15 Jahre ohne „5er“: Das Waldkirch-Erdbeben 2004

2018 gab es weltweit etwa 12.800 von ihnen, 2019 wird wahrscheinlich auf rund 11.000 hinauslaufen.
In Indonesien erlebt man diese Erdbeben etwa alle zwei Tage, in Deutschland nur ein paar Mal pro Jahrhundert. Das letzte ist nun exakt 15 Jahre her.

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Erdbeben der Stärke 5 oder höher kommen in Deutschland für die Bewohner meist immer sehr überraschend und enthalten entsprechend große Aufmerksamkeit. Oft können sie durch die in Deutschland übliche geringe Herdtiefe auch zu größeren Schäden führen. Beim letzten Erdbeben am 5. Dezember 2004 war dies zum Glück nicht der Fall.
Um 2:52 Uhr morgens traf es die Schwarzwald-Stadt Waldkirch nahe Freiburg. Der Erdbebendienst Südwest ermittelte Magnitude (ML) 5.4, womit es deutschlandweit das stärkste tektonische Erdbeben seit 1978 war. Spätere Ermittlungen der Moment-Magnitude ergaben Mw4.7, sowie eine Überarbeitung der Lokalmagnitude durch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe auf ML5.1. Das Erdbeben selbst war in weiten Teilen Südwestdeutschlands zu spüren und verursachte besonders in Waldkirch und angrenzenden Schwarzwaldtälern kleinere Schäden an Gebäuden. In Waldkirch, das ergaben spätere Auswertung, war nur rund jedes 20. Gebäude von oberflächlichen Schäden betroffen.

Dass das Epizentrum ein wenig abseits der größeren Siedlungen im Schwarzwald lag trug ebenso zur Vermeidung größerer Auswirkungen bei wie auch die in Südwestdeutschland verbreitet geltenden Baunormen. Eine zu erwartende Maximalintensität von 6.5 bis 7 kann für ein solches Erdbeben berechnet werden. Die meisten Gebäudeschäden entsprechen jedoch nur Intensität 5 bis 6.

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Intensitätsverteilung des Waldkirch-Erdbebens 2004

Auch in Zukunft wird es, besonders rund um Schwarzwald und entlang des Rheins, starke Erdbeben geben. Eine Einhaltung der Baunormen kann dazu beitragen, Schäden zu minimieren Dabei sind es nicht immer nur die starken Beben, die große Auswirkungen haben können. Neben der Magnitude sind es vor allem Herdtiefe, geologische Bedingungen und Bevölkerungsdichte, die die möglichen Auswirkungen eines Erdbebens beeinflussen. So verursachte das Erdbeben der Stärke 4.2 bei Darmstadt im Jahr 2014 ähnliche Schäden wie das Waldkirch-Beben zehn Jahre zuvor, trotz geringer Magnitude und ist damit das bislang letzte größere Schadensbeben in Deutschland. Im besten Fall bleibt es das so lange, bis Magnitude 5 erneut überschritten wird.

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Jens Skapski

Data Analyst bei Risklayer
Jens ist 25 Jahre alt und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Seit Sommer 2019 arbeitet er als Data Analyst in Karlsruhe.

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