Die Geschichte einer Falschmeldung: Kuba, Stärke 6.6

Es kommt selten vor, dass sich die Relevanz eines Erdbebens nicht über die Fakten definiert, sondern über das, was nicht stimmt. Das heutige Erdbeben der kubanischen Region Guantanamo an der Ostspitze der Insel ist eines davon. Von der Faktenlage her machte dieses Erdbeben zwar auch schon einiges her: Magnitude 4.5, geringe Tiefe, mögliche leichte Schäden und Fortsetzung einer seit mehreren Tagen andauernden kleinen Erdbebenserie in Guantanamo. Relevanter wäre es jedoch, wenn das, was nicht stimmt, so geschehen wäre.

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Es war mal wieder ein technischer Fehler, die durch schlechten Journalismus, unseriöse Apps und den generellen Drang, alles ohne Rücksicht auf Verluste in Sozialen Netzwerken zu teilen, in die Welt hinausgetragen wurde. So hat der Haitianische Erdbebendienst, seit neuestem Zulieferer der europäischen seismologischen Organisation EMSC, in seiner ersten automatischen Registrierung des Bebens drastisch daneben gelegen: Magnitude 6.6 statt 4.5. Da EMSC so funktioniert, dass der Erdbebendienst die zum entsprechenden Zeitpunkt qualitativ hochwertigsten Auswertungen (oder eben die einzigen wie in diesem Fall) wiedergibt, fand in den ersten Minuten nach dem Beben die Auswertung aus Haiti ein großes Publikum. Sehr groß: Die Erdbebenliste vom EMSC ist Basis zahlreicher Erdbebenapps und automatischer Feeds, die auch direkt zu Nachrichtenportalen führen. Und die Meldung, Erdbeben der Stärke 6.6 in Guantanamo, Kuba, findet auch außerhalb von Lateinamerika Zuhörer.

So dauerte es nicht lange, bis die Meldung über ein schweres Erdbeben auf Kuba auf Nachrichtenportalen wie RT, Ilmessaggero und Leggo auftauchte (und teilweise zur Zeit immer noch unkorrigiert in der Originalversion abrufbar ist). Unabhängig davon, dass der Haitianische Erdbebendienst inzwischen den automatischen Fehler durch manuelle Überprüfung entdeckt und das Beben auf Magnitude 5.0 korrigiert hat. Das United States Geological Survey (USGS) liegt mit Magnitude 4.5 sogar noch ein bisschen drunter. Auch in einigen Erdbebenapps, die sich in der Regel auf die ersten gelieferten Daten stürzen und sie weitergeben, ist nachwievor von einem 6.6 die Rede.

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Gerade in den aktuell schwierigen Zeiten, wo Fake News und Verschwörungstheorien auf globale Nervosität treffen, sind solche Falschmeldungen natürlich gefährlich, schüren sie doch zusätzliche Unruhe und Misstrauen. Eine Korrektur von 6.6 auf 4.5 ist heftig und ohne die Hintergründe zu kennen kaum nachvollziehbar. Umso wichtiger ist es, solche Situationen zu nutzen, um seriöse Quellen von unseriösen zu unterscheiden: Erdbebenapps, die noch immer 6.6 statt 4.5 (oder 5.0) zeigen, erweisen sich als nicht vertrauenswürdig und sind offenbar nur auf Schnelligkeit und nicht auf Qualität aus. Nachrichtenseiten, die die ursprüngliche Meldung nicht gelöscht oder korrigiert haben, geben ebenfalls ungeprüfte Daten wieder.

Dem Haitianischen Erdbebendienst ist kein Vorwurf zu machen: Automatische Registrierungen, wie sie bei allen Erdbebendiensten Anwendung finden, sind nicht immer perfekt. Manchmal passieren Fehler, auch den „großen“ Diensten wie USGS oder Geofon. Wichtig ist, diese Daten schnell zu korrigieren. So hat auch das EMSC nach ca. 30 Minuten korrigiert. Jedoch kann man hier vielleicht die Chance ergreifen, in Zukunft einen genaueren Blick auf die Daten zu werfen. Das System, automatische Daten von lokalen Erdbebendiensten zu verwenden, ist riskant. So tauchten zuletzt auch viele Falschmeldungen vom Indischen Erdbebendienst in der EMSC-Liste auf. Eine Korrektur erfolgt erst spät oder garnicht. Bei der Reichweite des EMSC sollte dieses Problem angegangen oder zumindest offen kommuniziert werden. Sonst können Meldungen über ein potentiell verheerendes Erdbeben der Stärke 6.6 in Kuba schnell die Runde machen und unnötig Menschen verängstigen.

FAQ: Wie entstehen Erdbeben? Wann sind Erdbeben gefährlich? Wie kann ich mich schützen? Was sind Störungen, was sind Platten? Wichtige Begriffe erklärt

Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 29. April, 12:22 Uhr

Magnitude: 4.5

Tiefe:

Spürbar: ja

Schäden erwartet: möglich

Opfer erwartet: nein

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

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Quellen (Erdbebendienste) zu allen Erdbebendaten

Quellen zu Erdbebenschäden sind in der jeweiligen "Earthquake Impact Database" aufgeführt.

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