Taiwan: Schweres Erdbeben in Hualien

Taiwan – Ein schweres Erdbeben hat am Donnerstag die taiwanesische Großstadt Hualien an der Ostküste des Landes erschüttert. Wie die Meteorologiebehörde CWB registrierte lag das Epizentrum des Erdbebens am Westrand der Stadt. Es erreichte Magnitude (ML) 6.1 und hatte eine Herdtiefe von rund 19 Kilometern. Das United States Geological Survey (USGS) errechnete Magnitude (Mw) 6.0.
In Hualien registrierte das CWB verbreitet hohe bis sehr hohe Intensitätswerte auf der landeseigenen Skala. Meist wurde Intensität 5 bis 6 gemessen. Im kleinen Ort Tongmen am Westrand von Hualien erreichte das Erdbeben Intensität 7, was einer Bodenbeschleunigung von über 4 m/s² und damit Mercalli-Intensität VIII oder höher entspricht. Demzufolge sind teils schwere Schäden in Hualien und Umgebung möglich.

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Auch in Taipeh war das Erdbeben, besonders in den oberen Stockwerken von Hochhäusern, stark zu spüren. Am Stadtrand registrierte die CWB ebenfalls Intensität 5.

Das heutige Erdbeben folgte auf eine Erdbebenserie, die Hualien im Frühjahr 2018 erschüttert hatte. Das damals stärkste Beben mit Magnitude 6.4 führte zum Einstürz von mehreren Hochhäusern. Mindestens 17 Menschen kamen dabei ums Leben. Bereits in den vergangenen Tagen lebte die Erdbebenaktivität in Hualien erneut auf mit mehreren Beben über Magnitude 4.

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Update 07:38 Uhr
Bilder und Videos in Sozialen Netzwerken zeigen kleinere Schäden in mehreren Privathaushalten sowie am Zentralbahnhof von Hualien. Meldungen über mögliche Verletzte gibt es noch nicht.
Ein erstes Nachbeben mit Magnitude 4.1 ereignete sich. Dieses erreichte am Stadtrand von Hualien Intensität 5. In den kommenden Tagen sind weitere Nachbeben möglich, bei denen auch Schäden verursacht werden könnten.

Update 07:43 Uhr
Das Hauptbeben wurde auch deutlich in den chinesischen Provinzen Fujian und Zhejiang verspürt, unter anderem auch in den Hochhäusern von Shanghai. Dort sind allerdings keine Schäden zu erwarten.
In Taipeh wurden aufgrund des Erdbebens zahlreiche Nahverkehrslinien unterbrochen, um mögliche Schäden zu überprüfen. Die Behörden von Taiwan reagierten auf das Beben und entsandten Rettungskräfte in die Epizentralregion nahe Hualien.

Update 07:52 Uhr
In mehreren Landesteilen kam es stellenweise zu kleineren Stromausfällen infolge des Erdbebens, vor allem rund um Taipeh und Hualien. In den meisten Fällen konnte die Stromversorgung bereits nach wenigen Minuten wieder hergestellt werden. Sonstige Versorgungsdienste sollen normal und ohne Störungen laufen.
Die Atomkraftwerke des Landes sind nach Angaben des Betreibers nicht vom Erdbeben betroffen.

Update 08:00 Uhr
Auswertungen des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) zeigen, dass sich das heutige Erdbeben an einer der großen Überschiebungen ereignete, die quer durch Taiwan verlaufen. Möglicherweise direkt am Übergang zur Subduktionszone, die in Richtung der japanischen Präfektur Okinawa verläuft. Die Erdbebenserie des vergangenen Jahres in Hualien ging hingegen auf eine horizontale Verschiebung im Längstal zurück. Somit besteht kein direkter Zusammenhang zwischen der Erdbebenserie 2018 und dem heutigen Ereignis. Allerdings ist es aufgrund der geographischen Nähe beider Ereignisse möglich, dass durch die Spannungsänderungen infolge des großen Bebens (M6.4) im Februar 2018 das Auftreten des heutigen Bebens begünstigt wurde.

Update 08:15 Uhr
Im Bergland rund um das Epizentrum kam es zu einigen teils größeren Erdrutschen infolge des Erdbebens. Auch Steinschläge an einigen Straßen wurden beobachtet. Zur Zeit ist unklar, ob Menschen oder Gebäude von den herabstürzenden Gesteinsmassen betroffen sind.

Update 08:29 Uhr
Ein Hochhaus im Norden von Hualien, das als Geschäftsgebäude genutzt wird, kippte infolge des Erdbebens leicht zur Seite und berührte dabei das Nachbargebäude. Das Gebäude wurde geräumt, rund 100 Menschen sind betroffen. Zur Zeit wird die Sicherheit des Hochhauses überprüft. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand.

Update 08:40 Uhr
Zwei Touristen, die zur Zeit des Bebens auf einem Wanderweg im Taroko-Nationalpark unterwegs waren, wurden durch herabstürzende Gesteinsbrocken leicht verletzt.

Update 09:00 Uhr
Auch in Taipeh wurden mehrere Menschen leicht verletzt, als sie in Hochhäusern durch umstürzende Gegenstände getroffen wurden. 

Update 11:34 Uhr
Die Zahl der Verletzten ist auf insgesamt 17 gestiegen, wie Behörden mitteilten. 10 Menschen wurden durch herabstürzende Objekte in Taipeh verletzt, 5 weitere in Neu-Taipeh. Von den beiden verletzten, malayischen Touristen in der Taroko-Schlucht schwere einer in Lebensgefahr. Er erlitt schwere Kopf- und Beinverletzungen durch herabstürzende Felsbrocken.

Zeugenmeldungen
Taroko-Schlucht
Im Fahrzeug sitzend, stehend auf Parkplatz, Türen geöffnet. Dumpfes Grillen, Vibrieren und Schwanken des Fahrzeugs für ca. 3s. Nach weiteren 5s Abgang von vielen Steinen auf die Straße. Schon recht erschreckend. Sofortige Warnung aufs Handy (Presidential Alert). (Intensität VII)

wird aktualisiert, sobald weitere Infos vorliegen…

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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 18. April, 07:01 Uhr

Magnitude: 6.1

Tiefe: 19 km

Spürbar: ja

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: möglich

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.

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Jens ist 25 und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Ab Sommer 2019 ist er in der Katastrophenforschung tätig.

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