aktivität in Form von Erdbebenschwärmen oder Ähnlichem gegeben hat, sind dafür empfänglich.

Update 12:03 Uhr
Erste Schäden infolge des ersten Erdbebens werden über Twitter gemeldet. In der Region Sigsig, rund 280 km südwestlich des Epizentrums, stürzte demnach eine Mauer ein.

Update 12:07 Uhr
Erste Schadensmeldungen auch aus dem Raum Guayaquil. Allerdings ist unklar, welches der beiden Beben dort ursächlich ist.


Auch im Süden Kolumbiens habe es Schäden gegeben, wie lokale Medien berichten. Nahe Cali habe das Beben zum Einsturz eines Wassertanks geführt. Menschen wurden bei dem Vorfall nicht verletzt.

Update 12:29 Uhr
Aus vielen Regionen im Süden Ecuadors liegen inzwischen Schadensmeldungen vor, unter Anderem auch aus Morona Santiago, Zamora Chinchipe und Loja. Ebenso weitere Meldungen über leichte Gebäudeschäden aus dem Raum Guayaquil, die wahrscheinlich auf das zweite Beben zurückzuführen sind. Behörden aller Regionen haben nach dem ersten Beben Notfallmaßnahmen eingeleitet.
Nach unbestätigten Meldungen sind größere Schäden vor allem am Fuß der Anden aufgetreten. In der Stadt Macas seien mehrere Gebäude eingestürzt. Lokale Medien berichten zudem von mindestens einer verletzten Person.

Update 12:37 Uhr
Über eine Stunde nach dem Hauptbeben wurde noch kein einziges Nachbeben aufgezeichnet. Generell neigen tiefe Erdbeben dazu, aufgrund der physikalischen Bedingungen im Herdbereich, eine hohe Nachbebenaktivität zu produzieren. Lediglich getriggerte Erdbeben, wie in Guayaquil, können genauso auftreten. Dennoch bleibt das Risiko von Nachbeben gegeben. In den kommenden Wochen können diese Magnitude 6 oder mehr erreichen. Aufgrund der Herdtiefe und des abgelegenen Epizentrums im dünn besiedelten Regenwald geht von Nachbeben unter Magnitude 6 aber keine Gefahr aus.

Update 13:05 Uhr
Ein Video aus Kolumbien, wo das Erdbeben einen Wassertank zerstört hat. Dabei wurden mindestens fünf umliegende Gebäude teils schwer beschädigt:


Auch aus Peru gibt es erste Meldungen über leichte Schäden. Betroffen ist dort die Region San Martin, wo mindestens zwei Gebäude eingestürzt sind und ein weiteres beschädigt wurde, wie die Katastrophenschutzbehörde Perus mitteilte. Aus den grenznahen Orten im Regenwald von Loreto gibt es noch keine Meldungen.

In Ecuador hat das Beben zu mindestens zwei Verletzten in der Stadt Macas geführt. Die Untersuchung der Schäden dauert an.

Update 23. Februar, 09:48 Uhr
Der Ecuadorianische Katastrophenschutz teilte in der Nacht zu Samstag mit, dass infolge des Erdbebens landesweit mindestens 9 Personen verletzt wurden. Eine 77-jährige Person starb an einem Herzinfarkt.
Vorläufige Auswertungen der Schäden zeigen, dass mindestens 86 Gebäude in unterschiedlichem Ausmaß beschädigt wurden.

Auch in Peru waren mehrere Provinzen des Landes betroffen. Der dortige Katastrophenschutz registrierte Gebäudeschäden in San Martin, Piura, Amazonas, Tumbes, Caramarca und Loreto. Dort sind nach vorläufigen Angaben insgesamt 27 Gebäude betroffen, mindestens 10 wurden komplett zerstört oder schwer beschädigt, sodass 20 Familien evakuiert werden mussten. Verletzte werden nicht gemeldet.

Zeugenmeldungen
Guayaquil (Ecuador)
Gegen 5:15 wach geworden, weil das ganze Gebäude geschwankt hat (6. Stock), Lampen haben stark gewackelt, Dame des Hotels kam und hat uns rausgebeten. Erdbeben war ca. 1 Minute nach Gefühl. Draussen kam ein zweites, kurzes nach ca. 20/30 Minuten, Teile der Fassade zerstört, Menschen teilweise aufgelöst. (Intensität VII)

Loja (Ecuador)
22.2.2019 ca 5h 15, von beaengstigendem Beben aufgewacht, Tueren und Fenster haben geklappert, Bett hat deutlich geschwankt. Kinder im selben Zimmer haben nichts vom Beben mitbekommen, im Nachbarzimmer des Hostals sind Lichter angegangen. Kurz darauf Anruf vom besorgten Partner aus Macas, wo das Beben wohl deutlich staerker war. (Intensität IV)

Cuenca (Ecuador)
Kurz nach 5 Uhr morgens im Hostel aufgewacht, da das Bett stark vibriert hat, die Fensterscheibe ebenfalls. Alle Personen im Zimmer sind wach geworden, aber trotz Nervosität ruhig geblieben. Nach kurzer Zeit (eine bis wenige Minuten) war nichts mehr zu merken. Dann nach kurzem Schlaf wieder durch dasselbe Phänomen aufgewacht, diesmal allerdings abgeschwächt. Nach kurzer Zeit ist wieder Ruhe eingekehrt. Keine Schäden am Gebäude. (Intensität IV)

Wird aktualisiert, sobald weitere Infos vorliegen…

Lage des Epizentrums


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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 22. Februar, 11:17 Uhr

Magnitude: 7.5

Tiefe: 132km

Spürbar: ja

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: ja

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

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Jens ist 25 und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Ab Sommer 2019 ist er in der Katastrophenforschung tätig.

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