Neue BGR-Karte zeigt Bodenhebungen am Laacher See – Erdbeben durch Magmaintrusion?

In den vergangenen Jahren machten tiefe Erdbeben magmatischen Ursprungs (Deep Low Frequency-Erdbeben, kurz DLF) in der Eifel Schlagzeilen. Kleine Erdbeben in über 20 Kilometern Tiefe südlich des Laacher Sees gelten als erster messbarer Nachweis aktiver magmatischer Prozesse im Vulkangebiet Eifel und als Zeichen andauernder Vulkanaktivität. Eine viel beachtete Studie zu diesen Erdbeben wurde im Jahr 2019 veröffentlicht. Nur eine Randnotiz in dieser Veröffentlichung war eine Serie flacher Erdbeben nördlich des Laacher Sees, die unmittelbar auf eine DLF-Phase folgte. In der Studie wurde sie entweder auf eine magmatische Intrusion oder Fluidbewegungen zurückgeführt. Neues Datenmaterial, dass die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) jüngst veröffentlichte, erhärtet die Theorie eines magmatischen Ursprungs.

Mithilfe von Satellitenmessungen erstellte das BGR einen Datensatz, der die Höhenänderungen an verschiedenen Orten in Deutschland zeigte. Ursachen wie Bergbau, Grundwasserentnahme oder starke Bebauung sowie Setzung aufgeschütteten Materials war ursächlich für Bodenhebungen und -Senkungen von teilweise mehreren Zentimetern in diesem Zeitraum. Die Ergebnisse mit den Veränderungen von 2014 bis 2019 sind in einer sehr detaillierten interaktiven Karte auf der BGR-Webseite dargestellt.

Anders als die menschengemachten Änderungen fällt ein kleines Gebiet starker Bodenhebungen nahe des Dorfes Glees in der Osteifel auf. Nördlich des Laacher Sees war Glees in den Jahren 2017 und 2018 Schauplatz einer kleinen, nicht spürbaren Erdbebenserie in geringer Tiefe von rund 5 Kilometern. Diese Serie, bisher einzigartig an diesem Ort, zumindest in dem Zeitraum mit vorliegenden Daten, wird in der Studie von Hensch et. al. (2019) als mögliche Folge magmatischer Bewegungen in rund 30 Kilometern Tiefe unterhalb der Eifel gedeutet, welche zu den Deep Low Frequency Erdbeben führte, die das Hauptthema der Studie waren. Bereits in der Studie wurde gemutmaßt, dass diese Glees-Sequenz auf eine magmatische Intrusion, also das Eindringen von Gesteinsschmelze in die Obere Erdkruste, zurückzuführen ist. Dies konnte aber durch fehlende GPS Daten bisher nicht nachgewiesen werden.

Der neue Datensatz des BGR zeigt nun tatsächlich Bodenhebungen von bis zu vier Zentimetern innerhalb der fünf Jahre in Glees.

Screenshot der BGR-Karte zeigt den Ausschnitt rund um den Laacher See. Die blauen Messpunkte nördlich des Laacher Sees zeigen die Orte in Glees, an denen eine Hebung des Bodens, bzw. eine Bewegung zum Satelliten hin, gemessen wurde. Ebenfalls bemerkenswert sind Senkungen in der nahe gelegenen Wehrer Vulkancaldera.

Besonders stark waren diese Hebungen im Norden des Ortes und im Brohltal. Dort, wo auch die Epizentren lagen.
Die Zeitreihe der Messungen zeigt, dass die stärksten Hebungen in und um Glees vor Beginn der Erdbebensequenz und der nachgewiesenen DLF-Erdbeben stattfanden und dann unmittelbar darauf rückläufig waren. Hebungen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit waren aber über dem gesamten Zeitraum zu beobachten.

Zeitreihe der Höhenmessungen am nördlichsten Messpunkt in Glees der BGR-Karte.

Die Glees-Sequenz bestand damals nicht nur aus dem Erdbebencluster im Brohltal. Ein zweites Cluster kleiner Erdbeben ereignete sich weiter südwestlich innerhalb des Wehrer Kessels, einer alten Vulkancaldera, im Jahr 2018. Auch innerhalb vom namensgebenden Ort Wehr sind im BGR-Datensatz Anomalien zu erkennen. Statt einer Bewegung zum Satelliten hin sind es hier jedoch Senkungen. Ob diese Senkungen, sie seit 2014 mit relativ konstanter Bewegungsrate andauern, ebenfalls eine Folge magmatischer Prozesse sein könnten, oder doch eher der Bebauung geschuldet sind, bleibt offen.

Die seismische Aktivität in Deutschland ist weiterhin sehr niedrig. Daher schauen wir uns mal die jüngsten…

Gepostet von Erdbeben in Deutschland am Freitag, 7. September 2018

Eine mögliche Interpretation ist, dass sich durch den Zustrom von Magma aus der Tiefe eine existierende Magmablase unterhalb der Wehrer Caldera nach Nordosten unterhalb des Brohltals verlagert hat. Der Volumenverlust unter Wehr hat zu den dortigen Senkungen geführt. In Glees, wo sich mutmaßlich kontinuierlich Magma ansammelt, führt dies zu Hebungen des Bodens.

Leider lassen sich allein aus den BGR-Daten keine gesicherten Rückschlüsse auf die Ursachen der Bodenbewegungen schließen. Zudem sollte erwähnt werden, dass auch Jahren vor 2014 keine Daten vorliegen und somit nicht klar ist, ob wir es mit einem neuen Phänomen zu tun haben. Im Zusammenhang mit den bereits nachgewiesenen magmatischen Aktivitäten unter der Eifel können diese jedoch für weitere Forschungen hilfreich sein, die jüngsten Ereignisse dort besser zu verstehen. Die damit nun mögliche Lokalisierung einer Magmakammer nördlich des Laacher Sees könnte zudem ein besseres Verständnis der vulkanischen Gefahren bedingen. Sollte der BGR-Datensatz auch in den kommenden Jahren aktualisiert werden, bietet sich dadurch zudem eine neue Möglichkeit, die Aktivitäten des Vulkans zu identifizieren.

Ein Kommentar

  1. ich hatte in Facebook geschrieben, dass sich der Wasserspiegel gerade nach Norden hin angehoben hat, dass würde nun nicht mehr zusammen passen, genau das gegenteil müßte dann der fall sein und nach Süden hin der Wasserspiegel ansteigen, was wohl auch nicht der fall ist. Im WDR sagte man vor vielen Jahren mal, wenn die Mofetten Aktiver werden, wäre das ein anzeichen, dies ist wohl auch nicht der fall. Die frage wäre ja auch noch, wie weit genau die aufwölbung ist, ob die bis zum See reicht, oder weiter nach Norden aufhört? Den Beben können ja auch absink vorgänge beschleunigen.

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