Ungewöhnliche Häufung: Fünf tödliche Erdbeben in sechs Tagen

In den vergangenen Tagen kam es zu einer relativ seltenen Häufung von (traurigen) Ereignissen: Insgesamt fünf tödliche Erdbeben haben sich seit vergangenen Dienstag ereignet. Fünf tödliche Erdbeben innerhalb von sechs Tagen: Eine seit Aufzeichnungsbeginn der Earthquake Impact Database (die beste und ausführlichste Datenbank von Schadensbeben der Welt) noch nicht beobachtete Häufung.

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Die fünf „Verantwortlichen“ sind die Erdbeben in Pakistan (M5.6), der Türkei (M5.7), Indonesien (M6.5) sowie zwei Beben in Chile (M6.1 und 6.8). Insgesamt 73 Todesopfer waren zu beklagen.

Seit 2014 gab es weltweit rund 180 tödliche Erdbeben, also etwa 35 solcher Beben pro Jahr, bzw etwa drei Erdbeben pro Monat. Dass dieser Durchschnitt nun innerhalb von nur sechs Tagen überboten wurde, ist zwar in diesem Zeitraum ein Novum, jedoch nichts, was von vornherein extrem unwahrscheinlich war. Häufungen von vier (oder auch einmal fünf) tödlichen Beben innerhalb von sieben Tagen hat es seit 2014 mehrfach gegeben, oft ist dies einer kurzfristigen Häufung sehr schwerer Erdbeben geschuldet gewesen: Das Auftreten von Erdbeben ist mehr oder weniger zufällig. Das heißt sie passieren ohne irgendwelche Muster und größtenteils ohne sich gegenseitig zu beeinflussen. Für Beben spezieller Kategorien (zum Beispiel sehr schwere über Magnitude 7) bedeutet das, es kann innerhalb kürzester Zeit mehrere von ihnen geben, oder aber für lange Zeit garkeine. Beide Extrema sind langfristig ähnlich häufig. Aus diesen und weniger extremen Perioden mittelt sich der Durchschnitt, der selbst dann eher die Ausnahme als die Regel ist.

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Tödliche Erdbeben seit 2014

Damit ein Erdbeben tödlich endet, müssen noch weitere Faktoren hinzu kommen, als die bloße Größe: Es muss eine potentiell betroffene Bevölkerung vorhanden sein und (wie in Pakistan, Indonesien und der Türkei) auch eine für ein Beben dieser Stärke entsprechende Verwundbarkeit vorhanden sein. Manchmal, so wie in den beiden Fällen in Chile, kommt noch ein absolut unkalkulierbarer Faktor hinzu: Persönliches Unglück. So starben die beiden Menschen dort nicht durch einstürzende Gebäude, die direkten Folgen des Bebens, sondern sind eher als sekundäre Opfer einzuordnen: Eine ältere Frau starb an einen Herzinfarkt, die zweite Person (ein Taucher) starb an der Dekompressionskrankheit, da er aus Angst nach dem Erdbeben zu schnell zur Oberfläche zurückkehrte. Todesfälle, die weniger den Erdbeben selbst als eher ihren unglücklichen Umständen geschuldet sind. Auch die beiden Todesopfer in der Türkei starben infolge von Panikattacken.

Es sind nicht die Erdbeben selbst, die Menschen töten. Es sind die Umstände des Ereignisses, die fatale Auswirkungen haben. Ob es einstürzende Gebäude sind, Herzkrankheiten oder Panik. Fünf tödliche Beben in wenigen Tagen sind in diesem Fall keiner Erdbebenhäufung geschuldet (wie man auch anhand der eher durchschnittlichen Magnituden sehen kann), sondern einfach nur dem Pech, dass es nicht nur unbesiedelte Gebiete im Südpazifik getroffen hat. Mit insgesamt sieben Beben über Magnitude sechs war die vergangene Woche dennoch auf deutlich überdurchschnittlichem Niveau, im Gegensatz zum größten Teil des bisherigen Jahres.

Auf oben stehender Karte ist die weltweite Verteilung von tödlichen Erdbeben seit 2014 zu sehen.

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Jens Skapski

Data Analyst bei Risklayer
Jens ist 25 Jahre alt und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Seit Sommer 2019 arbeitet er als Data Analyst in Karlsruhe.

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